Stadt Minden stellt öffentliche Sicherheit her. Ergebnis: Welle der Gewalt

Stadt Minden stellt öffentliche Sicherheit her.
Ergebnis: Welle der Gewalt

Stadt Minden stellt öffentliche Sicherheit her.
Ergebnis: Welle der Gewalt

Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening

Hat beim Landeskriminalamt Hamburg hospitiert, Bereich Drogen-Krimininalität, und an der Entwicklung von Quartieren raus aus der Verwahrlosung und Gewaltspirale mitgewirkt.

Mindens Obermarktstraße ist in die Schlagzeilen geraten. Eine Welle der Gewalt schwappt durch die historische Straße in Mindens Oberer Altstadt: „Trio greift Passanten an“, schreibt das Online-Portal Hallo Minden am 5. Februar 2024.

Einen Monat später: „Ein 35-Jähriger aus Minden, der bei einer Auseinandersetzung in der Mindener Obermarktstraße in der Nacht auf Sonntag, 3. März, schwer verletzt worden ist, schwebt weiterhin in Lebensgefahr“, meldet das Westfalen-Blatt am 20. März 2024. „Noch ist nicht sicher, ob er überleben wird“, wissen die Schaumburger Nachrichten zu ergänzen.

Und Radio Westfalica meldet am gleichen Tag: „Nach dem Angriff auf zwei Mindener an der Obermarktstraße haben die Ermittler der Mordkommission offenbar eine erste Spur.“

„Wegen eines Mülltonnenbrandes wurde die Polizei in der Nacht zu Donnerstag gegen 2.50 Uhr zum Innenhof eines an der Obermarktstraße gelegenen Mehrfamilienhauses gerufen“, meldet die Polizei Presse am 14. März 2024. Und ergänzt in der Meldung einen weiteren Brand in der Obermarktstraße, Ecke Opferstraße.

Und ganz aktuell, an diesem Oster-Wochenende, machen Meldungen die Runde über eine weitere brutale Attacke in der Obermarktstraße: In der Nacht des 27. März 2024 wurde erneut eine Person massiv angegriffen und verletzt.

Was ist bloß los in der Obermarktstraße?

Dabei hatte die Stadt Minden, Administration Jäcke doch extra Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19 schließen lassen, um die „öffentliche Sicherheit und Ordnung“ wiederherzustellen. Okay, per Behörden-Willkür, wie sich später beim Verwaltungsgericht herausstellte, wo der Fall verhandelt wurde.

Aber trotzdem: Seit der Schließung hätte doch alles tippitoppi laufen müssen in Sachen öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Obermarktstraße – ein Hort der Glückseligkeit. Friede, Freude, Eierkuchen überall.

Stattdessen das glatte Gegenteil: Die Verwahrlosung der Straße nimmt zu, ebenso die Gewaltbereitschaft, die Besucherfrequenz sinkt, Immobilien verfallen, in der „Angstraum-Karte“ der Stadt Minden ist die Obermarktstraße eine der am häufigsten genannten Adressen.

Und wer mal mit Bürgern spricht, hört noch ganz andere Dinge.

    • „Ihr geht nach 21:00 Uhr nicht mehr auf die Straße“, warnte ein Bewohner der Oberen Altstadt während eines Workshops zur Entwicklung des Obermarkt-Quartiers Ende letzten Jahres. „Das ist zu gefährlich für euch. Auch für dich, Edgar.“
    • Tatsächlich ist auch der Autor im Umfeld der Obermarktstraße schon mehrfach persönlich angegangen, bespuckt und angerempelt worden.
    • „Wollt ihr wirklich zu Fuß nach Hause gehen? Um diese Uhrzeit?“, fragte ein Mitglied des Mindener Stadtrats neulich, als wir uns gegen 21:00 Uhr trennten. „Ich bringe euch schnell mit dem Auto nach Hause, das ist sicherer“, lautete das Angebot. Und der Autor und seine Lebensgefährtin ernteten ernsthaft besorgte Blicke, als sie das Angebot ablehnten.
    • Die Eigentümerin einer Liegenschaft in der Obermarktstraße erzählt: „Ein hochkarätiges Geschäft wollte die Gewerbefläche im Erdgeschoß anmieten und investieren. Direkt vor Vertragsabschluss zog die Geschäftsführerin zurück. Sie war am Vorabend durch die Straße gegangen und fühlte sich bedroht von der Atmosphäre und Schmierereien an der Opfertreppe. Ihr Fazit: An diesem Standort könne sie nicht für die Sicherheit ihrer jungen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen garantieren, wenn die abends das Geschäft schließen. Deshalb kam die Vermietung nicht zustande. Die frischen Schmierereien genau an dem Tag stammten übrigens von der Frauenbeauftragten der Stadt Minden.“
    • Bürger berichten von nächtlichen Messerstechereien in der Oberen Altstadt, von offener Drogenszene und von Polizeieinsätzen, über die später in der regierungsnahen Lokalpresse kaum oder gar nicht berichtet wird.
    • Immer wieder ist auch zu hören, dass Statistiken der Polizei, drücken wir es mal so aus: nicht hundert Prozent korrekt geführt werden – weil bestimmte Kreise großes Interesse daran haben, die Zahlen für Minden besser aussehen zu lassen. Dass die Polizei erst zwei Wochen nach der brutalen Attacke von Anfang März eine Mordkommission einsetzte, dass sie dann erst anfing Spuren zu sammeln, das befeuert solche Gerüchte natürlich noch.
    • Städtische Bedienstete und ihre Sympathisanten fördern die Verwahrlosung der Obermarktstraße durch eigenmächtige Schmierereien, die als „politische Aktion“ deklariert werden – mit dem Segen der Stadtverwaltung und mit Unterstützung aus dem parteiideologischen Umfeld.

Dass sich in einem solchen Umfeld die Spirale der Gewalt weiterdreht, kann niemanden verwundern.

Trotzdem bleibt die Frage: Was kann man tun? Wie kann man den Trend brechen, im Idealfall sogar umkehren?

Wie kann man die Verwahrlosung und wachsende Welle der Gewalt in der Obermarktstraße aufhalten?

Mindens Politik reagiert mit der üblichen Ratlosigkeit. Mit den gleichen Provinz-Rezepten, die schon früher nicht funktioniert haben: Man möge doch mehr Mülleimer aufstellen – für die Sauberkeit. Und die Polizei müsse öfter mal Streife gehen im Quartier – na klar.

Dass man womöglich Mit-Verantwortung haben könnte für die Situation, dass man sie regelrecht heraufbeschworen hat durch jahrelange Fehlentscheidungen, auf diese Idee kommt man selbstredend nicht.

Mal mit Leuten zu reden, die sich mit sowas auskennen, scheint jedenfalls keine ernstzunehmende Option zu sein in Minden.

Dabei bekommt, wer mit Menschen spricht, die ähnliche Herausforderungen schon mal gemeistert haben, sehr schnell eine Antwort, was in der konkreten Situation in der Obermarktstraße helfen könnte.

Die Antwort lautet: Menschen.

Menschen könnten helfen, damit Menschen sich sicherer fühlen

Menschen, die auf der Straße präsent sind, sich dort bewegen, dort unterwegs sind – genau das kann Sicherheit schaffen.

Gewalt- und Konfliktforscher bestätigen: Wo sich viele Menschen bewegen, wo viele Passanten unterwegs sind, wo man nicht allein ist auf der Straße – dort fühlen sich Menschen wohler.

Weil sie wissen, dass im Zweifelsfall jemand in der Nähe ist, der helfen kann, beobachtet, Hilfe ruft, eingreift – oder, oder, oder was auch immer die jeweilige Situation verlangt. Und entsprechend unwohler fühlen sich Kriminelle – und meiden solche Räume.

Erst die Abwesenheit von Menschen im öffentlichen Raum schafft gefährliche Angsträume, schafft Möglichkeiten für Kriminalität aller Art.

Insofern ist die „Geisterstadt Minden“, die ich hier früher schon mal dokumentiert hatte, der ideale Raum, den Kriminelle sich wünschen können. Leere Straßen, leere Plätze, kein Mensch zu sehen weit und breit, keiner der eingreifen oder Hilfe holen könnte, keiner der das Geschehen bezeugen und Täter identifizieren könnte – nichts, das Gewalttäter bremsen würde.

