Und es gibt noch viele weitere Fundstellen für die Wort-Kombi „grün, gerecht, produktiv“. Googeln Sie das ruhig mal.
Neu für Minden ist daran höchstens, dass man die Charta hier jetzt auch mal auf den Bürgermeister-Schreibtisch bekommen hat.
38 Seiten Platitüden. Alles wichtige Themen. Aber nichts davon ist Minden-spezifisch
Und es geht weiter in der „Stadtstrategie Minden 2032“ mit derlei freundlichen Platitüden.
„Wir stehen für eine klimaresiliente Stadtplanung.“
Tja, ob Köln oder Düsseldorf das tatsächlich anders praktizieren werden?
„Wir fördern gute Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit.“
Na, Herford? Na, Bielefeld? So was kriegt ihr nicht hin, oder?
„Wir fördern die benutzerfreundliche Vernetzung von Fuß- und Radverkehr, ÖPNV und PKW.“
Tja, Münster, plötzlich siehst du ganz schön alt aus, was? Komm, hier, einen noch – auch wenn viele Dutzend weitere im Papier stehen:
„Wir nutzen gute Früherkennungssysteme und haben eine gute Reaktionsfähigkeit in Krisen.“
Siehste, Hannover! Siehste, Osnabrück! Da guckt ihr blöd aus der Wäsche, ne?
Es geht seitenweise so weiter: Ein Gemeinplatz reiht sich an den nächsten. Ein großes Leipziger Allerlei. Denn dass man sich bei der „Neuen Leipzig-Charta“ bedient hat, gibt man im Papier unumwunden zu.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: alles relevante Themen, alles richtig. Aber wo bleibt das, was es am Ende über das allgemeine Allerweltsgeraune hinaushebt und zu einem spezifischen Mindener Thema macht?
Keine Antwort. Man bleibt im Vagen und fischt im Trüben
Bei so viel Nicht-Spezifischem fragt man sich sofort: Hat das vielleicht eine KI geschrieben, so bla-bla wie das alles ist?
Natürlich nicht. Das haben Menschen geschrieben. Von einer KI haben wir es schreiben lassen – aus Spaß und einfach so zum Vergleich (siehe unten Punkt 5.).
Was sich da vollmundig „Stadtstrategie Minden 2032“ nennt, hat so viel mit Minden zu tun wie ein Glas Wasser mit dem Anstieg des Meeresspiegels.
Die drängenden Themen im Papier: Es sind die drängenden Themen jeder beliebigen anderen Mittelstadt in Deutschland, ja, sogar in ganz Europa. Denn tatsächlich stehen alle vor ganz ähnlichen Herausforderungen.
Was ist dann also das strategisch Spezifische für Minden? Was sind die besonderen Assets, Ressourcen, Fähigkeiten, strategischen Chancen, die sich für diese Stadt ergeben im Umgang mit den Herausforderungen der Zukunft? Keine Antwort. Das Papier schweigt sich energisch darüber aus.
Was sind spezielle Risiken, Probleme, Herausforderungen, die sich gerade für Minden ergeben im Vergleich zu anderen Städten? Und wie kann man darauf reagieren? Erneut keine Antwort.
Natürlich nicht. Man bleibt lieber im Vagen, im Ungefähren und fischt munter im Trüben. Eine vollkommen beliebige und austauschbare Lose-Blatt-Sammlung. Ein großes verschwurbeltes Wünsch-dir-was.
Text-Bastelei nach dem Copy-Paste-Prinzip. Lehrer verurteilen ihre Schüler, wenn die das bei Hausaufgaben machen. Sobald diese Lehrer im Stadtrat sitzen, schwärmen sie vor lauter Ahnungslosigkeit, wenn Berater das Gleiche tun.
„Morgens geht die Sonne auf und abends geht sie unter.“ Ach, echt jetzt …?
Das ganze Papier, es drückt sich seitenweise um spezifische Aussagen für Minden drumrum. Nun liegt es zwar in der Natur von Strategiepapieren, dass sie sich im Abstrakten bewegen. Aber, bitte, nicht im Unspezifischen – als hingen sie im luftleeren Raum.
Eine Aussage wie „Morgens geht die Sonne auf und abends geht sie unter, das ist uns wichtig“ ist eben keine Strategie, sondern lediglich Elementarwissen und gilt an quasi jedem Ort der Welt.
Man muss sagen: fast schon ein Wunder, dass es dieser Satz angesichts seiner fundamentalen Banalität Bedeutungskraft nicht in die „Stadtstrategie Minden 2032“ geschafft hat. Man hätte im Ausschuss wohl auch dazu noch applaudiert.
Neueste Kommentare