Der digitale Graben – oder: Netznichtsnutze

Der digitale Graben – oder:
Netznichtsnutze

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Netznichtsnutze

Jürgen Schnake Autor von Das Herz der Stadt

„Straßen? Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen!“ – so lautet eine der vielleicht berühmtesten Zeilen von Emmet „Doc“ Brown aus dem Film „Zurück in die Zukunft“.

Etwas ganz ähnliches scheint sich die Mindener Verwaltung beim Thema „schnelles Internet an unseren Schulen“ zu denken.

Einst gab es jene mittlerweile fast legendäre Ankündigung des Bürgermeisters: „In Minden sollten die Schulen erst ursprünglich 2023 an das Netz kommen. Wir haben mit dem Unternehmen vereinbart, dass die Schulen spätestens 20/21 am Glasfasernetz sind.“

Dass dieses Versprechen nicht gehalten werden konnte, zeichnete sich allerdings schnell ab und die klugen Leute im Rathaus ersannen daher eine Art Notfallplan: Da die Firma Greenfiber den Anschluss offenbar nicht fristgerecht schaffte, wurde per Ratsbeschluss vom 29.06.2021 entschieden:

„Soweit keine widersprechenden ausschließlichen Verpflichtungen gegenüber dem neuen Breitbandanbieter Greenfiber bestehen, wird für die weiterführenden Schulen eine Anbindung über die Firma EWE Tel GmbH in Auftrag gegeben.

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt eine außerplanmäßige Ausgabe in Höhe von 214.000 € für die Erschließung der weiterführenden städtischen Schulen durch Breitbandanschlüsse im Haushaltsjahr 2021. Die Deckung dieser Ermächtigung erfolgt aus der Rathaussanierung …“

EWE sollte nun in verblüffend kurzer Zeit (grob gesagt bis zum Herbst 2021) neun Schulen im Stadtgebiet ans schnelle Internet anschließen. Einzige Ausnahme war das Ratsgymnasium, das als „bereits versorgt“ gelistet wurde; doch dazu später etwas mehr.

Und so stimmten bei keiner Gegenstimme und nicht mal Enthaltungen alle 51 Ratsmitglieder dem Antrag samt Finanzierung zu. Ob später auch nur eines der Gremiumsmitglieder nachgefragt hat, wann EWE denn ‚zu Potte kommt‘ und / oder was eigentlich aus den bewilligten 214.000 Euro wurde, bleibt nebulös.

Der Herbst kam und ging – das schnelle Internet tat weder das eine noch das andere. Über die Firma EWE hat man seitdem niemals wieder etwas in diesem Zusammenhang gehört. Auch und gerade auf Nachfrage wie z.B. in der „Bürgermeistersprechstunde“ vom 28.10.2021 nicht. Es ist fast so, als stünde EWE für „Eine Wirre Entwicklung“, über die einfach niemand mehr sprechen will. Ein in Minden nicht gänzlich unbekanntes Flucht-Verhalten bei so manchem Thema.

Stattdessen soll es nun die Firma Greenfiber richten. Richtig gelesen: Greenfiber! Das Unternehmen also, dessentwegen die Verwaltung Plan B überhaupt erst entwickeln musste, wird offiziell zu Plan C. „C“ wie Chaos.

Es ist ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen schreibt, dass ausgerechnet bei der Ausbildung der Kinder doch wieder Geld und Beziehungen den Ausschlag zu geben scheinen.

Nach den jüngsten Äußerungen von Verantwortlichen darf bezweifelt werden, dass Greenfiber im zweiten Anlauf fristgerecht liefert. Muss die Firma aber auch gar nicht, da klugerweise diesmal gleich mal gar keine klare Deadline genannt wurde. Nur vage Spekulationen dringen zögerlich aus dem Rathaus.

So ärgerlich all dies für unsere Kinder nicht nur, aber eben auch bei drohendem Homeschooling ist, so wenig ficht es zwei Schulen in Minden an.

Da ist zum einen das bereits erwähnte Ratsgymnasium, das federführend durch den Bruder des Kämmerers schon längst in den Genuss von schnellem Internet kommt. Und zum anderen die Freiherr-vom-Stein-Schule, die durch die Nähe zur Wirtschaft und deren Belange, aber eben auch deren Unterstützung, schon vor Jahren das Thema Digitalisierung erfolgreich angehen konnte.

Es ist ein Armutszeugnis für eine Stadt, die sich soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, dass ausgerechnet bei der Ausbildung der Kinder dann doch wieder Geld und Beziehungen den Ausschlag zu geben scheinen.

