Lachhaft! Der satirische Adventskalender mit den „Drei Schattenparkern vom Rat“

Lachhaft! Der satirische Adventskalender mit den „Drei Schattenparkern vom Rat“

Lachhaft! Der satirische Adventskalender mit den „Drei Schattenparkern vom Rat“

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

Wer’s etwas gesünder mag im Adventskalender als täglich Schokolade, kann es mit Lachen versuchen. Dafür steht „Der satirische Adventskalender“ im Herz der Stadt bereit. Jeden Tag ein neues lachhaftes Motiv, jeden Tag eine neue Episode aus dem kruden lokalpolitischen Alltag der „Drei Schattenparker vom Rat“.

Ihren Ursprung hat die Serie im Spätsommer 2020. Der Macher (gleichzeitig Autor dieses Berichts) verliess vorzeitig eine Stadtverordnetenversammlung und entdeckte auf dem Weg zum Parkplatz die Autos dreier mutmaßlicher Ratsmitglieder: wüst in die Landschaft geparkt, jenseits aller geltenden Anstands- und Straßenverkehrs-Regeln. (Hintergründe zum Foto und den Fahrzeugen gibt es hier.)

Der Schnappschuss dieser Situation entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als herrlich entlarvendes Sinnbild provinzpolitischer Arroganz der Macht.

Und so kam dem Macher als langjährigem Satire-Autor schnell die Idee, das Foto mit Comic-Sprechblasen zum Leben zu erwecken. Die drei Autos als anonyme und synonyme Statthalter für reale Stadtverordnete – und gleichzeitig als Sinnbild für (Lokal-) Politiker und ihr Verhältnis zur Welt schlechthin.

Ursprünglich sollten es nur drei, vier schnelle Gags werden – jetzt sind es schon mehr als 80 Episoden

Eigentlich sollten es nur drei, vier lustige Dialoge werden, um das Foto in den sozialen Medien zu platzieren – mehr nicht. Aber die Situation im Bild, diese drei selbstherrlichen Platzhirsche in voller Pracht und Eitelkeit auf der Wiese ausgebreitet, dieses Figurensetting offenbarte schon bald, dass es mehr kann als drei, vier schnelle Gags.

Seit den Anfängen sind mittlerweile über achtzig Episoden entstanden. Immer auf Basis der einen, gleichen Ausgangssituation – aber immer mit anderen Themen, anderen Dialogen, anderen Pointen. Und mit klarer Rollenverteilung: Die drei Lokalheinis sind die Deppen vom Dienst – stellvertretend für jegliche Provinzpolitik, die nur so strotzt vor Überheblichkeit und Inkompetenz.

Weil es diese Art Knallköppe wohl in allen Klein- und Mittelstädten gibt, hat der Macher jeden Bezug zu einer bestimmten Stadt weggelassen. Und stattdessen universelle Geschichten kreiert. Stories, die so oder so ähnlich in nahezu jeder deutschen Klein- oder Mittelstadt spielen könnten.

Weil es diese Art Platzhirsche wohl in jedem Städtchen gibt, wurden es ganz universelle Geschichten

Schon die Fülle an Episoden nötigt Profis Respekt ab: eine einzelne Ausgangslage auf so vielfältige Weise immer wieder neu und thematisch anders zu verwerten.

Im Kern ist es das, was erfolgreiche Sitcom-Formate ausmacht, ganz gleich ob sie Big Bang Theory heißen, Frasier oder Cheers: aus ein und der selben Grundsituation Dutzende, Hunderte eigenständiger Geschichten zu generieren.

Da spiegelt sich wider, dass der Macher sein erzählerisches Handwerk beim großen amerikanischen Sitcom-Meister Danny Simon gelernt hat, bei dem auch schon Woody Allen in die Schule ging.

Die besten der bislang achtzig Episoden hat der Serienmacher jetzt ausgewählt und für den satirischen Adventskalender komplett refurbished in Form gebracht. Insgesamt 24 Motive, für jeden Tag der Vorweihnachtszeit eine. Plus das Opener-Motiv oben im Bild, das den satirischen Adventskalender selbst zum Thema hat.

Zu sehen sind sie dort, wo Kultur und Feingeist ein temporäres Zuhause haben in Minden: im Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19. Jeden Tag eine neue Episode – bis zum großen Finale am Tag des Heiligen Abends. Einfach lachhaft, versprochen.

Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten decken sich mit denen des wineroom, dem Popup-Wine-Store, der in der Vorweihnachtszeit das Angebot hochklassiger Weine in Minden erweitert. Und wenn vorbei? Dann vorbei.

Fotocomic-Serie Schattenparker

Motiv neben Motiv, Episode neben Episode: jeden Tag neue Geschichten, neue Pointen aus dem Lokalpolitiker-Leben der „Drei Schattenparker vom Rat“. Viel Vergnügen!

Motiv aus Comic-Serie

Fragt der Weiße links: „Kennt ihr die drei Hauptgründe für Politikverdrossenheit bei jungen Leuten?“ „Na klar!“, sagt der Blaue in der Mitte und zählt sie auf: „Du, ich und er rechts neben mir.“ „Heee! Was hab ich damit zu tun?“, protestiert der Dritte. Und offenbart in seiner Erläuterung: „Ich mach ja wohl alles richtig! Ich stimme immer genau so ab, wie es vorher ausgeklüngelt wurde.“

Gastgeber wineroom

wineroom – der Popup-Wine-Store im Herz der Stadt: Gastgeber für die Premiere des satirischen Adventskalenders. Mal schauen, wo es ihn im kommenden Jahr zu sehen geben wird. Und mit welchen – womöglich neuen – Episoden …

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wineroom
Der Popup-Wine-Store im Herz der Stadt

wineroom
Der Popup-Wine-Store im Herz der Stadt

Autor Edgar Wilkening
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Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

Digital gibt’s ihn schon lange, den wineroom: nämlich als Online-Weinmagazin. Und natürlich gab’s auch immer mal Überlegungen, das virtuelle Weinzimmer in die analoge Welt zu transformieren: als Wein-Bar, als Tasting-Club, als Seminar-Plattform …

Jetzt plötzlich ergab sich die passende Gelegenheit zum Schritt ins echte Leben. Im Erdgeschoss der Obermarktstraße 19, in der Das Herz der Stadt residiert, wollten die Eigentümer des Hauses während der Vorweihnachtszeit Gewerbe einziehen sehen. Schließlich die beste Zeit des Jahres im Einzelhandel. Und dazu eine der besten Gewerbeflächen, die in der Stadt zu haben sind.

Da mussten die wineroom-Macher nicht lange nachdenken: gesagt – getan.

Entstanden ist ein Weinladen auf Zeit – nämlich exakt bis zum 31. Dezember 2021. Punkt 18:00 Uhr am Silvesterabend ist Schluss. So eintagsfliegig die paar Wochen Lebensdauer auch scheinen mögen, das Sortiment steht dem der besten Weinläden in Berlin, Düsseldorf, München kaum nach.

„Regelrecht metropolisch“ nannte es neulich ein erfahrener Weinprofi, der aus Bremen zu Besuch war in Minden und sichtlich ins Staunen geriet angesichts der Namen. Frank John aus der Pfalz, Peter Jakob Kühn aus dem Rheingau, Schäfer-Fröhlich von der Nahe, Hanspeter Ziereisen aus Baden, Immich-Batterieberg von der Mosel – um nur mal ein paar deutsche Vertreter zu nennen.

Ein erfahrener Bremer Weinprofi nannte es "regelrecht metropolisch", das Sortiment im wineroom

Dazu Uwe Schiefer aus dem Burgenland, Manincor aus Südtirol, Chiara Condello mit Sangiovese aus der Emilia-Romagna, Barolo von Giulia Negri, Domaine de l’Horizon aus Frankreichs Südwesten, Champagner von Larmandier-Bernier – wow, allesamt Namen, die in den besten Adressen der Welt angeboten werden. Metropolisch? Da fühlen wir uns durchaus angemessen verstanden.

Jetzt also ein metropolisches Sortiment – auf Zeit! – in Minden, der heimlichen Hauptstadt der ostwestfälischen Provinz. Das ist in jeglicher Hinsicht ein spannendes Experiment.

Schon der Popup-Charakter ist für manchen schwer zu verstehen: „Warum nur so kurz? Warum nicht auf Dauer?“

Ganz simple Antwort: Dauerhaft würde bedeuten, man müsste auskömmlich davon leben können. Wenn wir einen metropolischen Weinladen machen wollen würden, um davon auskömmlich zu leben, dann wären wir klug genug, ihn genau dort zu eröffnen, wo ein metropolisches Sortiment auf ein metropolisches Publikum stösst – nirgendwo sonst.

