Ist Ihnen aufgefallen? Lediglich zwei PpP-Werte da oben sind dreistellig. Alle übrigen deutlich im zweistelligen Bereich. Das heißt: Hier müssen die Namensgeber im Verhältnis recht geringe Summen zahlen, um ihr Branding ans Publikum zu bringen.
Die beiden dreistelligen, das ist zum einen: die Mercedes-Benz Arena in Berlin mit einem sagenhaften Wert von 294 (der wohl nur durch Berlins Sonderstatus als Hauptstadt zu erklären ist). Und zweitens: Minden.
Die unscheinbare Mittelstadt im tiefsten Ostwestfalen: Plötzlich sticht sie hervor und geht mit dem bundesweit zweithöchsten Wert aus dem Rennen – wow!
Von den anderen Arenen kommen nur drei auf einen Wert oberhalb der Fünfziger-Marke: Bremen, Dortmund und Köln. Alle übrigen liegen deutlich unterhalb der fünfzig. Bielefeld, Hannover und Stuttgart sogar unterhalb von zwanzig.
Allesamt am Markt eingeführte und etablierte Spiel- und Veranstaltungs-Stätten. Und dann kommt Minden und sagt: Wir machen eine Halle mit PpP-Wert hundert?
Zum Vergleich: Es gibt eine Arena dort oben, die in punkto Zuschauerzahl und regionalem Umfeld extrem nah an Minden rankommt.
Schauen Sie mal hin: Die Rittal Arena in Wetzlar hat ebenfalls 6.000 Zuschauer Kapazität – aber einen verblüffend günstigen PpP-Wert von exakt zwanzig.
Das ist gerade mal ein schlappes Fünftel von dem, was das SKM-Papier für Minden plant.
Mit den 120.000 Euro, für die man in Wetzlar gleich die ganzen Namensrechte bekommt, wird man in Minden nicht mal als nachrangiger, namenloser „Founding Partner“ akzeptiert. Denn auf der zweiten Ebene ruft das SKM-Papier immer noch satte 180.000 Euro auf.
Welcher Sponsor sollte da Interesse haben an einem Namens-Deal in Minden?
Stimmt: Der PpP-Wert ist nur ein Indikator. Er ermöglicht eine erste, schnelle Einschätzung. Deshalb nutzen Experten ihn. Es gibt viele weitere Indikator-Werte.
Der Betrag für Namensrechte im Verhältnis zur maximalen Zuschauerzahl plus der Anzahl aller Veranstaltungen pro Jahr ergibt den price per place and event.
Oder: der Preis der Namensrechte im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Besucher einer Halle in einem Jahr (price per visitors in total).
All diese Indikator-Werte geben Sponsoren und Fachleuten schnellen Aufschluss, wie marktgerecht und praxistauglich die geforderten Summen tatsächlich sind.
Es würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen, sie hier alle aufzuführen. Aber im Rahmen einer professionellen, seriösen Beratungsleistung gehören diese Zahlen unabdingbar dazu.
Diese Zahlen zur Hand zu haben, ihre Bedeutung zu kennen, sie zur Verfügung zu stellen – das ist die Kompetenz, für die vierstellige Tageshonorare gerechtfertigt sind.
Im SKM-Papier fehlen solche Werte vollständig. Keine einzige Zahl wird in ein Markt-Verhältnis gesetzt. Warum? Weil dann für jedermann erkennbar wäre, dass irgendwas hakt? Dass das Konzept mit völlig marktuntauglichen Summen hantiert?
Bringen wir den PpP-Wert für die Mindener Multifunktionshalle mal auf eine halbwegs valide Zahl – sagen wir: fünfzig. Das ist immer noch der doppelte Wert der Rittal Arena in Wetzlar.
Ein PpP-Wert von fünfzig bei einer Maximalkapazität von 6.000 Zuschauern, das entspricht einer glatten Halbierung des Preises für die Namensrechte: von 600.000 Euro pro Jahr runter auf 300.000 Euro. Entsprechend müssen wir die Summen für die übrigen Sponsoring-Partner anpassen.
Für die im SKM-Papier kalkulierte Einnahmen-Situation würde das allerdings bedeuten: statt ursprünglich 1,64 Millionen Euro Einnahmen plötzlich nur noch 820.000 Euro.
Bei einer Belastung von 900.000 Euro für Pacht und Kapitaldienst, wie es das Papier einplant, liegt das hübsche Sponsoring-Modell von SKM damit schlagartig in den tiefroten Zahlen: 80.000 Euro Minus. Autsch!
Vieles, was beim Lesen des SKM-Papiers flott geschrieben wirkt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als wenig tragfähig.
Man hätte das sehen können. Man hätte das wissen können. Man hätte sich auch als Bürgermeister seriöse Kompetenz an die Seite holen können …
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