P.S.: Der erwähnte Ratsbeschluss endete übrigens mit guten Nachrichten für die jüngsten Schüler: „Für die Grundschulen ist die Erhöhung der Bandbreite auf bis zu 250 Mbit/s im Rahmen bestehender Verträge vorgenommen worden.“

Was daraus wurde? Vermutlich spricht darüber niemand mehr …

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Du weißt, du bist in Minden – wenn aus Satire plötzlich O-Ton von Bürgermeister Jäcke wird

Du weißt, du bist in Minden – wenn aus Satire plötzlich O-Ton von Bürgermeister Jäcke wird

Du weißt, du bist in Minden – wenn aus Satire plötzlich O-Ton von Bürgermeister Jäcke wird

Autor Edgar Wilkening

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem neuen Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Es gibt Possen, die sind so possierlich, dass du denkst: Gibt’s doch gar nicht! Und dann passiert’s direkt vor deinen Augen. Also zum Beispiel in Minden. Mitten im Rathaus …

Gar nicht lange her, da hatten wir über einen E-Auto-Touristen aus dem hohen Norden berichtet. Der hatte sich bei Bürgermeister Michael Jäcke beschwert, dass die Parkgebühren auf dem Martinikirchhof nicht, wie im 21. Jahrhundert üblich, digital bezahlbar sind – oder wenigstens mit einem Notfall-Fünf-Euro-Schein. Sondern ausschließlich in Ein-Euro-Münzen oder noch kleinerem Hartgeld.

Der Minden-Reisende fühlte sich offenbar wie ein Zeitreisender. Was ohnehin womöglich dasselbe ist. Analog zu Marty McFly, der in „Zurück in die Zukunft“ in den spießigen 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts landet, wo alle Gewissheiten der Neuzeit keine Gültigkeit mehr haben.

Den Bericht über die Erlebnisse des Minden-Besuchers hatten wir mit dem Foto eines der verschmuddelten und veralteten Parkscheinautomaten vom Martinikirchhof bebildert. Und dieses Bild mit folgender Textzeile versehen:

|

"Bitten legen Sie Parkgeld vor Reiseantritt nach Minden abgezählt in kleinen Münzen bereit!"

Quelle: Textzeile in der Bebilderung eines Artikels auf Das Herz der Stadt – hier zu finden

Das war natürlich ironisch gemeint! Pointiert. Überzogen. Achtung, Satire!

Aber wie das im Leben so ist: Was manch einer lustig findet, findet ein anderer gar nicht lustig – sondern womöglich echt inspirierend.

Offenbar auch Mindens Bürgermeister Michael Jäcke. Denn der schickt am 27. Oktober 2021 dem Minden-Besucher auf dessen Beschwerde eine Antwort (die dem Herz der Stadt vorliegt).

Und da wird’s jetzt wirklich lustig. Realsatire sozusagen. Denn was steht da drin? Nach Absätzen voller ausschweifendem Behörden-Salbader fällt der entscheidende Satz:

|

"Sie hätten zur Nutzung des Parkplatzes die entsprechende Menge Kleingeld mit sich führen müssen."

Quelle: E-Mail von Mindens Bürgermeister Michael Jäcke vom 21. Oktober 2021 an einen Minden-Besucher

Geht das nur mir so? Oder klingt das wirklich verblüffend ähnlich zu genau der Aussage, die wir einige Wochen zuvor ironisch gemacht hatten? Ein bisschen umformuliert, etwas andere Worte – ja, klar. Aber in der Sache …?

Wir freuen uns natürlich sehr, wenn Bürgermeister Jäcke unserer Webseite die Ehre erweist (zumal er hier ja oft gute Hinweise auf sein Versagen im Amt erhält) und sich von unseren Inhalten inspirieren lässt. Vielleicht können wir den höchsten Bürger Mindens ja noch zu weiteren Statements inspirieren?

Jedenfalls haben wir uns – nachdem wir uns vom Lachen erholt hatten – gleich mal hingesetzt und ein paar weitere, natürlich rein satirische Äußerungen zu Papier respektive zum Server gebracht. Hier kommen sie. Allesamt zur freien Umformulierung und Verwendung gestattet …

Vielleicht ist ja etwas dabei, das einen Bürgermeister vom Formate eines Michael Jäcke inspiriert zu eigenen Statements. Wir persönlich würden uns jedenfalls sehr darüber freuen!

v

"Vergessen Sie die Pläne mit der Multihalle. Mit meiner Mannschaft kriege ich nicht mal öffentliche Toiletten hin."

Satirischer Textvorschlag von Das Herz der Stadt zur inhaltlichen Inspiration und freien Umformulierung bzw. Verwendung durch Bürgermeister

v

"Meine Partei ist derart verfilzt mit allem – das kriegen Sie nie wieder raus aus einer Stadt."

Satirischer Textvorschlag von Das Herz der Stadt zur inhaltlichen Inspiration und freien Umformulierung bzw. Verwendung durch Bürgermeister

v

"Ich hab's so satt, den Bürgern ständig was vorzumachen – ich gebe mein Amt jetzt auf, Pension hin oder her."

Satirischer Textvorschlag von Das Herz der Stadt zur inhaltlichen Inspiration und freien Umformulierung bzw. Verwendung durch Bürgermeister

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Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Autor Edgar Wilkening

Von
Edgar Wilkening

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Die von Nazi-Deutschland organisierten Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger im November 1938, sie fanden – natürlich – auch in Minden willfährige Täter und Mitmacher. Die Reichspogromnacht hat bei den seinerzeit in der Stadt lebenden Juden nachhaltig für Angst und Schrecken gesorgt – und für massive wirtschaftliche Schäden.

Das Haus Obermarktstraße 19, in dem Das Herz der Stadt aktuell residiert, wäre wohl ebenfalls ein Kandidat für die Ausschreitungen des volksdämlichen Pöbels gewesen. Denn 1938 befand sich das Gebäude mit dem Lebensmittelgeschäft im Besitz des jüdischen Bürgers Bruno Lilienthal.