Ich habe mein erstes Popup-Konzept vor zehn Jahren realisiert: „Die 7 Sünden“. Ein extrem konzept-basiertes, intellektuelles Restaurant, geöffnet für gerade mal eine Woche, 2011 in Hamburg, mitten auf St. Pauli. Es wurde quasi über Nacht zum angesagtesten Restaurant der Stadt mit langer Reservierungsliste, seitenweise Presse-Berichten und langen, ausführlichen Radio-Features, die das Konzept erläuterten. Kaum vorstellbar in Minden …

So schwer der Popup-Gedanke nachzuvollziehen ist, so schwer ist es offenbar auch beim Sortiment. Täglich sehe ich Menschen vor unserem Schaufenster stehen, die in Kopfschütteln ausbrechen und konsterniert weiterziehen.

Ja, da stehen – im übertragenen Sinne – Porsches, Bentleys und Ferraris im Fenster. Allerdings muss man in der Lage sein, sie zu erkennen. Wer Rotkäppchen nicht bloß für eine Märchenfigur hält, sondern auch für ein irgendwie akzeptables Genussmittel, tut sich da womöglich schwer.

Wer Rotkäppchen nicht bloß für eine Märchenfigur hält, tut sich womöglich schwer mit dem Sortiment

Aber es gibt auch die anderen. Menschen, die reinkommen und begeistert sind: „Ihr habt den Ziereisen im Sortiment? Ich hab über den gelesen und wollte ihn immer schon probieren!“ Oder: „Der Billecart-Salmon ist bei euch ja völlig okay im Preis, hab ich gerade gegoogelt.“ Stimmt. (Aber, Achtung: nur eine einzelne Magnum vorrätig.)

Gerade gestern kam ein Pärchen rein. Ich hatte die zwei schon eine ganze Weile beobachtet, wie sie vorm Fenster giggelten beim Lesen der Schilder, die ich zur Erläuterung der Weine aufgestellt habe.

„Wie lustig, die Schilder“, lachte die Frau beim Reinkommen. „So was habe ich ja noch nirgendwo gesehen. Wie toll, dass ihr Wein so originell, so niederschwellig erklärt.“ Die beiden ließen sich Weine, Anbaugebiete, Herstellungsweisen erläutern – und nahmen dann neugierig von allem etwas mit. Je origineller, desto besser. Wie schön – danke für den Besuch!

Auffällig: Fast alle, die den Laden betreten und Bons mit erheblichen Summen generieren – nahezu alle stammen aus anderen Städten, kaum jemand aus Minden. Das Pärchen oben: aus Hamburg. Jung, exzellente Bildung, aufgeschlossen, weltgewandt, oft internationaler Hintergrund. Sie sind entweder aus beruflichen Gründen kurz in der Stadt oder um Freunde zu besuchen.

Laufkundschaft, die zufällig am Laden vorbeiflaniert, angetan ist von der Auslage und dann ohne Berührungsängste den Laden betritt. Großartig: Kunden, die im wahrsten Sinne des Wortes kundig sind. Das ist auch für Händler ein Vergnügen.

Wie großartig: Kunden, die kundig sind – das ist auch für Händler ein Vergnügen

So wird der wineroom zum Schaufenster – im doppelten Sinne. Mit Auslage und Inszenierung zur Fußgängerzone, na klar. Aber eben auch: Schaufenster in eine metropolische Welt da draußen, die jeden Tag ganz real existiert.

Ein Schaufenster mit Blick auf Märkte, Entwicklungen und Trends jenseits der eigenen Stadtmauern. Ausblick auf das, was sich in der Welt bewegt und was die Welt bewegt – sofern man sie sich größer als den eigenen Horizont vorstellt.

Eine Welt in rasantem Wandel. Heute noch da, morgen schon weg. Jedem Anfang wohnt das Ende schon inne. Kaum irgendwo zeigt sich das deutlicher als bei Popup-Konzepten. Ein Grund mehr, sich die Nase plattzudrücken am Schaufenster und einen Blick hineinzuwerfen – solange es das Fenster noch gibt.