Die „Geisterstadt Minden“, sie ist der perfekte Ort für Klein- und Großkriminelle aller Art. Eine Einladung mit offenen Armen für dunkle Machenschaften. „Alle willkommen“, wie es die Quartiersmanagerin der Oberen Altstadt mal in einer ihrer öffentlichen Schmierereien ausdrückte.

Aber wie bringt man Menschen auf die Straße, damit sich andere Menschen sicherer fühlen?

Auch darauf gibt es eine einfache Antwort: Es muss attraktiv sein für Menschen, sich abends auf der Straße zu bewegen. Konkret heißt das: Es muss attraktive Orte geben. Kneipen, Galerien, Restaurants, Cafés, Kinos, Clubs, Theater, Bars – und, und, und. Alles, was sich unter dem urbanen Begriff „Abend- und Nachtkultur“ subsumiert.

Dort, wo ein vielfältiges, lebendiges, buntes Angebot auch nach 18:00 Uhr noch besteht, bewegen sich Menschen auch in den Abendstunden. Dort steigt das persönliche Sicherheitsempfinden und die Kriminalität sinkt. Der Autor war höchstpersönlich an solchen Prozessen in Hamburg beteiligt.

„Nacht- und Abendkultur ist Sicherheitskultur“ – das ist mittlerweile eine der zentralen Leitlinien, die in Fachkreisen bundesweit diskutiert wird. Außer in der Tote-Hosen-Stadt Minden. Hier ist man froh, wenn man weder von Abendkultur noch von Fachkreisen behelligt wird.

Das Verrückte daran: Ausgerechnet Orte wie Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19, von dem die Stadtverwaltung Minden meinte, es würde die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden – ausgerechnet solche Ort tragen dazu bei, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu stärken. Weil sie attraktive Abendkultur bieten. Und damit für Lebendigkeit auf der Straße sorgen.

Mit dem Verbot hat die Stadt Minden die jetzige Eskalationsspirale gefördert: die Verwaltung als Brandstifter, die Politik als Mittäter

Solange es Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19 gab, fanden dort alle zwei Wochen Ausstellungs-Eröffnungen statt. Mal mit drei, vier Handvoll Menschen, mal mit vielen, vielen Dutzend. Dazu Lesungen, Vorträge, Konzerte – ein kunterbuntes Programm (hier im Video). Das alles rein ehrenamtlich aus bürgerschaftlichem Engagement.

Menschen, die sonst nie in die Obermarktstraße gekommen wären, kamen plötzlich. Sie waren auf der Straße unterwegs, sie blieben eine Weile oder auch länger, sie zogen weiter – jedes Mal ein putzmunteres Treiben, ein großes Hallo. Und umso weniger Raum für kriminelle Gestalten auf der Straße. Das liess sich deutlich beobachten.

So gesehen kann man der Stadt Minden mindestens moralische Mitverantwortung an der aktuellen Entwicklung der Obermarktstraße zugestehen.

Statt Abend- und Sicherheitskultur möglich zu machen, hat man einen ohnehin drohenden Angstraum vergrößert

Öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Obermarktstraße – dafür hätte es nicht der Schließung von Das Herz der Stadt bedurft, es hätte die ausdrückliche Förderung von mehr Orten wie Das Herz der Stadt gebraucht.

Aber solange im Mindener Rathaus der gleiche Stumpfsinn weiter regiert und Ämter vor allem genutzt werden, um persönliche Eitelkeiten auszuleben, steht zu befürchten: Die Welle der Gewalt wird weitergehen in der Obermarktstraße.

Wir werden – leider, leider – weitere und härtere Angriffe erleben, irgendwann womöglich auch mit Schusswaffen, mit noch schlimmeren Folgen für die Opfer.

Der Gedanke daran macht traurig. Und wütend. Denn diejenigen, die als staatliche Organe den Rahmen für Gewalt fördern, stehen schon jetzt in der Mitschuld.

Die Handlanger der Kriminellen, sie sitzen in Amtsstuben und Politikersesseln. Und denken gar nicht daran, den Kriminellen das Geschäft schwerer zu machen, indem sie die Stadt zum Leben bringen.

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Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening

Wenn die Mindener Innenstadt es schon als Örtlichkeit kaum schafft, Menschen anzuziehen – als Thema einer Abend-Veranstaltung schafft sie es noch weniger.

Montag, 6. November 2023, 19:00 Uhr. Das Innenstadtmanagement der Stadt Minden hatte eingeladen zum zweiten „STADTnetzwerk-Treffen“. An die zweihundert Menschen hätten Platz gehabt im Ständersaal des Preußenmuseums.

Verrückt genug, sich anzumelden und auch zu kommen, waren keine fünfzig. Veranstaltungen der Mindener Stadtverwaltung sind nicht eben als Orte überquellender Lebensfreude und fröhlicher Unterhaltung bekannt.

Unter denen, die den Weg fanden: allein zwei Handvoll, die im Dienst der Verwaltung anwesend waren.

Dazu Offizielle von Stadtmarketing, IHK und Handelsverband. Aus der Politik ein paar SPD-Granden, ein FDP-Mann, einmal CDU. Von Linke, Grüne etc.: keine Spur. Ist man dort der Auffassung, die SPD wird das mit der Innenstadt schon richten und die Arbeitermassen wieder in die Shoppingtempel lotsen?

Den Reigen an Reden eröffnete Bürgermeister Michael Jäcke (SPD). Er betonte fröhlich, wie toll es in der Mindener Innenstadt liefe. Er käme beruflich auch in andere Städte, und was er dort teilweise sähe, dagegen sei Minden immer noch ganz weit vorne, betonte er.

Da war er wieder: dieser typisch Mindener Blick, der mir immer wieder in dieser Stadt auffällt.

Nicht etwa neugierig nach oben gerichtet – hin zu den Städten, wo lebendige, blühende Innenstädte vormachen, was Minden sein könnte, wenn man es anpacken würde. Sondern selbstzufrieden nach unten – dort hin, wo alles schlimmer ist als in Minden, so dass das eigene Elend den Bürgern nur noch halb so elend erscheinen möge.

Selbstzufrieden ging es weiter mit Vorträgen von CIMA, der Beraterfirma aus Hannover, und Innenstadtmanagement, die alle nur wunderschöne Erfolge zu berichten wussten. Friede, Freude, Pustekuchen.

Der Baubeigeordnete der Stadt Minden, Lars Bursian, flüchtete sich thematisch gleich direkt an die Weser und stellte ein Konzept für die künftige Schlagde vor. Zur Zukunft der Innenstadt hat sein Fachbereich offenbar nichts Wesentliches mehr beizutragen.

Einzig beim letzten Vortrag des Abends klangen auch mal vorsichtig kritische Töne an.

Architektin Astrid Engel als neue Vorsitzende der Immobilien- und Standort-Gemeinschaft ISG Obermarkt stellte den Verein und seine Aktivitäten vor. Sie war es, die betonte, dass „hier Stadtentwicklung für Minden direkt vor Ort betrieben wird, nicht aus der sicheren Distanz von Hannover aus.“

Bei Häppchen und Erfrischungsgetränken ging der Abend so sinnentleert zu Ende, wie er begonnen hatte. Wer nicht gekommen war, weil er sich stattdessen lieber mit David Sims Buch „Sanfte Stadt – Planungsideen für den urbanen Alltag“ auf dem Sofa zurückgezogen hatte, wurde vollauf bestätigt.

Dabei hätte es durchaus noch einen interessanten Vortrag geben können.

Ich hatte meine Präsentation „Geisterstadt Minden“ im Rückengepäck fix und fertig dabei. Allerdings war Das Herz der Stadt gar nicht eingeladen, einen Vortrag zu halten.

Ohnehin hätte es meine Präsentation wohl kaum durch den vorherigen Gesinnungs-Check der Stadt geschafft: zu viele Tatsachen, zu viel Realität, zu viel klarer Fokus auf die Verantwortlichen. Das hätte die Jubelchöre der Ehrenriege nur gestört.

Macht nichts. Das Publikum im Ständersaal war zahlenmäßig eh so klein. Hier und jetzt, an dieser Stelle, erreiche ich ein weitaus größeres Publikum – und das ganz ohne Gesinnungskontrolle oder Gefahr zu laufen, dass mir irgendjemand mittendrin den Stecker rauszieht. Zeige ich meine Folien eben hier.

