„Alternativen: keine“
O-Ton der Verwaltung Minden – und wieder die gleiche Signatur …

Autor Edgar Wilkening

10. Aug., 2021

Autor: Edgar Wilkening.

„Hat er das wirklich so gesagt?“ Eine der häufigsten Reaktionen, die mich erreichten auf meinen Artikel über das „Monster von Minden“: die monströse Aufzug-Konstruktion für die Martinitreppe.

Hat er das wirklich so gesagt, der Beigeordnete für Städtebau Lars Bursian: dass diese Konstruktion „das Logischste“ und „das Einfachste“ ist? Beide Formulierungen ausdrücklich im Superlativ, um den Stadtverordneten quasi Alternativlosigkeit zu suggerieren?

Bei Das Herz der Stadt halten wir uns strikt an Wahrheit und Tatsachen. Deshalb schauen wir an dieser Stelle nochmal genau in die wortgetreue Niederschrift der Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen“ vom 23. Juni 2021, die wir hier vorliegen haben. Darin heißt es:

„Am Ende war es so, dass diese Variante einfach überzeugt. Und einfach das Logischste ist zum Thema Barrierefreiheit und das Einfachste."

Quelle: Lars Bursian, Baubeigeordneter der Stadt Minden in der Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen“ am 23. Juni 2021 im Ständersaal des Preußenmuseums. Unverändertes Originalzitat.

Dass die Pläne keineswegs so quasi alternativlos sind, wie Mindens zweithöchster Bauherr es gerne suggerieren möchte, hatten wir hier schon unter Beweis gestellt – schlicht und einfach dadurch, dass wir zwei mögliche Alternativen vorgestellt haben.

Und Dutzende weiterer Alternativen sind denkbar!

Vorausgesetzt man ist es überhaupt gewohnt, in Alternativen zu denken. Aber genau das scheint in Mindens Verwaltung nicht sonderlich verbreitet oder wertgeschätzt zu sein.

Wir haben Dokumente gefunden, die belegen, dass in punkto Martini-Aufzug von amtlicher Seite offenbar schon seit Jahren dem „alternativlosen Denken“ gefrönt wird.

Schauen Sie mal unten: Ausschnitt aus der „Sitzungsdrucksache 201/2018“ der Stadt Minden, erstellt mit Datum vom 26. November 2018 für die Sitzung des „Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr“ am 5. Dezember 2018. Es macht einen sprachlos, wenn man das liest …

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Ausschnitt aus Sitzungsdrucksache Stadt Minden
Ausschnitt aus Sitzungsdrucksache

Quelle: „Sitzungsdrucksache 201/2018“ der Stadt Minden, erstellt am 26. November 2018 für die Sitzung des „Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr“ am 5. Dezember 2018. Oberer Ausschnitt von Seite 1; unterer Ausschnitt von Seite 3. Gelbe Hervorhebungen durch den Autor.

„Alternativen: keine“. Schon 2018 wurde also „alternativlos“ über den Fahrstuhl gesprochen – amtlich dokumentiert.

Es verdeutlicht auch: Hier ging es nie darum, eine kluge, eine sinnvolle, eine bestmögliche Lösung zu finden für ein Problem („Barrierefreiheit herstellen“). Es ging immer nur darum, dass irgendjemand unbedingt einen Fahrstuhl wollte.

Irgendwelche Alternativen dazu? Kategorisch ausgeschlossen! Schon das Denken darüber wird verweigert.

So viel Engstirnigkeit, so viel Borniertheit, so viel fußstampfendes „Ich will, ich will, ich will aber meinen Fahrstuhl, Menno!“ – das kann man ja für ostwestfälische Folklore halten. Aber es manifestiert letztlich den Stillstand: das immer weitere Abgehängtwerden der Stadt Minden im Wettbewerb mit anderen Städten.

Und schauen Sie mal, wer die Sitzungsdrucksache am Ende signiert hat und dafür verantwortlich zeichnet. Es ist immer wieder der gleiche Name, der auftaucht, wenn in Minden zweifelhafte politische Entscheidungen in Beton gegossen werden sollen.

Es ist genau diese Art alternativloses Denken, die die Administration Jäcke und insbesondere den Fachbereich Bauen/Stadtentwicklung auszeichnet.

Dieser fehlende Wille, Alternativen überhaupt in Erwägung zu ziehen: Er zeichnete schon die Neuplanung des Areals am Rampenloch aus, wo der Baubeigeordnete vom ersten Tag an „Wohnen“ proklamierte – ohne Alternativen, die einen deutlich höheren Nutzen für die Stadt hätten stiften können, überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Keinerlei Alternativen zu bedenken – das offenbart ein fatales, ein gefährliches Mindset, das die Bürger viel Geld kosten dürfte. Denn die gewaltigen Zukunftsaufgaben, die der Stadt bevorstehen, lassen sich so kaum bewältigen – erst recht nicht wirtschaftlich.

Der aktuelle Vertrag des Baubeigeordneten, der 2015 für acht Jahre bestellt wurde, läuft 2023 aus.

Höchste Zeit, in Minden endlich in klugen Alternativen zu denken. In jeder Hinsicht.

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