Der Popup-Wine-Store wineroom in der Obermarktstraße 19, Minden ist werktäglich geöffnet bis zum 31. Dezember 2021. Der Store wird betrieben von der Amon & Wilkening Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), deren Gesellschafter und Geschäftsführer Edgar Wilkening ist.

Rotwein-Regal im wineroom

Große Namen, große Weine. Ein solch „metropolisches“ Sortiment ist in Städten wie Berlin, Düsseldorf, Hamburg ganz normal. 

Besucherin fotografiert Kunst von Bärbel Langner

Überall Urkunden, Zertifikate, Awards, die die Kompetenz von wineroom-Macher Edgar Wilkening widerspiegeln: „Endlich kommt der ganze Plunder mal zum Einsatz.“

Weihnachtswald im wineroom

„Drauß‘ vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es wein-achtet sehr.“ Mehr als ein Dutzend Tannenbäume illuminieren feierlich den wineroom. (Vielen Dank für die herrlich frischen, duftenden Tannen an Sascha Bode von der S. Bode GmbH & Co. KG in Porta Westfalica!)

Rahmenwand mit Gedankenzetteln und Inspirationen

Die Rahmenwand im Herz der Stadt hat schon manchen Künstler zu kreativen Höchstleistungen herausgefordert. Wir nutzen sie, um unsere schönsten Werke zu zeigen.

Aufmerksame Leserinnen der Gedankenzettel von Bärbel Langner

„Schenk ein – und lass uns anderer Meinung sein!“ Unser kleiner Beitrag zu mehr Debattenkultur in Deutschland.

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Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

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Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Autor Edgar Wilkening

Von
Edgar Wilkening

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Die von Nazi-Deutschland organisierten Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger im November 1938, sie fanden – natürlich – auch in Minden willfährige Täter und Mitmacher. Die Reichspogromnacht hat bei den seinerzeit in der Stadt lebenden Juden nachhaltig für Angst und Schrecken gesorgt – und für massive wirtschaftliche Schäden.

Das Haus Obermarktstraße 19, in dem Das Herz der Stadt aktuell residiert, wäre wohl ebenfalls ein Kandidat für die Ausschreitungen des volksdämlichen Pöbels gewesen. Denn 1938 befand sich das Gebäude mit dem Lebensmittelgeschäft im Besitz des jüdischen Bürgers Bruno Lilienthal.

War dem nationalsozialistischen Mindener Mob das womöglich entgangen? Hatte man gar Gnade vor Unrecht walten lassen? Wohl kaum …

Es steht zu vermuten, dass der Grund, warum das Haus Obermarktstraße 19 in dieser Nacht von Angriffen verschont blieb, einzig darin bestand, dass Bruno Lilienthal sein Kolonialwarengeschäft ohnehin schon aufgegeben hatte. Und der Lebensmittelladen im Erdgeschoss seit Anfang der 1920er Jahre von der aus Hattingen an der Ruhr stammenden Heinrich Hill AG betrieben wurde.

Ein „deutscher“ Händler mit einem „deutschen“ Geschäft – das dürfte der einzige Grund sein, warum die Obermarktstraße 19 die Mindener Brand- und Brandschatzung-Nacht der Nazis ungeschändet und ungeplündert überstanden hat.

Nichtsdestotrotz: Als neue Eigentümer des Objekts fühlen sich der Autor und seine Lebensgefährtin, die Mindener Architektin Astrid Engel, der Geschichte des Hauses verpflichtet.

2021 jährte sich die Reichspogromnacht zum insgesamt 83. Mal. Aber für uns war es der erste Jahrestag während unserer Eigentümerschaft. Das haben wir zum Anlass genommen, eine ganz besondere Form des Gedenkens an diesen Tag zu zelebrieren.

Entstanden ist ein ungewöhnlich eindringliches Video, das im Schaufenster des Hauses rund um die Uhr lief, vom Vormittag des 9. November 2021 bis zum Mittag des Folgetages.

Ein Film, der die typischen Medienklischees des Historischen (Schwarz-Weiß-Optik etc.) ganz bewusst vermeidet und statt dessen mit neuer, eigenständiger Ästhetik versucht, die Schrecken der November-Nacht 1938 spürbar werden zu lassen.

Nüchtern betrachtet zählt das 100-Sekunden-Video die Orte der Angriffe auf und benennt die Straßennamen und Hausnummern, an denen der Nazi-Mob wütete.

