So erleben E-Auto-Touristen die Klimastadt Minden:
schmuddelig, veraltet, techfeindlich

Autor Edgar Wilkening

von | 20. Sep., 2021

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem neuen Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Wie begrüßt Minden seine Gäste und Besucher? Dem Herz der Stadt liegt eine E-Mail an Bürgermeister Michael Jäcke vor, die beredtes Zeugnis darüber ablegt.

Vordergründig scheint es nur um ein Knöllchen wegen Falschparkens zu gehen. Doch der Verfasser der E-Mail stellt die Rechtmäßigkeit des Knöllchens gar nicht in Frage. Im Gegenteil: Formell habe er die Verwarnung ganz zu recht erhalten, sagt er.

Ihm geht es vielmehr um die Umstände, die zu diesem Knöllchen geführt haben. Und die sind bemerkenswert. Denn sie sagen viel über die weltfremde und realitätsferne Sicht, die Mindens Verwaltung auf die Welt im 21. Jahrhundert pflegt.

Die ganze E-Mail sprüht so vor feingeistigem Witz und kosmopolitischer Ironie, dass ich sie Ihnen keinesfalls vorenthalten will. Hier der Original-Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Jäcke,

gestern hatte ich erstmalig die Möglichkeit in Ihr schönes Minden an der Weser zu kommen. Um es ein wenig zu erkunden fuhr ich auf den Parkplatz Martini-Kirchhof. Nachdem ich festgestellt hatte, dass E-Autos nicht wie in Ihrer Nachbargemeinde Bückeburg 4 Stunden umsonst parken dürfen suchte ich den Parkautomaten auf.

Dort angekommen musste ich feststellen, dass man seine Parkgebühr weder per App, noch per SMS, noch mit Karte oder mit Geldscheinen bezahlen kann. Das erstaunte mich, haben wir doch mittlerweile das Jahr 2021…. Es geht tatsächlich nur mit Münzen.

Da ich in der Regel kein Bargeld mit mir führe aber für solche Situationen immer einen 5-€uro-Schein mit mir führe suchte ich den nächsten Parkautomaten. Auch dort war der Schlitz für die Kartenzahlung versperrt und Bezahlung mit Geldscheinen nicht möglich. Ein Hinweis auf eine alternative Bezahlmöglichkeit fand sich nirgendwo.

Da ich zu den Menschen gehöre, die gerne Parktickets bezahlen und dies auch in über 25 Jahren immer gemacht habe (ausnahmslos) war ich etwas verstört, da ich das Gefühl hatte, dass mich die Gemeinde Minden zum Schwarzparken nötigt. Das war mir unangenehm, und so verschaffte ich meinem Gewissen ein wenig Erleichterung durch das Verwenden einer Parkscheibe.

Als ich später zum Auto zurück kehrte war ein Ticket an meiner Windschutzscheibe, das durchaus zurecht dort angebracht wurde und gegen dessen Ausstellung formell nichts auszurichten ist. Aber durch mangelnde Digitalisierung des Parkwesens und die Reduzierung der Bezahlmöglichkeiten auf sog. ‚Hartgeld‘ fühlte ich mich dazu genötigt gegen die Gebührenordnung von Minden zu verstoßen, weshalb ich nun doch einen Einspruch erheben / einlegen muss.

Als ich das Knöllchen dann genauer anschaute sah ich, dass es anscheinend nicht am mangelnden Verständnis für ‚Digitalisierung‘ lag, dass es keine zeitgemäßen Bezahlmöglichkeiten gibt. Nein! Im Gegenteil: auf dem Knöllchen war ein QR-Code zu sehen durch den man direkt zum Kassenzeichen, dem zu zahlenden Betrag und zum ‚Tatvorwurf‘ kam. Das alles hinterlässt so ein gemischtes Gefühl von Rückständigkeit auf der einen Seite und Abzocke auf der anderen Seite in mir.

Deshalb lieber Herr Jäcke habe ich zwei Bitten an Sie:
– machen Sie Parkraum für die Zahlungsmittel des Jahres 2021 bezahlbar
– Erlassen Sie mir mein Knöllchen, da ich unverschuldet nicht anders handeln konnte als ich gehandelt habe.

Gerne höre ich von Ihnen und verbleibe bis dahin
mit besten Grüßen (…)“

Quelle: E-Mail eines aus Norddeutschland stammenden Minden-Besuchers an Bürgermeister Michael Jäcke am 15. September 2021. Identität und Anschrift des Verfassers sind der Redaktion bekannt. Die Veröffentlichung der E-Mail erfolgt mit Genehmigung des Verfassers.

„Rückständigkeit“, „Abzocke“, „Nötigung“ – das erlebt dieser Besucher bei seinem Antrittsbesuch in der Stadt Minden. Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass diese Person ein positives, warmherziges Bild der Stadt mit nach Hause nimmt und weiterträgt in die Welt?

Genau die Menschen, die Minden so dringend braucht, weil sie Geld in die Stadt bringen, weil sie mit ihrer Anwesenheit Unternehmen und Arbeitsplätze unterstützen, weil sie als Multiplikatoren über den Liebreiz der Stadt berichten könnten – oder als Investoren vielleicht sogar selbst einen neuen Wirtschaftsstandort suchen – genau diese Menschen vergrault Minden schon bei der ersten Begegnung. Da helfen auch keine Imagefilme mehr, keine Flyer, keine Broschüren …

Offenbar hat es die Administration Jäcke längst aufgegeben (oder womöglich noch nie gemacht): aus der Perspektive der Menschen, der Besucher, der Nutzer auf die eigene Stadt zu schauen. Oder auch mal über die Stadtgrenzen hinaus auf andere Kommunen zu blicken, was die so unternehmen, um attraktiv und zeitgemäß zu sein.

Ich bleibe dabei: Die Stadt Minden hat ein ungeheures Potenzial! Sie könnte ein blühendes, wunderschönes Kleinod unter den Städten Ostwestfalens und des angrenzenden Schaumburger Landes sein.

Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass man diejenigen, die heute das Sagen haben, zum Teufel jagt.

… vielleicht würde dann sogar der Verfasser der E-Mail der Stadt Minden eine zweite Chance geben und sein E-Auto erneut zum Martini-Kirchhof steuern.

… und die Story geht weiter! Denn unser-E-Autoreisender hat tatsächlich eine Antwort von Bürgermeister Jäcke erhalten. Was da drin steht ist allerdings zum Lachen – oder zum Verweifeln. Je nachdem, mit wie viel Nachsicht und Milde man auf das Oberhaupt dieser Stadt blickt.

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