Auf geht’s! Der ungehaltene Vortrag – durchaus im doppelten Wortsinne. Willkommen in der „Geisterstadt Minden“!

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Sehr verehrte Damen und Herren, ich habe hier ein paar Fotos aus Minden mitgebracht. Allesamt zufällig entstandene Schnappschüsse. Ich war gerade auf dem Heimweg, als ich dachte: Das muss ich festhalten.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Wann haben Sie das letzte Mal etwas so Trostloses, etwas so Gespenstisches gesehen?“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Geisterstadt Minden – die zentralen Innenstadtbereiche, sie wirken wie ausgestorben.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Alle drei Fotos sind entstanden: am gleichen Tag und zur gleichen Uhrzeit. Woran liegt es, dass Obermarktstraße, Scharn, Markt mit Domhof menschenleer sind? Was denken Sie ist der Grund?“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Sind die Fotos vielleicht weit nach Mitternacht entstanden, wo alle anständigen Bürger längst daheim und im Bett sind? Oder sind die Witterungsbedingungen vielleicht so unwirtlich, dass sich keine Menschenseele vor die Haustür traut? Läuft womöglich gerade ein großes Meisterschafts-Endspiel oder irgendein anderer Straßenfeger im Fernsehen? Was denken Sie?“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Alle drei Fotos sind entstanden am Mittwoch, 11. Oktober 2023 um 20:15 Uhr. Das Wetter war mild und lau: 18 Grad Celsius, kein Wind, kein Regen. Und es gab kein großes Fernsehereignis, das parallel stattfand. Ein in jeder Hinsicht ganz normaler, ganz gewöhnlicher Herbsttag. Aber warum ist die Innenstadt an einem normalen Tag so menschenleer?“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Der Architekt und Stadtplaner David Sim hat eine Antwort. Er sagt: ‚Menschen möchten dort sein, wo andere Menschen sind.‘ Niemand geht zum Beispiel gerne in ein menschenleeres Restaurant. Niemand geht gern in eine menschenleere Stadt.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Wer Orte schafft, die nur aus Gebäuden bestehen, schafft keine attraktiven Orte. Wer alles tut, um Menschen keine Attraktionen, keine Highlights, keine Erlebnisse zu bieten zum Bummeln, Schlendern, Schauen, Shoppen, Plaudern, Sitzen, Reden, Staunen, Treffen und, und, und – der schafft menschenleere Orte.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Denn genau das sind diese Orte: Sie sind allesamt geschaffen worden. Ausdrücklich in der Macher-Form! Diese menschenleeren Orte wurden von Politikern und ihren Planern so geschaffen. Sie sind es, die die Verantwortung tragen für Aufenthaltswüsten und Angsträume. Weil sie eben keine andere, keine attraktivere Stadt gemacht haben, sondern genau diese.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Hier entsteht wirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe. Für die Gewerbetreibenden, denen Umsätze wegbrechen oder gleich ganz entgehen, weil immer weniger Menschen in die Innenstadt kommen. Das wiederum verursacht Schäden bei den Liegenschaftseigentümern, deren Gebäude und Flächen von Jahr zu Jahr weniger wert sind, weil sich dort immer weniger Umsatz erwirtschaften lässt. Und natürlich auch für die Stadtgesellschaft, der Gewerbeeinnahmen entgehen. die an allen Ecken fehlen, z.B. um die Stadt wieder lebenswert zu machen. Dazu die langfristige Rufschädigung: ‚Minden? Brauchste nicht hinfahren – nix los.‘ Diese Schäden sind in Summe gigantisch. Und auch sie sind geschaffen worden – von Stadt-Ruinierern in Politik und Verwaltung.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Jeder Gewerbetreibende, der seinen Laden schließen muss, erlebt das als ganz persönliches Scheitern. ‚Der Amazon ist schuld, dass die Leute nicht mehr kommen.‘ Nein! Das Gros der Gewerbetreibenden macht tolle Arbeit und stemmt sich mutig gegen die Onlinedienste. Aber sie sind machtlos, wenn Politik und Verwaltung dafür sorgen, dass immer weniger Kunden den Weg in die Innenstadt nehmen wegen Attraktionslosigkeit und Angsträumen.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Die Bürger tun gut daran zu sagen: Es muss Schluss sein mit all den Schäden, die unserer Stadt da zugefügt werden von den Verursachern! Die Gewerbetreibenden sollten erkennen, dass nicht sie die Hauptverantwortung tragen, wenn ihr Laden in die Knie geht, sondern diejenigen, die die Stadt zu dem gemacht haben, was sie heute ist.“

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

„Diejenigen, die seit Jahren unsere Stadt ruinieren durch falsche Weichenstellungen, durch Blockade neuer Angebote und zeitgemäßer Lösungen, durch falsche Entscheidungen; diejenigen, die seit Jahren wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe verursachen durch ihr Treiben: Sie gehören raus aus ihren Ämtern und Positionen! Ihr Tun hat Bürger und Wirtschaft schon jetzt Millionen gekostet. Die Stadtruinierer haben jeden Kredit verspielt. Es muss endlich Platz für klügere Leute sein. Vielen Dank für Ihr Mitwirken dabei.“

„Geisterstadt Minden“ ist einer der kontroversen Impulsvorträge von Strategieentwickler Edgar Wilkening.

Wenn Sie nach dieser Kurzversion Interesse am vollständigen Impulsvortrag mit allen Bildern, Charts und Grafiken haben oder an anderen kontroversen Vorträgen: einfach Anfrage per Mail an ew@dasherzderstadt.de.

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Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening

Jetzt liegt die letzte Ausgabe an den Kiosken. Es ist eines der Magazine, mit denen den Autor eine ganz persönliche Geschichte verbindet. Denn als die erste Ausgabe von „Beef“ 2009 erschien, war das Heft hervorgegangen aus einem Wettbewerb beim Verlagshaus Gruner + Jahr, an dem ich mich selbst auch beteiligt hatte.

Die Verwerfungen am Print-Markt waren damals schon deutlich erkennbar. Das Digitale mischte das Gedruckte mächtig auf. Deshalb suchte G+J 2008 nach neuen Medien-Konzepten, neuen Lösungen, neuen Formaten – gerne auch in digitaler Form.

Als Creative Director, der damals von Hamburg aus tätig war, entwickelte ich seinerzeit das Konzept eines werktäglichen Newsletters, der die Leser frühmorgendlich in den Tag begleiten sollte: kompakt gefasst mit den wichtigsten Headlines, Small-Talk plus Private-Coaching-Elementen. Titel: „Make my day“. Eine Idee, die heute – in ähnlicher Form – vieldutzendfach in deutschen Medienhäusern umgesetzt wird: von ZEIT, t-online über Pioneer bis table.media & Co.

Na, schön, meine Idee war 2008 irgendwie der Zeit zu weit voraus. Und die Wettbewerbsmacher bei Gruner + Jahr entschieden sich dann doch lieber für ein klassisch printbasiertes Konzept: ein Kochmagazin, das sich ausdrücklich an Männer richtete, entwickelt von Jan Spielhagen – eben „Beef“.

So sehr es mich freut, dass heute viele, viele Medienhäuser meine damalige Idee des Morning-Briefings so lebendig umsetzen, so sehr stimmt es mich traurig zu sehen, dass Spielhagens großartiges Magazin-Konzept jetzt mit der letzten Ausgabe am Kiosk liegt: Das Heft mit dem vielsagenden Titel „Lebe wohl“ ist auf absehbare Zeit das letzte.

Der Wandel im Publishing-Markt, der schon 2008 zu spüren war, hat längst neue Tatsachen geschaffen. Die ehrwürdige „Financial Times Deutschland“, an deren Entstehen ich Anfang des Jahrtausends mitwirken durfte, ist seit Jahren Geschichte – obwohl die Zeitung schon damals ausdrücklich auch digital mitgedacht wurde.

B-EAT, ein neueres Magazinkonzept von Spielhagen (das den früheren Redaktionssitz von Das Herz der Stadt, die Paul-Roosen-Straße auf St. Pauli, zur Street of Eat kürte) kam nicht über einige wenige Ausgaben hinaus. G+J-Flaggschiffe wie Geo und Stern schwächeln seit Jahren. Mittlerweile ist das ganze, einst stolze Verlagshaus dem RTL-Fernsehkonzern zugeschlagen worden, der Ausverkauf der Print-Titel läuft …

Zeit für einen wehmütigen Flashback: Rückblick auf ein Koch-Event der Extraklasse, veranstaltet von Beef in Hamburg im Jahr 2011. Der Bericht, den ich seinerzeit unter dem Titel „Horde Alphatiere brät Horde Rindtiere“ im Digital-Lifestyle-Magazin fiftyfine.de veröffentlicht habe, hier als Re-Publishing.