Eindringlich wird es dadurch, dass nahezu alle der Adressen auch heute noch existieren. Kampstraße, Simeonstraße, Ritterstraße, Bäckerstraße: vertraute Namen für jeden, der die Mindener Innenstadt kennt. Und allesamt Orte, die in Fußweite der Obermarktstraße liegen – quasi gleich um die Ecke.

Trotz dieser nüchtern wirkenden Aufzählung entwickelt das Video eine erschreckend beklemmende Atmosphäre. Zum einen durch das spektakuläre Motion Graphic Design, das schon im farblichen Erscheinungsbild die Anmutung von Brand und Bedrohung vermittelt. Zum anderen durch die kongeniale Kombination mit Musik und Sound Effects.

All das wirkt so zeitgemäß im Look, so ganz und gar nicht altbacken oder gestrig, sondern jetzig und „netflixig“, dass die vor mehr als achtzig Jahren geschehenen Ereignisse bedrückend nah und verblüffend aktuell wirken. Regie, Editing, Musik: Da waren offenbar Meister am Werk – bei allen beteiligten Gewerken.

Das ist ganz typisch für Teams, die Medienmacher Edgar Wilkening für seine Projekte ins Studio ruft: international arbeitende Hochkaräter, die ihr Handwerk verstehen und sich leidenschaftlich begeistern lassen für die Aufgabenstellungen des Regisseurs. Sicher einer der Gründe, warum seine Arbeiten immer wieder in internationalen Wettbewerben dabei sind und seit Jahrzehnten mit Awards prämiert werden.

Gerade weil der Ton für die bedrückende Stimmung des Films so elementar ist, ist es schade, dass das Video vom 9. zum 10. November im Schaufenster hinter Glas lief – ohne Ton. Für den Jahrestag 2022 werden wir da sicher eine andere technische Präsentations-Plattform schaffen, um das Video einem größeren Publikum zu zeigen.

Bis dahin zeigen wir den Film hier im Stream. Als einzige Web-Plattform hat Das Herz der Stadt das Recht erhalten, das Video öffentlich zu zeigen. Ich empfehle, den Ton laut zu drehen und die Darstellung im Vollbild-Modus einzuschalten. Wider das Vergessen!

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Stadtspaziergang mit Astrid Engel: Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

Stadtspaziergang mit Astrid Engel:
Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

Stadtspaziergang mit Astrid Engel:
Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

Stadtspaziergang mit Astrid Engel:
Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

Kennen Sie den Raum da oben im Bild? Wenn nicht: gar keine Schande. Die wenigsten Mindener wissen von diesem prächtigen Saal. Und noch weniger haben ihn je zu Gesicht bekommen.

Dabei gehört er uns allen! Allen Mindener Bürgern. Und ist erst vor wenigen Jahren aufwändig saniert worden. Wiederum mit öffentlichen Geldern. Nämlich mit Spenden der örtlichen Sparkasse.

Ein Raum mit pompöser Ausstattung, von fast schon barocker Opulenz – mitten in der Stadt. Und trotzdem irgendwie unsichtbar. Seine Heizungsanlage, seine Belüftung – als sie entstanden, waren sie technisch führend. Die Wandgemälde: Auftragsarbeiten, gestaltet von namhaften Künstlern ihrer Zeit.

Und trotzdem kennt kaum jemand diesen Raum? Geschweige denn, dass er konsequent für öffentliche Veranstaltungen genutzt oder angeboten würde. Ein Jammer! Und damit ganz typisch für Minden: überall Potenziale in der Stadt, die ungenutzt rumliegen. Fast könnte man meinen, es wäre politisches Kalkül dahinter …

Überall ungenutztes Potenzial: Man könnte meinen, es steckt politisches Kalkül dahinter

Auch ich werde hier nicht verraten, um was für einen Saal es sich handelt oder wo er sich befindet. Diese Details zu enthüllen gebührt Architektin Astrid Engel. Denn der Raum ist eine der Stationen ihres Stadt-Spaziergangs „Als in Minden die Korken knallten: Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte“.

Es ist ein Stadtrundgang der ganz besonderen Art. Man kann ihn nicht kaufen. Nirgendwo. Nicht mal da, wo Stadtführungen verkauft werden. Er wird exklusiv nur von Astrid Engel angeboten. Und man kann ihn nur geschenkt bekommen.