War dem nationalsozialistischen Mindener Mob das womöglich entgangen? Hatte man gar Gnade vor Unrecht walten lassen? Wohl kaum …

Es steht zu vermuten, dass der Grund, warum das Haus Obermarktstraße 19 in dieser Nacht von Angriffen verschont blieb, einzig darin bestand, dass Bruno Lilienthal sein Kolonialwarengeschäft ohnehin schon aufgegeben hatte. Und der Lebensmittelladen im Erdgeschoss seit Anfang der 1920er Jahre von der aus Hattingen an der Ruhr stammenden Heinrich Hill AG betrieben wurde.

Ein „deutscher“ Händler mit einem „deutschen“ Geschäft – das dürfte der einzige Grund sein, warum die Obermarktstraße 19 die Mindener Brand- und Brandschatzung-Nacht der Nazis ungeschändet und ungeplündert überstanden hat.

Nichtsdestotrotz: Als neue Eigentümer des Objekts fühlen sich der Autor und seine Lebensgefährtin, die Mindener Architektin Astrid Engel, der Geschichte des Hauses verpflichtet.

2021 jährte sich die Reichspogromnacht zum insgesamt 83. Mal. Aber für uns war es der erste Jahrestag während unserer Eigentümerschaft. Das haben wir zum Anlass genommen, eine ganz besondere Form des Gedenkens an diesen Tag zu zelebrieren.

Entstanden ist ein ungewöhnlich eindringliches Video, das im Schaufenster des Hauses rund um die Uhr lief, vom Vormittag des 9. November 2021 bis zum Mittag des Folgetages.

Ein Film, der die typischen Medienklischees des Historischen (Schwarz-Weiß-Optik etc.) ganz bewusst vermeidet und statt dessen mit neuer, eigenständiger Ästhetik versucht, die Schrecken der November-Nacht 1938 spürbar werden zu lassen.

Nüchtern betrachtet zählt das 100-Sekunden-Video die Orte der Angriffe auf und benennt die Straßennamen und Hausnummern, an denen der Nazi-Mob wütete.

Eindringlich wird es dadurch, dass nahezu alle der Adressen auch heute noch existieren. Kampstraße, Simeonstraße, Ritterstraße, Bäckerstraße: vertraute Namen für jeden, der die Mindener Innenstadt kennt. Und allesamt Orte, die in Fußweite der Obermarktstraße liegen – quasi gleich um die Ecke.

Trotz dieser nüchtern wirkenden Aufzählung entwickelt das Video eine erschreckend beklemmende Atmosphäre. Zum einen durch das spektakuläre Motion Graphic Design, das schon im farblichen Erscheinungsbild die Anmutung von Brand und Bedrohung vermittelt. Zum anderen durch die kongeniale Kombination mit Musik und Sound Effects.

All das wirkt so zeitgemäß im Look, so ganz und gar nicht altbacken oder gestrig, sondern jetzig und „netflixig“, dass die vor mehr als achtzig Jahren geschehenen Ereignisse bedrückend nah und verblüffend aktuell wirken. Regie, Editing, Musik: Da waren offenbar Meister am Werk – bei allen beteiligten Gewerken.

Das ist ganz typisch für Teams, die Medienmacher Edgar Wilkening für seine Projekte ins Studio ruft: international arbeitende Hochkaräter, die ihr Handwerk verstehen und sich leidenschaftlich begeistern lassen für die Aufgabenstellungen des Regisseurs. Sicher einer der Gründe, warum seine Arbeiten immer wieder in internationalen Wettbewerben dabei sind und seit Jahrzehnten mit Awards prämiert werden.

Gerade weil der Ton für die bedrückende Stimmung des Films so elementar ist, ist es schade, dass das Video vom 9. zum 10. November im Schaufenster hinter Glas lief – ohne Ton. Für den Jahrestag 2022 werden wir da sicher eine andere technische Präsentations-Plattform schaffen, um das Video einem größeren Publikum zu zeigen.

Bis dahin zeigen wir den Film hier im Stream. Als einzige Web-Plattform hat Das Herz der Stadt das Recht erhalten, das Video öffentlich zu zeigen. Ich empfehle, den Ton laut zu drehen und die Darstellung im Vollbild-Modus einzuschalten. Wider das Vergessen!

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Good News fürs Rampenloch! Stadt: Verkauf „sofern (…) attraktiver Kaufpreis geboten wird“

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Autor Edgar Wilkening

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ew@dasherzderstadt.de

Das ist ein Paukenschlag! Und womöglich der erste kluge Satz zum Thema, den ich aus der Administration Jäcke höre, seit ich mich mit der Neu-Entwicklung des Rampenloch-Areals befasse. Und das geht immerhin bis ins Jahr 2018 zurück.

Was haben wir nicht alles an politischer Misswirtschaft, Desinformation und Inkompetenz erlebt, seit die Stadt Minden das brache Rotlichtgelände 2018 übernommen hat, um dort Neues entstehen zu lassen.

Mal wurde das einzigartige Narrativ des Ortes ohne Not – und vermutlich auch ohne Sachverstand – über Bord geworfen. Verantwortlich dafür zeichnet der Baubeigeordnete der Stadt Minden, Lars Bursian, der sicherheitshalber teure Dienstleister beauftragte, WoltersPartner aus Coesfeld, damit auch die das wertvolle Narrativ an keiner einzigen Stelle ihrer umfangreichen Papiere erwähnten.