Damit sage ich danke! Danke für eine großartige Zeit mit G+J am Hamburger Hafen, mit tollen Magazinen und Projekten, und mit großartigen Blattmachern wie Jan Spielhagen & Co. „Lebe wohl.“

Horde Alphatiere brät Horde Rindtiere:
„Fleisch mich!“

Mehr Testosteron als beim Ferrari-Händler. Mehr Fleisch als am FKK-Strand. Mehr Koch-Leidenschaft als in hundert Jahren Perfektes Dinner.

Eine Horde Alphatiere war vergangenen Donnerstag in die Kochschule Hamburg eingefallen, um eine Horde Rindtiere zu braten. Zwei Dutzend Kerle, viele extra für diesen Abend aus ganz Deutschland angereist. Erklärte Fleisch-Enthusiasten. Erklärter Männerabend.

Frauen und Gemüse? Sorry, Mädels: „Wir müssen draußen bleiben.“

Denn eingeladen hatte BEEF!, das Kochmagazin aus dem Hause Gruner + Jahr, das seit etwa zwei Jahren den Markt der netten Salat- und Pasta-Heftchen aufmischt mit brachialer Optik und markanten Themen. Motto: „Männer kochen anders.“ Und wer daran noch irgendwelche Zweifel hatte, wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt.

Partner auf der Einladungskarte: Franziskaner, die Weißbier-Marke aus der AB-InBev-Gruppe, dem größten Braukonzern der Welt. Die Franziskaner wollten unter Beweis stellen, wie gut ihre Weißbiere Menüs begleiten können. Na, dann zeigt mal, was ihr könnt, Jungs!

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Voll der Herd(en)trieb. Moderne Induktionsherde plus ambitionierte Männerherde. Und von allen Pfannen Blick über Hamburg

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Die drei Alpha-Musketiere. TV-Koch Klaus Velten, BEEF!-Chefredakteur Jan Spielhagen und Biersommelier-Weltmeister Karl Schiffner übernahmen die Führung

„Fleisch mich!“ war die Ansage des Abends. „Meat me!“ Dementsprechend gab’s die ersten Begeisterungsstürme, als die Alufolien über den Fleischplatten gelüftet wurden: kiloweise T-Bone-Steaks vom US-Beef. Große Tranchen vom Iberico-Schwein. Filets vom Wagyu-Rind.

Alles in sensationeller Qualität. Bezogen von Deutschlands führendem Online-Fleischhändler Otto Gourmet. Pure Fleischeslust. Fühlte sich eine Schüssel Erdbeeren jemals einsamer und verlorener als an diesem Abend, in dieser Umgebung? Und überhaupt: Wer hatte da zwei Kilo Spargelstangen auf die Einkaufsliste gemogelt?

Sicher: Keiner der anwesenden Männer war ein Kostverächter in Sachen Fleisch. Trotzdem darf man sich die Runde nicht als einen Haufen wahllos Fleisch verschlingender Barbaren vorstellen. Im Gegenteil.

Thomas, angereist aus Süddeutschland, erzählte mir, dass er in seiner täglichen Ernährung vollkommen auf Schweinefleisch verzichtet. Einzige Ausnahmen: Iberico-Schwein und das Schwäbisch-Hällische Urschwein. Beides traditionelle Schweinerassen, die nicht mehr viel gemeinsam haben mit den heutigen, auf schnellen Gewichtszuwachs getrimmten Turbo-Mastschweinen, die für Supermarktschnitzel herhalten müssen.

Bekennende Fleischliebhaber, die bewusst auf Massenfleisch verzichten zugunsten exzellenter Fleischqualität: Ausdruck eines gewandelten Ernährungs-Selbstverständnisses, das sich eher für Slow Food als für Fast Food entscheidet. Da lässt sich der Verzicht auf die übliche Dekotomate am Tellerrand locker verschmerzen.

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Amtliches Format. US-T-Bone-Steaks mit jeweils 800 bis 900 Gramm Gewicht – echte Männerportionen

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Von wegen ungesund. Anders als bei normalen Fleischsorten enthält das zart marmorierte Fleisch vom Wagyu-Rind mehr ungesättigte Fettsäuren als gesättigte

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Was hat das Grüne da zu suchen? Carpaccio und Tatar, beides vom Wagyu-Rinderfilet. Der volle Geschmack entfaltet sich erst bei längerem Kauem

Auftakt des Abends waren Appetithäppchen im Stehen: Frikadellen aus reinem Rinderfilet. Der pure Luxus.

Den ersten Gang bildete ein Duo aus Tatar und Carpaccio vom Filet des Wagyu-Rinds. Ein Traum an Zartheit und Geschmack. Wie sich an einem solchen Abend allerdings Kapern und Rukola-Blättchen auf den Teller schleichen konnten, ist mir immer noch ein Rätsel.

Wagyu? Sind das nicht diese japanischen Kobe-Rinder, von denen man sich ehrfürchtig erzählt, dass sie regelmäßig mit Bier massiert werden? Leider nur eine urban legend, wie Koch Klaus Velten bedauernd berichtete. Für ein amerikanisches Fernsehteam hat ein Bauer spaßeshalber mal ein Rind mit Bier massiert. Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf um die Welt. Schade – schön wär’s gewesen. Tut der überragenden Qualität des Fleisches aber keinen Abbruch.

Zweiter Gang: Frühlingsrolle mit Lammfilet und Gewürzjoghurt. Gefolgt von fantastisch zartem, aromatischem Iberico-Schwein, gegart bei Niedertemperatur. Und irgendwie hatten sich da auch noch Spargelstückchen zum Fleisch auf den Teller gesellt.

Die Krönung des Abends dagegen, das T-Bone-Steak vom US-Beef, gab’s absolut männergerecht, nämlich ganz und gar ohne jede Beilage, nur getoppt von einem Stück Café-de-Paris-Butter. Großartig.

„Das ist der erste Kochkurs, den ich erlebe, bei dem im Hauptgang nur ein Stück Fleisch auf den Tisch kommt und sonst nichts“, grinste Koch Klaus Velten verschmitzt. „Das ist schon cool!“

Fleischlose Ausnahme des Abends: Schokoladentrüffel-Küchlein mit Erdbeeren als Dessert.

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Saumäßig gut. Tranchen vom Iberico-Schwein. In der Pfanne angebraten und dann bei 80° Niedrigtemperatur im Ofen gegart

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Hat was auf der Pfanne. Auch wenn alle Mann ran mussten: Koch Klaus Velten war den ganzen Abend voll im Einsatz

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Pure Fleischeslust. T-Bone-Steaks: scharf anbraten und bis zum Aufschneiden im Ofen warm ziehen lassen

Karl Schiffner, 2009 zum ersten Biersommelier-Weltmeister gekürt, war extra aus Österreich angereist. Und gewann die Herzen der Hamburger, als er berichtete, dass Weißbierbrauen in der Hansestadt eine sehr viel längere Tradition hat als in Bayern.

Etwa hundert Jahre früher als im Süden Deutschlands wurde an der Elbe schon Bier aus Weizen gebraut. Das mochte zwar nicht unbedingt geschmeckt haben, diente aber als Vorläufer für die spätere Berliner Weisse.

Zu jedem Gang moderierte Karl Schiffner die passenden Franziskaner-Biere an. Schon beim Aperitif hatte das alkoholfreie Weizen gezeigt, was für eine spritzige Verbindung es mit dem aktuellen Modegetränk Aperol eingehen kann.

Geschmacklich exzellent: das leichte Franziskaner-Weizen mit lediglich 2,9 Volumenprozent Alkohol. Dieses Bier hätte es verdient, viel öfter in Gastronomie und Handel angetroffen zu werden. Los, Jungs, schiebt das in die Läden!

Dazu das perlige Kristall, das frische Hefe, das aromatische Dunkle: Kein Wunder, dass die Mineralwasserflaschen auf dem Tisch ein kärgliches Mauerblümchendasein führten. Keiner hat sich an ihnen vergriffen. Sie gingen unberührt wieder heim.