Am vergangenen Sonntag bekam Das Herz der Stadt ihn geschenkt. Besser gesagt: gut zwei Handvoll Mindener, die an dem Rundgang teilnahmen, der im Herz der Stadt begann und endete.

Ein amüsanter Sonntagnachmittag mit verblüffenden Einblicken. Denn nicht nur der Saal dort oben ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch viele der spektakulären Feste und Feiern, die in der Weserstadt mal stattgefunden haben, spielen im öffentlichen Bewusstsein kaum eine Rolle mehr.

Angesichts der heutigen Trostlosigkeit, die von einer verkalkten politischen Kaste in Minden kultiviert wird, kaum zu glauben: Es gab Zeiten, in denen die Weserstadt so bedeutend und voller Anziehungskraft war, dass Menschen aus ganz Europa kamen, um hier bedeutende Ereignisse mit allem Pomp zu zelebrieren.

Angesichts der heutigen Tristesse, die von einer verkalkten politischen Kaste kultiviert wird, fast nicht zu glauben

Von wegen „kniepige Ostwestfalen“! Bei manchen Festen flossen Milch und Honig in Strömen – oder was zur jeweiligen Zeit gerade die angesagten Preziosen waren. Dazu Gesottenes und Gebratenes im Überfluss. Sogar edle Eiscreme wurde vor Jahrhunderten schon extra herangeschafft.

Welche Feste es waren im Laufe von tausend Jahren Stadtgeschichte, welche Anlässe es gab und wie manche Feier aus dem Ruder lief – auch über diese Details schweigt sich der Autor hier aus. Aber schon mal gehört von der „Weltausstellung“, die in Minden stattfand?

Tour-Guide Astrid Engel hat Wochen dazu recherchiert, Quellen studiert und Zusammenhänge ergründet. All das Spannende, das sie herausgefunden hat, erzählt sie ihrem Publikum während des exklusiven Rundgangs.

Gut zweieinhalb Stunden nach dem Start der Tour kehrten die Teilnehmer zurück ins Herz der Stadt. Und siehe da: Dann gab es auch dort tatsächlich noch etwas zu feiern. Eine hochkarätige Magnum mit feinsten Bubbles von der Loire wartete auf die Stadtwanderer, sie zu erquicken.

Und so knallten die Korken in tausend Jahren Stadtgeschichte an diesem Tag ein weiteres Mal in Minden. Genau dort, wo das Leben, das Feiern und der Austausch nach unserer Meinung hingehören: mitten im Herzen der Stadt. Vielen Dank an alle, die dabei waren. Es war uns ein Fest!

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Aus Liebe zum Leben Kunst von Bärbel Langner

Aus Liebe zum Leben
Kunst von Bärbel Langner

Aus Liebe zum Leben
Kunst von Bärbel Langner

Aus Liebe zum Leben
Kunst von Bärbel Langner

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

„Ich bin so glücklich, solch einen Raum nutzen zu können, um mich und meine Werke zu präsentieren“, sagt Bärbel Langner während der Vernissage zu „Aus Liebe zum Leben“. Es ist ihre erste große Einzelausstellung, denn frühere Ausstellungen fanden fast immer in Gemeinschaft mit anderen Künstlern statt.

Klingt ein bisschen nach „Traum wahr geworden“. Und darüber freuen auch wir uns als Macher von Das Herz der Stadt: dass unsere temporäre Pop-up-Fläche so viel Glück verbreitet.

Bärbel Langner arbeitet seit etwa zwei Jahrzehnten mit Acryl: gepinselt, gestrichen, gespachtelt. Und sie hat ein Faible für Großes: große Themen, große Formate. Die größten Werke der Ausstellung kommen auf Abmessungen von immerhin Eins-Zwanzig mal Eins-Zwanzig. Und tragen Titel wie „Gedankenspiele“ oder „Leben bedeutet Veränderung“.

Bärbel Langner hat ein Faible für Großes: große Themen, große Formate

Allen Bildern gemeinsam ist, dass sie einladen zum Geschichten erzählen. Genau so möchte die gebürtige Ulmerin ihre Arbeit verstanden wissen.