Stattdessen skizzierten sie frei nach dem Motto „Ein Äffchen und ein Pferd, die schauen dort zum Fenster raus“ eine Pippi-Langstrumpf-Idylle mit kleinen Häuschen und großen Gärten, die schon damals nicht das Papier wert war, mit dem man sich abwischt. Sei’s drum: Auftraggeber Bursian war augenscheinlich zufrieden.

Kurz darauf liess er über die Lokalpresse verlauten, dass „völlig offen“ sei, was am Rampenloch entstehen solle. Das war schon damals so unwahr wie es sich später bestätigte. Längst hatte sich im Kopf des Mannes das Ziel einer unauffällig-devoten Wohnbebauung festgesetzt – ohne das tatsächliche Potenzial des Areals auch nur ansatzweise anzudenken.

Vorläufiger Höhepunkt des politischen Kasperle-Theaters war dann, als eine treue SPD-Genossin, die als Stadtverordnete im Rat sitzt, von ihren Parteigenossen und Kollegen das Areal für ihren Investor Bautec zugesprochen bekam.

In diese typisch Mindener Gemengelage aus Mauschelei und mangelndem Sachverstand platzt jetzt die Aussage von Joachim Schmidt hinein, Geschäftsführers der MEW, der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Minden.

Und was der Mann sagt, dürfte – wenn es denn der Wahrheit entspricht – zum Game-Changer werden am Rampenloch. Hören wir mal rein.

|

"Die Politik der Geschäftsführung sei stets gewesen, Immobilien dem Markt zur Verfügung zu stellen, 'sofern (...) ein attraktiver Kaufpreis geboten wird.'"

Quelle: Mindener Tageblatt vom 21. Oktober 2021, Seite 2. Die Online-Version des Textes ist hier hinter Pay-Wall abrufbar.

Ein „attraktiver Kaufpreis“? Tja, Bautec – das dürfte es dann wohl gewesen sein mit deinen Plänen fürs Rampenloch.

Denn für Grundstücke, die die Stadt für exakt 642.500 Euro plus Nebenkosten, in Summe also für etwa 700.000 Euro erworben hat, gerade mal schlappe 200.000 Euro zu bieten, also etwa 500.000 Euro weniger als den Betrag, den die Stadt mal gezahlt hat – da kann man weiß Gott nicht von einem „attraktiven Kaufpreis“ sprechen.

Nun gut – Schmidt hat seine Aussage nicht im Zusammenhang mit dem Rampenloch gemacht. Sondern in Bezug auf Verkaufsspekulationen zum ebenfalls im Besitz der Stadt befindlichen Objekt Simeonscarré 2.

Aber er spricht deutlich von „Politik“, also von grundlegenden Prinzipien, die offenbar generell für Liegenschaften der Stadt gelten – keineswegs nur für das Objekt Simeonscarré 2. Und die Rede ist von „stets“. Also erneut: nicht nur für den Moment gültig, sondern dauerhaftes Handlungsprinzip bei städtischen Immobilien.

Der das sagt, ist nicht irgendwer – sondern hochrangiger Manager im Mindener Stadtapparat. Mit 140.000 Euro Jahresgehalt (Jahr 2020) einer der best bezahlten Angestellten – finanziell deutlich vor Bürgermeister Michael Jäcke, der in Besoldungsgruppe B7 nur knapp 130.000 Euro bezieht.

Wenn ein Hochkaräter wie Schmidt etwas sagt, dann ist das nicht einfach dahergeplappert. Der Mann weiß, worüber er spricht.

Ein halbwegs „attraktiver Kaufpreis“ für Immobilien, für die die Stadt 642.500 Euro gezahlt hat: Das würde ab, sagen wir mal: 650.000 Euro losgehen (wenn man die Nebenkosten mal außen vor lässt).

Mehr noch: Immobilienprofis wissen zu berichten, dass mit dem Verkauf von Liegenschaften sogar Gewinne möglich sein sollen. Ist MEW-Geschäftsführer Schmidt der Einzige in Mindens Administration, der sich mit sowas auskennt?

Auch wenn Englischlehrern & Co. im Rat, die vor allem Gevatternwirtschaft betreiben möchten, grundlegende Handlungsprinzipien wie „stets“ und „Politik“ vollkommen fremd sein mögen: Schmidts Worte machen deutlich, dass sich endlich die Chance auftut, sach- und vernunftbezogen eine angemessene Entwicklung für das wertvolle Rampenloch anzugehen.

Denn das Areal kann viel, viel mehr leisten für die Stadt Minden, für die gesamte Stadt Minden, als nur ein paar Wohnungen, einen netten Auftrag für eine treue SPD-Genossin und üppige Rendite für einen Investor.

Womöglich braucht’s dafür als allererstes einen neuen Baubeigeordneten. Glückliche Fügung vielleicht, dass der Vertrag des Beigeordneten Bursian 2023 endet. Das ist die Chance für einen echten Neuanfang! Für ihn in einer anderen Stadt. Für das Rampenloch mit einem/einer neuen sachverständigen Stadtentwickler*in. Schön wär’s.