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Weltmeisterlich eingeschenkt. Biersommelier Karl Schiffner aus Österreich führt’s vor: So gehört das Weizenbier ins Glas – und nicht anders

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Perfekte Tischbegleitung. Von Alkoholfrei bis Dunkel: Die Biere von Franziskaner zeigten sich als formvollendete Begleiter zu jedem Gang

Vielen Dank an BEEF! und Franziskaner für diesen einzigartigen Abend. Vielleicht wird er ja mal wiederholt. Damit mehr Menschen Geschmack an mehr Geschmack, an mehr Qualität entwickeln können.

Vielleicht sind dann sogar Frauen zugelassen? Ich weiß von einigen Damen, die diesen Abend mit wässrigem Mund bei Facebook verfolgt haben. Und alles geben würden, um der gehobenen Fleischeslust frönen zu können. Manch eine hatte sogar überlegt, ob das Ankleben eines Bartes helfen würde, um sich incognito unter die Männermannschaft mogeln zu können.

Mal ehrlich, Männer, das können Alphatiere, die ein knackiges Stück Fleisch zu schätzen wissen, nun wirklich nicht wollen: dass Frauen anfangen Bärte zu tragen, nur um uns zu treffen. Wäre ja fast so schlimm wie ein Steak, das durchgebraten wird.

Feeling fine –
Edgar Wilkening

PS: Die nächste Ausgabe von BEEF! erscheint am 25. August 2011. Darin voraussichtlich ebenfalls ein Bericht über diesen Abend sowie jede Menge weiterer Fotos. Vormerken!

Der Bericht «Horde Alphatiere brät Horde Rindtiere: „Fleisch mich!“» ist im Original erschienen am 18. Juni 2011 auf der Digital-Lifestyle-Plattform fiftyfine.de. Text und Fotos: Edgar Wilkening. Alle Rechte vorbehalten.

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Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening

Immer mehr Menschen in Deutschland misstrauen dem Staat und seinen Institutionen. Gerade eben erst, vor zwei, drei Wochen, sorgten die Ergebnisse einer repräsentativen Forsa-Umfrage für Aufsehen: Das Vertrauen in den Staat und seine Organe hat einen neuen Tiefstpunkt erreicht.

Die Aufregung um diese Zahlen hat sich kaum gelegt, da müht sich die Verwaltung der Stadt Minden unter Leitung ihres Bürgermeisters Michael Jäcke (SPD) nach Kräften, weiteres Misstrauen in staatliche Institutionen zu säen.

Eines der grundlegendsten Prinzipien des Rechtsstaats ist das Gleichheitsprinzip. Wer dagegen verstößt, zum Beispiel indem er gleiche Vorgänge mit zweierlei Maß bewertet, verstößt gegen elementare rechtsstaatliche Prinzipien.

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“, sagt Artikel 3 des Grundgesetz in Absatz 1. Für staatliche Institutionen ergibt sich daraus: „Die Verwaltung hat ihr Ermessen in gleich liegenden Fällen in gleicher Weise auszuüben.“ (Quelle: juraforum.de.)

Seit dem 3. August 2023 betreibt die Minden Marketing GmbH eine Ausstellung auf einer leerstehenden Ladenfläche am Scharn 8, mitten in der Mindener Fußgängerzone.

Eigentlich eine lobenswerte Initiative. Die Fläche stand leer, der frühere Mieter, der dort Mode verkaufte, hatte sein Geschäft aufgegeben. Statt unattraktiven Leerstands eine sinnvolle Zwischennutzung mit Kunst und Kultur – tolle Sache! Kann man nur begrüßen.

Andererseits: leerstehende Ladenfläche? Zwischennutzung für Kunst und Kultur? Klingelt da nicht irgendwas …?

Stimmt. Am Donnerstag, 2. September 2021 hatte „Das Herz der Stadt“ eine leerstehende Ladenfläche in der Obermarktstraße 19 als Ausstellungsfläche für Kunst und Kultur geöffnet, ebenfalls zur Zwischennutzung, ebenfalls in Mindens Fußgängerzone.

Das stieß zwar auf reges Interesse bei Bürgern und insbesondere Besuchern der Stadt. Und war der Verwaltung als temporäre Nutzungsänderung mitgeteilt worden. Trotzdem: Am 8. März 2022 ordnete die Stadt Minden die Schließung der Fläche per Bauordnungsverfügung mit Androhung von Zwangsgeld an.

Offizielle Begründung: Der Wechsel von einer Geschäftsfläche hin zu einer Ausstellungsfläche für Kunst und Kultur sei eine so schwerwiegende Nutzungsänderung, dass es zwingend einer Baugenehmigung bedürfe.

Lars Bursian über Ausstellungsflächen

Quelle: Ausschnitt aus einer E-Mail vom 10. März 2022, 10:38 Uhr des Baubeigeordneten der Stadt Minden, Lars Bursian an die Wählergemeinschaft Wir für Minden zum Verbot der temporären Zwischennutzung in der Obermarktstraße 19. (Gelbe Hervorhebung durch den Autor.)

Schon damals hatte ich den Eindruck, dass es sich hier eher um eine behördliche Willkürmaßnahme handelte, um missliebigen Bürgern mal gründlich eins auszuwischen, als um berechtigte Sorge um die angeblich gefährdete öffentliche Sicherheit.

Dieser Eindruck bekommt jetzt neue Nahrung durch die Art und Weise, wie Mindens Stadtverwaltung mit dem gleich liegenden Fall der Minden Marketing GmbH umgeht – der vor allem den einen wesentlichen Unterschied zu unserem Fall hat: Die Macher bei der Minden Marketing GmbH gehören zum Beritt des politischen Machtapparats der Mindener Verwaltung. Zum Klüngel von Bürgermeister, Beigeordneten, Politik & Co.

Man kennt sich, man trifft sich, man duzt sich. Man pflegt Kontakte, kungelt miteinander und schachert sich gegenseitig Pöstchen, Infos, Aufträge, Vorteile, Gehaltserhöhungen zu. Und man trifft sich auch privat, z.B. im Schützentheater-Bataillon, im Zweitliga-Sportclub, und, und, und …

Im Mitglieder-Verzeichnis des örtlichen Tigerenten-Clubs halten der Baubeigeordnete der Stadt Minden und der Geschäftsführer der Minden-Marketing GmbH  sogar gemeinsam ihren Kopf hin – zusammen mit dem Rest der örtlichen Klüngelbande.

Ist es wirklich denkbar, dass Verwaltungsangestellte, die per Gesetz zur Neutralität verpflichtet sind, im einen Fall so, im anderen Fall aber anders entscheiden und Klüngelfreunde bevorzugen – und damit massiv gegen Grundrechte verstoßen und dienstrechtliche Konsequenzen riskieren?

Eine E-Mail, die dem Herz der Stadt vorliegt, legt das nahe. In der auf Echtheit überprüften E-Mail eines Insiders vom 29. August 2023, also fast vier Wochen nach Eröffnung der Ausstellungsfläche der Minden Marketing GmbH, heißt es:

„(…) für das Gebäude ‚Scharn 8‘  ist aktuell kein laufendes Baugenehmigungsverfahren anhängig und es wurde in letzter Zeit auch kein Genehmigungsverfahren abgeschlossen.“

Daraus ergibt sich, dass die Nutzung der Geschäftsfläche als Ausstellungsfläche offenbar ohne Nutzungsgenehmigung erfolgt – und das, wo doch allgemein bekannt sein sollte (O-Ton Baubeigeordneter Lars Bursian, siehe oben): „Für die jetzige Nutzung – viele Menschen halten sich in einem Raum auf – gelten andere Regeln als für reine Geschäftsflächen.“

In der Obermarktstraße 19 war das Anlass für eine Bauordnungsverfügung mit Androhung von Zwangsgeld seitens des Bauamts. Ob das im Sinne gleich liegender Fälle und gleicher Behandlung auch der Minden Marketing GmbH droht?

Ich habe diese und weitere Fragen Bürgermeister Michael Jäcke gestellt. Ebenso der Presseabteilung der Stadt Minden und auch der Leiterin der zuständigen Fachbehörde. Das Ergebnis? Schweigen im Walde. Von Transparenz keine Spur. Von Offenheit oder Ehrlichkeit erst recht nicht.