Deshalb hat sie allen Gemälden einen inspirierenden Begleittext zur Seite gestellt. Meist eigene Zeilen, bisweilen Zitate, zum Beispiel von Meister Eckhardt oder Marcus Aurelius. Es sind diese Texte, die die farbfreudigen Werke Langners noch mehr zum Klingen bringen.

Überhaupt: die inspirierenden Texte – sie sind auch am Rande der Ausstellung präsent, auf der vorinstallierten Rahmenwand von Das Herz der Stadt. Diese Fläche nutzt Bärbel Langner für „Gedankennotizen“, wie sie es nennt: Zitate, Denksprüche, Weisheiten – allesamt handgeschrieben auf festem, farbigem Karton.

Das Beste daran: Besucher sind eingeladen, Gedankennotizen ihrer Wahl kostenlos mitzunehmen. Und keine Angst bitte, eine Lücke zu reißen! Die Künstlerin wird die Rahmenwand immer wieder auffüllen mit neuen Inspirationen, neuen Texten. Großartige Idee, unsere Rahmenwand so zu nutzen.

Besucher sind eingeladen, die inspirierenden Texte kostenlos nach Hause mitzunehmen

Seit Anfang der Nuller-Jahre befasste sich Langner mit ihrer künstlerischen Ausbildung und hat dabei diverse Stationen absolviert. Heute ist sie selbst gefragte Ausbilderin und gibt ihr Wissen in VHS-Kursen und Workshops im eigenen Atelier weiter.

Das nächste Kurs-Angebot: ab Freitag 29.10.21, 17:00 Uhr bei der Volkshochschule Minden.

Die Ausstellung „Aus Liebe zum Leben“ im Herz der Stadt ist noch bis Dienstag, 9. November zu sehen. Öffnungszeiten: variabel. Feste Besuchstermine können vereinbart werden mit dem Ehemann der Künstlerin, Jens Langner, unter 0170.953 6463.

Vom Verkaufserlös der Werke während der Ausstellung gehen zehn Prozent als Spende an die Andreas-Gärtner-Stiftung – schöne Geste.

Mehr über Arbeit und Lebensweg der Künstlerin auf ihrer Webseite www.baerbel-langner.de.

Ehemann Jens Langner erläutert die Ausstellung

Tolles Team: Bärbel Langner und ihr Mannager – in diesem Fall ausdrücklich mit augenzwinkerndem Doppel-„n“ geschrieben – Jens Langner.

Besucherin fotografiert Kunst von Bärbel Langner

Definitiv instagramable: Bärbel Langners Werke sind auch in digitaler Abbildung lebensfrohe Hingucker. Oder wird das hier das neue Hintergrundbild im Homescreen?

Plastische Kunst inspiriert Publikum zu Gesprächen

Gerade auch die plastischen Acryl-Arbeiten von Bärbel Langner wirken beim Publikum als anregende Gesprächsaufhänger.

Rahmenwand mit Gedankenzetteln und Inspirationen

Die Rahmenwand im Herz der Stadt clever genutzt: Bärbel Langner hat „Gedankennotizen“ mit inspirierenden Texten erstellt und in den Rahmen platziert – ausdrücklich mit der Aufforderung „Bitte mitnehmen!“

Aufmerksame Leserinnen der Gedankenzettel von Bärbel Langner

Inspirieren lassen und mitnehmen, wenn man einen der Texte am Herzen tragen oder bei sich daheim aufhängen möchte.

Kartenkorb mit Motiven von Bärbel Langner

Wenn alle Räume schon mit Kunst gefüllt sind, ist immer noch Platz für ein oder zwei Grußkarten. Einige der schönsten Arbeiten von Bärbel Langner direkt zum Mitnehmen.

"Zu vermieten"-Plakat am Objekt Obermarktstraße 19, Minden

Deutlicher Hinweis: Ausstellungen, Kunst, Kultur im Herz der Stadt sind nur ein kurzes Glück – ein temporäres Vergnügen. Denn all das findet statt auf einer gewerblichen Leerstandsfläche. Sobald ein*e Gewerbetreibende*r die Fläche übernimmt, ist Das Herz der Stadt aus dieser Fläche verschwunden. Don’t miss it!