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Obermarktpassage: Haufen Landeier lässt sich vorführen von gewieftem Investor – und heult los

Obermarktpassage:
Haufen Landeier lässt sich vorführen von gewieftem Investor – und heult los

Obermarktpassage:
Haufen Landeier lässt sich vorführen von gewieftem Investor – und heult los

Analyse

So klingen sonst nur enttäuschte Liebhaber. Von „nicht korrektem Verhalten“ ist da die Rede, von „falschen Einladungen“ und „starkem Vertrauensverlust“. Das ganze weinerliche Geseier eben, wenn sich einer von zweien plötzlich nicht mehr liebgehabt fühlt.

Nur dass der Verschmähte, der hier so jämmerlich jault, kein Mensch aus Fleisch und Blut ist – sondern die Stadt Minden mit ihrem Management und führenden Ratsvertretern.

Der bitterlich Beweinte, dem all das Gejammer gilt, ist die AIM Center GmbH aus Passau. Die hatte vor Monaten große Teile des brachen Einkaufszentrums „Obermarktpassage“ in Mindens Innenstadt erworben. Und für die Stadt und ihre Repräsentanten mag sich das angefühlt haben wie honeymoon.

Für die Stadt und ihre Vertreter mag sich das angefühlt haben wie honeymoon.

Endlich ein Investor, der Millionen in die Hand nimmt, um das Potenzial der Mindener Innenstadt zu entfalten. Im Herbst des Handels-Lebens fühlte es sich für Politik und Verwaltung offenbar nochmal an wie die ganz, ganz große, neue Liebe.

Der Prinz auf dem Pferd, der des Weges geritten kommt und das wunderschöne Dornröschen wieder zum Leben erweckt. Was Landeier sich eben so ausmalen.

Was wurde nicht alles geschwärmt, gewürdigt, gelobt! Ich erinnere mich an Gespräche mit Stadt-Repräsentanten, die dabei waren, als AIM-Chef Robert Maier und Geschäftsführer Rupert Atzberger ihre Pläne für die Obermarktpassage vorstellten.

Was für ein feiner und jovial auftretender Mensch der Herr Maier sei, wurde da betont; wie vertrauensselig sein bayerischer Akzent während des Vortrags geklungen habe.

Dazu die rosaroten Bilder einer neu erwachenden Obermarktpassage, in die nach Jahren der Einsamkeit endlich wieder Leben einzieht. Bitte – welcher verzweifelt partnersuchende Stadtverantwortliche hätte sich da nicht Hals über Kopf verliebt?

Welcher verzweifelt partnersuchende Stadtverantwortliche hätte sich da nicht Hals über Kopf verliebt?

Halb zog er sie, halb sank sie hin … Und plötzlich die Ernüchterung? Der ersehnte Liebhaber entpuppt sich nicht als zartfühlender Retter, sondern als rücksichtsloser one night stand? Alles nur ein wilder Rausch? So naiv kennt man das wirklich nur von echten Landeiern.

„Nicht korrekt (…), wie hier mit der Stadt umgegangen wird“, jault SPD-Fraktionschef Peter Kock. „Einladung (…) formal falsch“, klagt die Stadt an. Und Kämmerer Norbert Kresse grämt sich über „starken Vertrauensverlust“. (Alle Zitate: Mindener Tageblatt, 29. August 2021.)

Das ganze Gejammer – es offenbart vor allem eines: die große Inkompetenz von Verwaltung und Verordneten im Umgang mit Playern wie der AIM.

Der Katzenjammer offenbart vor allem die Inkompetenz im Umgang mit Playern wie AIM.

Denn die gescholtenen Liebhaber Maier und Atzberger sind keineswegs die liederlichen Schufte, als die sie jetzt hingestellt werden. Sie machen genau das, was bei einer maroden Immobilie wie der Obermarktpassage zwingend erforderlich ist: Sie räumen auf.

Darin gar nicht unähnlich den Geiern, die aufräumen in der Prärie, indem sie das Aas aus der Landschaft schaffen. Das mag man moralisch verwerflich oder gar anstößig finden. Mag auch sein, dass manchem diese Tätigkeit generell nicht gefällt. Aber sie ist notwendig, logisch und elementar für funktionierende Kreisläufe.

Im Lebenszyklus von Immobilien befindet sich die Obermarktpassage schon lange an einem Punkt, wo mit dem Stück Aas aufgeräumt werden muss. Maiers AIM macht genau das. Und sie macht es bislang bemerkenswert gut.

1. Unboxing

Lange Jahre war der Großteil der Obermarktpassage nicht viel mehr als drittklassige Beipack-Ware im großen Immobilienpaket eines amerikanischen Investmentfonds.

In diesem Paket führte die Obermarktpassage stets ein Schattendasein: unauffällig, ungesehen, ungeliebt. Ein Objekt unter vielen. Ramschware, die man ungefragt mit dazu bekam.

Es ist das erste Verdienst von AIM, die Obermarktpassage aus dem Paket des amerikanischen Fonds herausgelöst zu haben. Hat man das aktiv betrieben? Ist es AIM passiv zugefallen? Wir wissen es nicht.

Aber die Tatsache, dass das Objekt nicht mehr untergeht in einem riesigen Paket, sondern endlich ganz isoliert für sich betrachtet werden kann, schafft die Grundvoraussetzung für eine spezifische, individuelle Entwicklung des Objekts.