Hier die Fragen im Originallaut, die am 29. August 2023 übermittelt wurden und seit einer Woche unbeantwortet sind:

1.
Nach Angaben der Minden Marketing GmbH wird die frühere Ladenfläche Scharn 8 aktuell für eine „Video-Installation“ eines „Künstlers“ genutzt. Siehe Webseite: https://www.minden-erleben.de/tourismus/index.php/de/?view=article&id=3153&catid=414
Ist diese Nutzung eine artverwandte Nutzung zur früheren Nutzung der Flächen als Ladenfläche? Wenn nein: Seit wann ist der Stadt Minden das bekannt?
 
2.
Ist durch die Nutzung der Flächen für „Kunst und Video-Installation“ eine wesentliche Nutzungsänderung gegeben, für die grundsätzlich eine Baugenehmigung erforderlich ist? Wenn nein: Warum nicht?
 
3.
Hat Minden Marketing GmbH eine Baugenehmigung für die Nutzung der Flächen für „Kunst und Video-Installation“ beantragt? Wenn ja: Wann ist der Antrag bei der Stadt Minden eingegangen?
 
4.
Hat Minden Marketing GmbH Unterlagen vorgelegt, aus denen sich Art und Umfang der Nutzung ergeben, insbesondere hinsichtlich der Zahl der Nutzer und die Gewährleistung brandschutztechnischer Anforderungen, insbesondere in Bezug auf das Rettungswegsystem?
 
5.
Muss Minden Marketing GmbH mit der kurzfristigen Zustellung einer Bauordnungsverfügung mit Androhung von Zwangsgeld wegen nicht genehmigter Nutzung rechnen? Wenn nein: Warum nicht?

Bastelt man in der Stadtverwaltung immer noch an windigen Ausreden? Entwickelt man immer noch einen Plan, wie man den Kopf aus der Schlinge zieht – statt sich um die wahren Probleme der Stadt zu kümmern? Oder lässt man die Fragen gleich ganz unter den Tisch fallen, selbst wenn dienstrechtliche Auswirkungen drohen? Gegen missliebige Bürger wird mit allen Mitteln vorgegangen, aber bei Leuten aus dem eigenen Beritt lässt man Fünfe gerade sein?

Die Worte des Baubeigeordneten Lars Bursian, der in seiner Amtszeit ja schon des öfteren durch krude Äusserungen aufgefallen ist („schwer vorstellbar“, „einfach das Logischste“, „völlig offen“, …), aus seiner E-Mail vom 10. März 2022 klingen da umso mehr wie Hohn und Spott: „Wir können keine Ausnahme machen“. Es sei denn, es betrifft Leute aus dem eigenen Amigo-Dunstkreis?

Ausschnitt aus E-Mail des Baubeigeordneten Lars Bursian

Quelle: Ausschnitt aus einer E-Mail vom 10. März 2022, 10:38 Uhr des Baubeigeordneten der Stadt Minden, Lars Bursian an die Wählergemeinschaft Wir für Minden zum Verbot der temporären Zwischennutzung in der Obermarktstraße 19. (Gelbe Hervorhebung durch den Autor.)

Womöglich muss man das ganze Thema ohnehin in einem größeren Rahmen betrachten. „Korruption ist der Missbrauch von anvertrauter Macht zum privaten Vorteil“, sagt Transparency International Deutschland e.V.

Privater Vorteil – das kann vieles sein. Korruption beginnt nicht erst, wenn Geld fliesst oder dicke Briefumschläge unterm Tisch den Besitzer wechseln. Korruption beginnt mit kleinen Gefälligkeiten. Mit Weggucken. Mit Fünfe gerade sein lassen. Mit zweierlei Maß messen. Mit Gewähren lassen. Mit Nichtahnden. Weil alle Beteiligten sich einen Vorteil davon versprechen – und sei es nur der, sich ins Fäustchen lachen zu können über die dummen Bürger.

Der Demokratie erweist man einen Bärendienst damit – obwohl man bei Dienstantritt auf sie verpflichtet wurde. Die nächsten Umfragen zum Thema Vertrauen in staatliche Institutionen werden wohl neue Tiefstpunkte markieren. 

Wer staatlich anvertraute Macht so missbräuchlich mit zweierlei Maß anwendet, darf sich nicht wundern, wenn jeden Tag mehr Menschen das Vertrauen verlieren.

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Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening

Wie Phoenix aus der Asche: Vom 18. August bis zum 21. September 2023 gibt’s den Opermarkt in der Mindener Obermarktstraße unter dem Motto „Wagner mal ’nen Blick“ – nämlich in die Schaufenster der teilnehmenden Geschäfte. Veranstalter: die ISG Obermarkt-Quartier.

Die WER???

Gute Frage. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Denn erstens: Wer soll das sein? Und zweitens: Die gibt’s noch???

Mit vollem Namen heißt die ISG „Immobilien- und Standortgemeinschaft Obermarkt-Quartier e.V.“ Ihr Ziel: Das Quartier Obermarkt und die angrenzenden Bereiche in Mindens Altstadt aufzuwerten und zu entwickeln.

Gegründet wurde der Verein Mitte der Nuller-Jahre, ursprünglich mal als „ISG Ratsquartier Minden“. Als man sie da nicht mehr gebrauchen konnte, den Verein aber schon mal an der Backe hatte, wurde er 2007 umgewidmet zur heutigen „ISG Obermarkt-Quartier“.

Die ISG blickte in den Abgrund: der Tag der Liquidation?

Offenbar der Beginn einer wechselhaften Geschichte – die 2021 beinahe mit der Auflösung des Vereins geendet hätte. Nicht etwa, weil man sein Ziel erreicht und das Obermarkt-Quartier zu einem fulminant attraktiven Ort entwickelt hätte. Sondern weil man müde war.

Ich erinnere mich an einen Montagabend im November 2021. Im Restaurant Plaka hatten sich die letzten verbliebenen Vereinsmitglieder versammelt und wollten nur noch den Beschluss zur Liquidation des Vereins eintüten.

Doch dazu kam es nicht. Denn just an diesem Abend waren durch glückliche Umstände viele neue Gesichter in der Runde dabei. So viele, dass die Vereinsmitglieder Hoffnung schöpften: Würde eine neue Generation vielleicht doch die Geschicke des Vereins weiterführen? Jedenfalls wurde die Auflösung an diesem Abend vertagt.

Architektin Astrid Engel (Lebensgefährtin des Autors) fasste damals einen kühnen Entschluss: Die ISG zu retten und die bestehende Struktur zu nutzen, um Dinge für das Quartier anzuschieben. Mit neuem Mut, neuer Kraft, neuem Netzwerk und vor allem: mit neuen Ideen.

Sie warb in vielen Gesprächen für die ISG; sie versuchte alte Recken, die längst das ISG-Handtuch geworfen hatten, neu zu motivieren; sie entwickelte Pläne für einen Aufbruch des Vereins in die Neuzeit. Und war damit ziemlich allein.

Dunkle Intrige: Die Stillstand-Fraktion arbeitet mit allen Mitteln

Als in einer Sitzung im Sommer 2022 der alte Vorstand des Vereins endlich Platz machen wollte für neue, jüngere Leute, hatten ein stadtbekannter Butzemann und sein persönliches Umfeld längst eine dunkle Intrige gesponnen: üble Nachrede gegen Astrid Engel (und auch den Autor) gehört da noch zum Harmloseren.

Als selbst das nicht fruchtete, um Astrid Engel von ihrem Engagement abzubringen, holte man die Nazi-Keule raus. O-Ton in einer WhatsApp-Gruppe, die den Namen „Die ISG von morgen“ trug:

„Ich verabschiede mich aus dieser Gruppe aufgrund von Edgar (Wilkening) und Astrid (Engel / Anmerkungen des Autors) und ihrer Nähe zur AFD.“

Klingt abenteuerlich absurd? Hier kommt der Beweis – als einer von vielen, die festgehalten wurden.

Screenshot mit übler Nachrede in WhatsApp-Gruppe

Screenshot einer Nachricht in der WhatsApp-Gruppe „Die ISG von morgen“ vom 29. Juni 2022

Ein totes Pferd als Sprachrohr? Auf eine so bekloppte Idee muss man erstmal kommen. Es waren wohl nicht die hellsten Kerzen auf der ISG-Torte, die da die Gruppe verlassen haben.