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„Giulia – Beauty of My Life“ Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

„Giulia – Beauty of My Life“
Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

„Giulia – Beauty of My Life“
Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt
Vielen gilt sie als schönstes Automobil, das jemals gebaut wurde: die Giulia von Alfa Romeo. Entwickelt Anfang der 60er des letzten Jahrhunderts, gebaut bis in die 70er. Die erste familientaugliche Sport-Limousine der Welt. Damit, so erzählen sich Alfisti, wurde sie zum Vorbild für die erst Jahre später aufgelegte GT-Serie des VW Golf.

Dass der italienische Automobilbauer seit 2016 wieder ein Modell im Sortiment hat, das den legendären Namen Giulia trägt, belegt die Strahlkraft, die die alte Dame auch heute noch hat.

Auch für Dr. Holger Grüne. 2016 erwarb der promovierte Biologe bei einer Messe in Mailand eine Giulia Super 1.3, Baujahr 1972. Mit dem Kauf seines Traumautos begann für ihn eine arbeits- und überraschungsreiche Zeit. Denn Grüne war entschlossen, das Schätzchen möglichst selbständig wieder auf Vordermann zu bringen.

Jeden einzelnen Arbeitsschritt, jede Überraschung beim Zerlegen akribisch in Fotos festgehalten

Zunächst für eigene Dokumentationszwecke hielt Grüne jeden einzelnen Arbeitsschritt fest. Am Ende ergab sich daraus eine spannende Geschichte. Denn der Weg vom bedauernswerten Ursprungszustand zum topsanierten Schätzchen war voller Überraschungen, Erlebnisse, Eigenheiten – und eben doch nicht ganz allein zu schaffen.

Ein über neunzigjähriger Alfisti-Schrauber wurde zum Glücksfall für Grüne. Denn der alte Herr hatte nicht nur jede Menge Erfahrung, wie man mit der alten Sport-Dame umzugehen hatte. Er verfügte auch über eine nicht mehr restaurationsfähige Giulia, aus der manches Teil den Weg in Grünes Schätzchen fand.

Am Ende sogar ein „neuer“ alter Motor. Denn die Spender-Giulia verfügte über einen 1.6-Benziner, der der höheren Leistung wegen angepasst und eingebaut wurde. So dass heute zwar stolz 1.3 am Heck von Grünes Giulia prangt – tatsächlich ist sie aber mit 1.600 ccm unterwegs.

Der Besuch der alten Dame: die restaurierte Giulia war während des Vortrags vor Ort

All das schilderte Grüne in seinem Vortrag so lebendig, so detailreich und mit so vielen Fotos – für den Autor fühlte es sich beinah an wie ein Kompaktkurs zu Fahrwerk-Aufhängung, Querlenkern und Ventiltechnik bei historischen Automobilen.

Zwar fanden an diesem Abend nur wenige Zuhörer den Weg in die Obermarktstraße 19 – die aber erweisen sich als ausgebuffte Giulia-Fans. Da wurde leidenschaftlich gefachsimpelt, nachgefragt, diskutiert und Wissen ausgetauscht.

Zumal das Objekt aller Gespräche direkt vor Ort zu erleben war. Grüne hatte es sich nicht nehmen lassen, aus seinem Heimatort Lörrach mit der restaurierten Giulia anzureisen. Vielen Dank für den tollen Vortrag – und den grandiosen Besuch der alten Dame!

Laudator Heinrich Kleine
Verschnaufpause für die alte Dame: Die Giulia hatte den weiten Weg aus dem badischen Lörrach bis nach Minden tadellos hinter sich gebracht. Sogar eine Autowäsche war noch drin, bevor es dann hieß: Showtime!
Bilder von Henning Christiansen mit Betrachterin
Der erste Weg von Dr. Holger Grüne nach dem Erwerb der Giulia führte zum Centro Documentazione Alfa Romeo, wo über alle je gebauten Giulia und ihre Ausstattung Buch geführt wird. Orientierungspunkt für die spätere Sanierung.
Bilder von Til Mette in Ausstellung
Die Präsentationstechnik im Herz der Stadt überzeugte durch knackig klares Großformat mit knapp vier Metern Bilddiagonale. Das macht Lust auf weitere bildgewaltige Vorträge.
Bilder von Til Mette in Ausstellung
Beim Besuch der alten Dame fanden zwar nur wenige Zuhörer den Weg in die Obermarktstraße 19. Die aber entpuppten sich als echte Hardcore-Fans. Und das Schätzchen selbst fand jede Menge Bewunderer bei allen, die zufällig vorbeiflanierten.
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