Gut gemacht, AIM. Zumal Punkt „1. Unboxing“ Voraussetzung war für Punkt 2.

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2. Bereinigen

Es ist einer der Geburtsfehler der Obermarktpassage: dass sie sich im Besitz einer diffusen, inhomogenen Eigentümergemeinschaft befindet.

Da war zum einen natürlich der damalige Hauptinvestor. Aber auch: die Stadt Minden als Miteigentümer (als Besitzer der seit Jahren geschlossenen Stadthalle). Außerdem eine ganze Reihe kleinerer Eigentümer, zum Beispiel von Arztpraxen und Eigentumswohnungen – ein höchst diffuser Mix mit ebenso diffusen Einzelinteressen.

Dass derart inhomogene Eigentümerstrukturen erhebliche Risiken bergen und nicht eben kluge Entscheidungen befördern, ist jedem bekannt, der mal mit dem Immobiliengeschäft zu tun hatte. Der spätere Niedergang der Obermarktpassage, er war in diesem Geburtsfehler schon angelegt.

Und selbst, wenn es das Wort Public Private Partnership damals, in den 1980er-Jahren, noch nicht gab, ist die Obermarktpassage doch leuchtendes Mahnmal dafür, was aus derart kruden Zusammenschlüssen irgendwann werden kann: ein unüberschaubarer Kostenfaktor, bei dem am Ende die Öffentlichkeit den Kürzeren zieht – Stichwort „Multihalle“.

Es ist dem Investor AIM zu verdanken, dass dieser Geburtsfehler der Obermarktpassage jetzt korrigiert wird. Man versucht die Eigentümerschaft zu bereinigen, so viele Eigentumsanteile wie irgend möglich in eine Hand zu bringen und damit klare Eigentümerstrukturen zu schaffen. Ein längst überfälliger Schritt.

Geht der Investor dabei feinfühlend, zärtlich und liebevoll vor? Natürlich nicht. Im Gegenteil: Er geht zielgerichtet, ergebnisorientiert und planvoll vor. Wie man das von einem professionellen Investor erwarten darf, der sein Geschäft versteht.

Mittlerweile befinden sich offenbar mehr als achtzig Prozent der Eigentumsanteile im Besitz der AIM. Endlich klare Verhältnisse, endlich klare Rahmenbedingungen – statt ewigem Rumgeeier von Landeiern.

Gut gemacht, AIM. Zumal Punkt „2. Bereinigen“ Voraussetzung war für Punkt 3.

3. Baurecht

Die früheren Nutzungsmodelle der Obermarktpassage sind ebenso in die Jahre gekommen wie die Bausubstanz und die Gebäudetechnik. Es gibt erheblichen Sanierungsbedarf – nicht nur bei Kabeln, Rohren und Sicherheitsanlagen, sondern auch bei den Geschäftsmodellen.

Es ist der dritte entscheidende Punkt, den die AIM gerade erledigt: Baurecht herstellen für neue Nutzungen, sogenannte „Umnutzungen“.

Es geht darum, bauordnungsrechtliche Genehmigungen zu bekommen für neue, zeitgemäße Nutzungsmodelle, mit denen sich im 21. Jahrhundert in Innenstadtlage (hoffentlich) Geld verdienen lässt.

Dass man bei der Gelegenheit auch versucht, die Gesamtmenge an Nutzflächen auszuweiten, gleichzeitig aber die eigenen Investitionen erst mal so gering wie möglich hält: wenig überraschend, sondern vollkommen erwartbar bei einem cleveren Investor. Nur Landeier sind ernsthaft verblüfft von soviel Ausgebufftheit.

Alles richtig gemacht, AIM. Zumal Punkt „3. Baurecht herstellen“ die Voraussetzung ist für das, was der Investor womöglich wirklich vorhat …

Ob einem die drei Punkte gefallen oder nicht – wer den Tatsachen ins Auge blickt, statt sich in rosarote Landeier-Märchen zu flüchten, weiß: All das ist das Geschäftsmodell gewiefter Investoren. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit genau den drei Punkten da oben (und einigen anderen) wird richtig Geld verdient. Es ist eine Arbeit, bei der joviales Auftreten ausdrücklich hilft. Denn es ist oft auch eine schmutzige Arbeit – und eine, für die man ein dickes Fell braucht. Aber wenn alles gut läuft, zahlt sie sich millionenfach aus.

Das Zauberwort heißt „Wertschöpfung“.

Was Maiers AIM in wenigen Monaten gelungen ist: eine nahezu unverkäufliche, geradezu toxische Immobilie umzuformen zu einem Objekt, das (sei es in Summe oder in Teilen) am Markt zu erheblichen Preisen verkäuflich werden dürfte.

Eine toxische, praktisch unverkäufliche Immobilie transformiert zu einem hochpreisig verkäuflichen Objekt.

Der Wert des Objekts, er dürfte sich schon jetzt, lange vor einer Eröffnung der Obermarktpassage, um viele Millionen erhöht haben – durch Unboxing, Bereinigen der Eigentümerschaft und Herstellen von Baurecht.

So wird Geld verdient. Nicht in irgendeinem rosaroten Märchenland, das sich eine provinzielle Politkaste ausmalt – sondern in der Realität des 21. Jahrhunderts.