Dennoch hatte die Intrige offenbar gewirkt. In ihrer Sitzung am 4. Juli 2022 im Restaurant Dell‘ Amore wählten die Vereinsmitglieder nicht etwa die seit Wochen leidenschaftlich arbeitende Astrid Engel, die sich initiativ beworben hatte, zur Vorsitzenden, sondern eine Dame aus dem Umfeld des Butzemanns. Na schön, so geht Demokratie.

Danach passierte, was in Minden immer passiert: nichts.

Neue Ideen? Neue Pläne? Neue Ansätze? Die neue ISG-Vorsitzende war heillos überfordert

Die frisch gekürte Vorsitzende war offenbar heillos überfordert. Neue Ideen? Null. Neue Pläne? Nein. Neue Ansätze? Nix. Nicht mal die Eintragung des neuen Vorstands im Vereinsregister hat die Butzemann-Dame hingekriegt. Totalausfall.

Ein Jahr Stillstand später: neue Sitzung, neue Wahlen. Und wieder warf Astrid Engel ihren Hut in den Ring. Warum tut sie sich das an?, fragten viele. Antwort: Die Obermarktstraße sei ihr zu wichtig, die eingeführte Vereinsstruktur zu wertvoll, um einfach alles aufzugeben wegen ein paar Leuten. Das nennt man wohl Durchhaltevermögen. Echtes Standing.

Und dieses Mal kamen immerhin genügend Stimmen zusammen: Seit Frühsommer 2023 ist Astrid Engel die neue Vorsitzende der ISG Obermarkt-Quartier, begleitet von einem Team unternehmungsfreudiger, handlungsfähiger Menschen im Vorstand.

Dass diese Entwicklung nicht allen schmeckte, zeigte sich schon wenige Tage später, als die ersten Vereinsaustritte eintrudelten. Gewerbetreibende, die ihre eigene Standort-Vertretung genau dann verlassen, wenn etwas Neues beginnt? Man kann nur mit dem Kopf schütteln. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen lieber bei Amazon & Co. bestellen.

Austreten, wenn etwas Neues beginnt? Kein Wunder, wenn Amazon & Co. die Gewinner sind

Astrid Engel focht das nicht an. Kaum gewählt, machte die neue Vorsitzende sich mit ihrem Team an ihr erstes ISG-Projekt.

„Ich wollte einfach keine Zeit verlieren, denn dieses ewige Nichtstun schadet der Straße, dem Quartier und letztlich der ganzen Stadt“, sagt die Macherin. So viel Tatkraft würde man sich öfter wünschen von Menschen, die sich in Minden Stadtentwicklung auf die Fahnen schreiben.

Den Aufhänger für das Projekt lieferte der Richard-Wagner-Verband Minden, der aktuell im Mindener Stadttheater die Wagner-Oper „Parsifal“ inszeniert.

Die Idee: Wie wäre es, wenn die Obermarktstraße rund um die Premiere am 8. September 2023 zur Opermarktstraße würde? Der Opermarkt war geboren.

Digital Banner aus Wagner-Oper

Eines der animierten Gifs, die auf den Opermarkt aufmerksam machen

Wenn Requisiten aus Theater-Inszenierungen reden könnten, sie hätten wohl so einiges zu erzählen: Wer mit wem? Was geschah danach? Wie ging es weiter? Und überhaupt …

Der Opermarkt lässt Requisiten und Objekte aus zwanzig Jahren Wagner in Minden ihre verborgenen Geheimnisse erzählen. Zu sehen unter dem Motto „Wagner mal ’nen Blick“ in die Schaufenster der teilnehmenden Geschäfte der Obermarktstraße – ’tschuldigung: der Opermarktstraße natürlich!

Für Besucher früherer Wagner-Inszenierungen wird es da emotionale Wiedersehen geben. Denn Lohengrins Schwan ist ebenso dabei wie die Boote aus dem Bühnenbild von Tristan und Isolde und natürlich das legendäre Rheingold. Und alle Objekte werden Aufregendes oder Amüsantes berichten, das sie erlebt haben oder was ihnen seit damals widerfahren ist.

Die Eröffnung des Opermarkt, das Grand Operning sozusagen, findet am Freitag, 18. August 2023 um 18:30 Uhr statt. Ort: Obermarkstraße, Treppe Ecke Opferstraße. Oder um im Sound des Events zu bleiben: Opermarktstraße, Treppe Ecke Operstraße.

Neben Mindens Bürgermeister Michael Jäcke und der Vorsitzenden des Richard-Wagner-Verbands Dr. Jutta Winckler werden zahlreiche weitere Gäste aus Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft erwartet.

Feierliches Ope(r)ning und Premiere für die Video-Retrospektive

Die musikalische Begleitung übernehmen Moritz Glöckner und Frieder Hoffmann mit ihren Trompeten. Durch das Programm führt Martin Bornemeier. Die ISG Obermarkt-Quartier lädt alle Bürger und Interessierten herzlich zur Eröffnung ein.

Im Schaufenster Obermarktstraße 17 wird zudem ein Video gezeigt, das eine bewegende Retrospektive auf zwanzig Jahre Wagner-Schaffen in Minden präsentiert – inklusive dem „Einzug der Gäste“ im Tannhäuser aus der Inszenierung 2005, bei der die ganz in Weiß gekleideten Mindener Bürger dabei waren.

Die Opermarkt-Ausstellung ist zu sehen bis zum 21. September 2023. Und soll nach Aussage der ISG-Vorsitzenden Astrid Engel nur der Anfang sein für eine ganze Reihe sehenswerter Aktionen im Obermarkt-Quartier. Da sagt Das Herz der Stadt: Chapeau und toi, toi, toi!

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Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening.
Entwickelt wegweisende Konzepte für Marken, Unternehmen und Institutionen. Wurde dutzendfach dafür ausgezeichnet.

Auf den Tag genau vor zwei Jahren: Am 21. Juli 2021 hatten wir hier freundlicherweise zwei Vorschläge publiziert, wie sich der Höhenunterschied zwischen Mindens Ober- und Unterstadt überbrücken liesse.

Damit Menschen mit Einschränkungen, Einkaufstüten, Kinderwagen oder anderen Mühsalen es künftig leichter haben mögen, von oben nach unten und von unten nach oben zu wechseln – statt die Martinitreppe rauf- und runterzukraxeln.

ALLES, WORAUF KLUGE KOMMUNEN HEUTZUTAGE EBEN ACHTEN

Wichtige Kriterien dabei für uns: Zuverlässigkeit, Kostenrahmen, Erhaltung des Stadtbilds, Ressourcenschonung, Flexibilität, Regionalität etc.

Alles, worauf umwelt- und fortschrittsbewusste, kluge Kommunen heutzutage eben so achten. Als Lösungen entwickelten wir damals:

  • erstens einen sehr persönlichen Concierge-Service
  • und zweitens einen sehr smarten Minibus-Shuttle

Den Originalbericht vom Sommer 2021 mit Details zu beiden Vorschläge finden Sie hier.

Concierge-Service an der Martinitreppe

Vorschlag 1 von Das Herz der Stadt
Der Concierge-Service

Wenn ein Mensch Hilfe braucht zwischen Oberstadt und Unterstadt: Was liegt näher, als ihm einen leibhaftigen Mensch an die Seite zu stellen?

Vorschlag: Wir richten einen persönlichen Concierge-Service ein. Ein, zwei Damen oder Herren in markanten Uniformen, die unten am Markt und oben am Martini-Kirchhof bereitstehen und jedem, der Schwierigkeiten mit der Treppe hat, helfen.

Einen persönlichen Schnack zum Wetter oder den neuesten Tratsch aus der Stadt gibt’s immer noch obendrauf. Freundliche Assistenten, die anpacken, wo es nötig ist. Service par excellence.

Minibus-Shuttle an der Martinitreppe

Vorschlag 2 von Das Herz der Stadt
Der Minibus-Shuttle

Wir schaffen einen Bus-Shuttle zwischen Markt und Martini-Kirchhof. Mini-Busse fahren heute in vielen europäischen Städten. Es gibt sie in diversen Größen und Ausstattungen. Bewährte, ausgereifte Technologie auf Elektrobasis.

Der Fahrer bzw. die Fahrerin ist bei Bedarf behilflich beim Zustieg. Und dann geht’s los – immer im Kreis herum: vom Markt über die Opferstraße hoch zum Martini-Kirchhof, von da weiter über Kampstraße, Hufschmiede runter und zurück über den Scharn zum Markt.

Der Bus hält an vielen Stationen und bietet zahlreiche Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten. Er kann sogar mehrere Routen bedienen: ab Hufschmiede über die Bäckerstraße bis zum Wesertor und von dort über den Domhof zurück zum Markt.

Dass unsere beiden Vorschläge in Mindens Politik und Verwaltung auf wenig Wohlwollen stoßen würden, war zu erwarten.

Die Betonköppe-Fraktion hatte sich längst auf einen monströsen Fahrstuhl an der Martinitreppe festgelegt: teuer, energieintensiv, störanfällig, vandalismusgefährdet – und ganz nebenbei ein ausnehmend hässlicher Dorn im Auge des Mindener Stadtbilds.

Also alles, was in klugen Kommunen heutzutage längst als unzeitgemäß gilt. Aber Betonköppe denken eben in Beton.

Und genau davon konnten, besser gesagt: wollten unsere zwei Vorschläge aus guten Gründen nichts bieten. Stichwort „Ressourcenverbrauch“, Stichwort „Flexibilität“.

"UNQUALIFIZIERTE VORSCHLÄGE" FÜR DIE MARTINITREPPE

Dann, ein Dreivierteljahr später, im Frühjahr 2022: Das schillernde Juwel der Stadtentwicklung in Mindens Verwaltungskrone, der Baubeigeordnete Lars Bursian, sprach in einer internen E-Mail an den Ältestenrat plötzlich von „unqualifizierten Vorschlägen“, die für die Martinitreppe vorlägen.

Was genau er damit meinte, ging aus der E-Mail nicht hervor. Deshalb machten wir uns an die Arbeit und führten seinerzeit einen umfangreichen Check durch.

In acht verschiedenen Kategorien liessen wir den Fahrstuhl antreten gegen Concierge-Service und Minibus-Shuttle.

Das Ergebnis war verblüffend.

Denn es gab tatsächlich einen Vorschlag, der in allen, wirklich allen acht Kategorien durchrasselte: der Fahrstuhl der Betonköppe.

Den vollständigen Check und die zugehörigen Grafiken finden Sie hier. 

Wenn ein Vorschlag so umfassend, so grundlegend durchfällt, dann hindert das Mindens Politik und Verwaltung natürlich noch lange nicht daran, genau diesen Vorschlag konsequent weiterzuverfolgen.

Ein Muster, das man seit Jahrzehnten beobachten kann. Und das die Stadt in genau den Zustand bedauernswerter Bedeutungslosigkeit geführt hat, in dem sie sich heute befindet.

Wie weit ist man also mit dem Fahrstuhl, Stand heute? Steht er schon? Läuft er längst? Wurde er schon das erste Mal ramponiert? Das zweite Mal repariert? Hilft er Menschen mit Mühsalen, die Martinitreppe zu überwinden?

Schließlich reicht der Plan dieses Fahrstuhls nicht erst ein, zwei Jahre zurück. Sondern wurde schon 2009 im „Masterplan Innenstadt“ erwähnt.

HAT MAN DEN MENSCHEN IHRE MÜHSALE ERLEICHTERT? NATÜRLICH NICHT

Haben Politik und Verwaltung in diesen sage und schreibe vierzehn Jahren eine Lösung geschaffen? Wenigstens irgendeine? Eine provisorische? Eine Übergangslösung? Hat man endlich, wie tausendfach behauptet, den betroffenen Menschen ihre Mühsale erleichtert?

Hat man natürlich nicht.

Und damit sind wir bei der Infografik, die wir vollkommen vergessen hatten.

Die Grafik zu der Frage: Wie schnell können die drei Vorschläge Fahrstuhl, Concierge-Service und Minibus-Shuttle eigentlich in die Tat umgesetzt werden? Schauen wir’s uns mal an.

Wie lange dauert die  Herstellungszeit im Vergleich?
Check Martinitreppe Grafik

Der Fahrstuhl ist ein finanzielles, planerisches und bautechnisches Großprojekt: eine Art „Stuttgart 21“ im Vergleich zu Concierge-Service und Minibus-Shuttle. Bis heute, auch nach vierzehn Jahren und mittlerweile unter dem zweiten Baudezernenten, hat man nicht mehr in der Hand als ein paar Pläne und wohlfeile Worte.

Wann der Fahrstuhl das erste Mal läuft, wann wenigstens der erste Aushub an der Martinitreppe kommt, ob in drei Jahren, fünf oder acht, ob überhaupt jemals angesichts steigender Kosten und klammer Kassen: Niemand legt da für irgendetwas seine Hand ins Feuer.

Dagegen ist die Installation eines Concierge-Service geradezu ein Klacks: Innerhalb von drei, vier Monaten hat ein guter Projektleiter das Ding am Start, inklusive Personalsuche, Ausstattung und Training. Und auch ein Minibus-Shuttle lässt sich mit gutem Projektmanagement innerhalb von neun bis zwölf Monaten auf die Beine stellen. Unter allen drei Vorschlägen der abenteuerlichste, weil mit Abstand unrealistischste: die Fahrstuhl-Lösung.

Politik und Verwaltung halten wie einbetoniert am ungeeignetsten, unrealistischsten und unwirtschaftlichsten Vorhaben fest – statt Alternativen auch nur in Erwägung zu ziehen.

Damit offenbaren sie vor allem eins: Entgegen aller Wortbekundungen geht es ihnen gar nicht um die Menschen und deren Mühsale. Sie tun zwar so als ob – aber in Wahrheit ist es ihnen vollkommen wumpe, was mit den Menschen ist.

Sonst hätten sie längst eine Lösung gefunden!

Sonst hätten sie längst eine echte Lösung angepackt. Hätten über Alternativen nachgedacht. Vielleicht eine Übergangslösung gefunden. Ganz pragmatisch. Eine provisorische Lösung vielleicht. Etwas, das Menschen mit Mühsalen jedenfalls heute hilft, nicht erst am Sankt Nimmerleinstag.

DIE WAHRHEIT: ES GEHT IHNEN GAR NICHT UM EINE LÖSUNG – SONST GÄBE ES LÄNGST EINE!

Seit unserem Vorschlag vor genau zwei Jahren hätte man den Concierge-Service zehn Mal zum Laufen bringen können. Und sei es als Übergangslösung, bis der gebenedeite Fahrstuhl sein Rauf-Runter-Spielchen beginnt.

Und auch der Minibus-Shuttle könnte längst jeden Tag in Mindens Innenstadt unterwegs sein und Menschen unterstützen.

Aber: Sie wollen es nicht!

Und eine schnelle, günstige, leicht rückbaubare Lösung ohne viel Tamtam – das fürchten Betonköppe sogar mehr als die Pest.

Denn die könnte ganz praxisnah belegen, dass es den behaupteten Bedarf für einen Fahrstuhl womöglich gar nicht gibt. Oder dass ein Concierge-Service oder Minibus-Shuttle vollkommen ausreicht, um das Problem für die Menschen zu lösen.

WENN ES OHNE BETON GINGE? ES WÄRE EINE KATASTROPHE FÜR DIE BETONKÖPPE

Beides wäre eine Katastrophe für Betonköppe. Denn es würde bedeuten, dass die vielen Millionen Steuergeld, die sie so gerne in Beton & Co. pumpen wollen, rausgeschmissenes Geld für ein selbstsüchtiges Statussymbol wären.

Sogar der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen spielt bei dieser Farce mit. Er, der immer wieder behauptet für Menschen mit Behinderungen einzutreten, er fordert nicht eine schnelle Lösung, und sei es eine provisorische, die schnelle Abhilfe schaffen würde für seine Klientel.

Auch er spielt das Spiel der Betonköppe und schwört auf den gesegneten Fahrstuhl, der so sicher ist wie die Multifunktionshalle am Güterbahnhof – Gott hab‘ sie selig!

Es sind Schwätzer und Wichtigtuer. Leute voller Großmannssucht (auch Frauen), die sich aufplustern und wichtig tun. An tatsächlichen Lösungen aber so wenig interessiert sind wie an den Menschen, für die sie behaupten sich einzusetzen.

Die Verantwortlichen sitzen allesamt im Rathaus. Sie haben Namen, sie haben Pöstchen, sie genehmigen sich höhere Gehälter – und kriegen ansonsten nichts außer Blabla auf die Reihe.

Sonst hätten sie längst etwas zustande gebracht.

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ew@dasherzderstadt.de

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