Wird AIM die Obermarktpassage bis zur Eröffnung im Eigentum behalten – oder auch danach noch?

Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Es ist gar nicht wichtig. Längst hat das Objekt so viel Wertschöpfung erfahren, dass man jederzeit mit satten Gewinnen aussteigen und sich aus Minden verabschieden kann.

Die Weichen dafür sind längst gestellt – nicht zuletzt durch ehedem liebestolle, blauäugige Stadtvertreter die plötzlichen „Vertrauensverlust“ anprangern.

Die Weichen für einen Ausstieg mit Millionengewinnen und reiner Weste sind längst gestellt.

Nicht, dass einen gewieften Investor so was groß jucken würde. Aber die Vorwürfe sind die ideale Steilvorlage, um sich beizeiten aus Minden zu verabschieden – und die Schuld dafür öffentlich Verwaltung und Politik anzulasten.

Man käme nicht nur mit Millionengewinn aus der Nummer wieder raus, sondern auch mit reiner Weste.

All das hätte man in Politik und Verwaltung wissen können – nein: wissen müssen, ehe man sich mit ausgebufften Partnern an einen Tisch setzt. Offenbar hat’s in der Administration Jäcke (mal wieder) nicht gereicht dafür. Lieber lässt man sich vorführen – und heult los.

Sachverstand und Weitblick, sie scheinen auch weiterhin die „Seltenen Erden“ der Mindener Stadtentwicklung zu bleiben.

Autor Edgar Wilkening

Autor Edgar Wilkening. Experte für Predictive Strategizing (vorausschauende, empathische Strategieanalyse). Sein Credo: “Wenn man weiß, wie das Gegenüber tickt, kann man das Spiel steuern – und für sich nutzen.“

Sie erreichen den Autor per Mail an:
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So erleben E-Auto-Touristen die Klimastadt Minden: schmuddelig, veraltet, techfeindlich

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Autor Edgar Wilkening

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem neuen Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Wie begrüßt Minden seine Gäste und Besucher? Dem Herz der Stadt liegt eine E-Mail an Bürgermeister Michael Jäcke vor, die beredtes Zeugnis darüber ablegt.

Vordergründig scheint es nur um ein Knöllchen wegen Falschparkens zu gehen. Doch der Verfasser der E-Mail stellt die Rechtmäßigkeit des Knöllchens gar nicht in Frage. Im Gegenteil: Formell habe er die Verwarnung ganz zu recht erhalten, sagt er.

Ihm geht es vielmehr um die Umstände, die zu diesem Knöllchen geführt haben. Und die sind bemerkenswert. Denn sie sagen viel über die weltfremde und realitätsferne Sicht, die Mindens Verwaltung auf die Welt im 21. Jahrhundert pflegt.

Die ganze E-Mail sprüht so vor feingeistigem Witz und kosmopolitischer Ironie, dass ich sie Ihnen keinesfalls vorenthalten will. Hier der Original-Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Jäcke,

gestern hatte ich erstmalig die Möglichkeit in Ihr schönes Minden an der Weser zu kommen. Um es ein wenig zu erkunden fuhr ich auf den Parkplatz Martini-Kirchhof. Nachdem ich festgestellt hatte, dass E-Autos nicht wie in Ihrer Nachbargemeinde Bückeburg 4 Stunden umsonst parken dürfen suchte ich den Parkautomaten auf.

Dort angekommen musste ich feststellen, dass man seine Parkgebühr weder per App, noch per SMS, noch mit Karte oder mit Geldscheinen bezahlen kann. Das erstaunte mich, haben wir doch mittlerweile das Jahr 2021…. Es geht tatsächlich nur mit Münzen.

Da ich in der Regel kein Bargeld mit mir führe aber für solche Situationen immer einen 5-€uro-Schein mit mir führe suchte ich den nächsten Parkautomaten. Auch dort war der Schlitz für die Kartenzahlung versperrt und Bezahlung mit Geldscheinen nicht möglich. Ein Hinweis auf eine alternative Bezahlmöglichkeit fand sich nirgendwo.

Da ich zu den Menschen gehöre, die gerne Parktickets bezahlen und dies auch in über 25 Jahren immer gemacht habe (ausnahmslos) war ich etwas verstört, da ich das Gefühl hatte, dass mich die Gemeinde Minden zum Schwarzparken nötigt. Das war mir unangenehm, und so verschaffte ich meinem Gewissen ein wenig Erleichterung durch das Verwenden einer Parkscheibe.

Als ich später zum Auto zurück kehrte war ein Ticket an meiner Windschutzscheibe, das durchaus zurecht dort angebracht wurde und gegen dessen Ausstellung formell nichts auszurichten ist. Aber durch mangelnde Digitalisierung des Parkwesens und die Reduzierung der Bezahlmöglichkeiten auf sog. ‚Hartgeld‘ fühlte ich mich dazu genötigt gegen die Gebührenordnung von Minden zu verstoßen, weshalb ich nun doch einen Einspruch erheben / einlegen muss.

Als ich das Knöllchen dann genauer anschaute sah ich, dass es anscheinend nicht am mangelnden Verständnis für ‚Digitalisierung‘ lag, dass es keine zeitgemäßen Bezahlmöglichkeiten gibt. Nein! Im Gegenteil: auf dem Knöllchen war ein QR-Code zu sehen durch den man direkt zum Kassenzeichen, dem zu zahlenden Betrag und zum ‚Tatvorwurf‘ kam. Das alles hinterlässt so ein gemischtes Gefühl von Rückständigkeit auf der einen Seite und Abzocke auf der anderen Seite in mir.

Deshalb lieber Herr Jäcke habe ich zwei Bitten an Sie:
– machen Sie Parkraum für die Zahlungsmittel des Jahres 2021 bezahlbar
– Erlassen Sie mir mein Knöllchen, da ich unverschuldet nicht anders handeln konnte als ich gehandelt habe.

Gerne höre ich von Ihnen und verbleibe bis dahin
mit besten Grüßen (…)“

Quelle: E-Mail eines aus Norddeutschland stammenden Minden-Besuchers an Bürgermeister Michael Jäcke am 15. September 2021. Identität und Anschrift des Verfassers sind der Redaktion bekannt. Die Veröffentlichung der E-Mail erfolgt mit Genehmigung des Verfassers.

„Rückständigkeit“, „Abzocke“, „Nötigung“ – das erlebt dieser Besucher bei seinem Antrittsbesuch in der Stadt Minden. Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass diese Person ein positives, warmherziges Bild der Stadt mit nach Hause nimmt und weiterträgt in die Welt?

Genau die Menschen, die Minden so dringend braucht, weil sie Geld in die Stadt bringen, weil sie mit ihrer Anwesenheit Unternehmen und Arbeitsplätze unterstützen, weil sie als Multiplikatoren über den Liebreiz der Stadt berichten könnten – oder als Investoren vielleicht sogar selbst einen neuen Wirtschaftsstandort suchen – genau diese Menschen vergrault Minden schon bei der ersten Begegnung. Da helfen auch keine Imagefilme mehr, keine Flyer, keine Broschüren …

Offenbar hat es die Administration Jäcke längst aufgegeben (oder womöglich noch nie gemacht): aus der Perspektive der Menschen, der Besucher, der Nutzer auf die eigene Stadt zu schauen. Oder auch mal über die Stadtgrenzen hinaus auf andere Kommunen zu blicken, was die so unternehmen, um attraktiv und zeitgemäß zu sein.

Ich bleibe dabei: Die Stadt Minden hat ein ungeheures Potenzial! Sie könnte ein blühendes, wunderschönes Kleinod unter den Städten Ostwestfalens und des angrenzenden Schaumburger Landes sein.

Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass man diejenigen, die heute das Sagen haben, zum Teufel jagt.

… vielleicht würde dann sogar der Verfasser der E-Mail der Stadt Minden eine zweite Chance geben und sein E-Auto erneut zum Martini-Kirchhof steuern.

… und die Story geht weiter! Denn unser-E-Autoreisender hat tatsächlich eine Antwort von Bürgermeister Jäcke erhalten. Was da drin steht ist allerdings zum Lachen – oder zum Verweifeln. Je nachdem, mit wie viel Nachsicht und Milde man auf das Oberhaupt dieser Stadt blickt.

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Der Exportschlager
Mindens erfolgreichstes Produkt verlässt die Stadt mit neunzehn – und die Bilanz sieht trotzdem gut aus" >
Paket mit dem Stempel "Made in Minden" und Anschrift in Hamburg
Juli 24 2026

Der Exportschlager
Mindens erfolgreichstes Produkt verlässt die Stadt mit neunzehn – und die Bilanz sieht trotzdem gut aus" > Der Exportschlager
Mindens erfolgreichstes Produkt verlässt die Stadt mit neunzehn – und die Bilanz sieht trotzdem gut aus

Auf dem Weihnachtsmarkt erzählen sie von München, Singapur, Hamburg – die Ehemaligen, drei Tage im Jahr zurück in Minden. Die Stadt nennt das Heimatliebe. Die Statistik...
Wo das Weserbergland aufhört
Warum Touristen durch die Stadt hindurchfahren, in der Schiffe über Schiffe fahren" >
Ortausgangsschild zeigt das Ende des Weserberglands an
Juli 22 2026

Wo das Weserbergland aufhört
Warum Touristen durch die Stadt hindurchfahren, in der Schiffe über Schiffe fahren" > Wo das Weserbergland aufhört
Warum Touristen durch die Stadt hindurchfahren, in der Schiffe über Schiffe fahren

Es steht in der Eigenwerbung der Tourismusbranche: Das Weserbergland wird „im Norden von Minden begrenzt“. Nicht etwa gekrönt – sondern begrenzt! Warum Gäste im...
RANG 315 IN NRW – Vermessung einer Stadt, die den Wettbewerb verschläft (Sechsteilige Serie)" >
Montage der sechs Titelbilder der Serie
Juli 22 2026

RANG 315 IN NRW – Vermessung einer Stadt, die den Wettbewerb verschläft (Sechsteilige Serie)" > RANG 315 IN NRW – Vermessung einer Stadt, die den Wettbewerb verschläft (Sechsteilige Serie)

Deutsche Mittelstädte konkurrieren – um Einwohner, Fachkräfte, Gäste, Investitionen, Aufmerksamkeit. Die meisten wissen es nicht, manche wollen es nicht wissen, eine...