Der Bürgermeister erfindet Grundstücke für seine Halle. Und SPD und CDU jubeln dazu!

Der Bürgermeister erfindet Grundstücke für seine Halle.
Und SPD und CDU jubeln dazu!

Der Bürgermeister erfindet Grundstücke für seine Halle.
Und SPD und CDU jubeln dazu!

Autor Edgar Wilkening

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem neuen Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Man kann es als eine Art Statement des Landes NRW lesen: Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) plant ein veritables Luftschloss am Rechten Weserufer.

Vorige Woche erst präsentierte Mindens oberster Dienstherr voller Stolz den „LoI“ zur geplanten Multifunktionshalle, an dem er und seine Mannschaft jahrelang gefeilt haben.

„LoI“, dieses Kürzel übersetzt der Bürgermeister gerne mit „Letter of Intent“. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich wohl eher als „Lachnummer ohne Integrität“.

Dass das ganze Ding zusammengeschludert ist in einem Umfang, der zum Himmel schreit, hatten wir hier schon festgestellt.

Aber es kommt noch dicker. Nämlich dann, wenn man die Angaben in Jäckes „LoI“ mal vergleicht mit offiziellen Katasterdaten des Landes Nordrhein-Westfalen im GEOportal NRW.

Dann stellt sich raus: Der Bürgermeister plant die Multihalle auf Grundstücken, die es gar nicht gibt – nicht in Minden, nicht in NRW und nicht auf diesem Planeten.

Glauben Sie nicht? Verstehe ich. Wenn ich’s nicht selbst gesehen hätte – so viel Doofheit würde ich auch nicht für möglich halten.

Aber die Tatsachen – und nur an die halten wir uns – sprechen eine deutliche Sprache.

„Die Stadt Minden sorgt für die Sanierung des Grundstücks ‚rechtes Weserufer’ auf folgenden Flurstücken des ehemaligen Geländes der Bahn (…) Altstandort ehem. Güterbahnhof: Flur 43, Flurstücke 56, 57, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 70, 85, 86 und überlässt es zur Bebauung (…).“

Quelle: “Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta”, Version “MFH Minden – LOI Final 30.08.21”

Entscheidend sind hier die „Flur 43“ und darin die beiden Flurstücke „85“ und „86“.

Die wollen wir uns genauer ansehen – und zwar mit Hilfe des offiziellen Liegenschaftskatasters des Landes NRW, das jedermann hier aufrufen kann.

Ich habe das schon mal vorbereitet: unten ein Screenshot, der die gesamte „Flur 43“ mit all ihren Flurstücken zeigt.

Die Grenzen der Flur sind mit einer gestrichelten lila Linie markiert. Die einzelnen Flurstücke haben schwarze Linien und sind mit kursiven Zahlen nummeriert.

Und jetzt beginnt der spaßige Teil!

Suchen Sie in diesem herrlichen Wimmelbild mal die beiden Flurstücke mit den Zahlen „85“ und „86“.

Flur 43 in Minden

Quelle: Screenshot von GEOportal.NRW / Themenkarten / Liegenschaftskataster des Landes NRW, das Sie hier aufrufen können. (Visuelle Hervorhebung der „Flur 43“ in dieser Grafik durch den Autor.)

Je länger Sie suchen, desto peinlicher für Bürgermeister Michael Jäcke.

Denn die schlichte Wahrheit ist: In der „Flur 43“ gibt es gar keine Flurstücke „85“ und „86“. Der Bürgermeister und seine Vasallen haben sie schlichtweg erfunden.

Es offenbart ein weiteres Mal die anscheinend grenzenlose Arroganz oder wahlweise Inkompetenz der Administration Jäcke.

Was haben wir nicht schon alles erlebt? Mal wurden städtische Grundstücke am Rampenloch unter vollkommen falschen Vorzeichen entwickelt, um sie am Ende einer SPD-Genossin zuschanzen zu können. Mal scheiterte man an der Inbetriebnahme eines schlichten Brunnens am Wesertor. Mal verrechnet sich ausgerechnet das Rechnungsprüfungsamt ausgerechnet beim Rechnungsprüfen. Mal bucht der Kämmerer hemmungslos in seinen Bilanzen hin und her. Und und und …

Jetzt also: erfundene Grundstücke. Zugegeben: In einer angrenzenden Flur gibt es Flurstücke mit den Zuordnungen „85“ und „86“. Aber Tatsache ist: Von dieser angrenzenden Flur ist im „LoI“ ausdrücklich nicht die Rede.

Und was sagt die Politik dazu? Die spendiert wie immer, wenn’s um Törichtes, Schlampiges oder sonstigen Unfug geht, bereitwillig Applaus.

Kaum lag der „LoI“ auf dem Tisch, meldeten sich hochrangige Vertreter von SPD und CDU zu Wort, und verkündeten, dass sie dem Papier am kommenden Donnerstag im Stadtrat gerne den offiziellen Segen geben werden.

Darauf kann ein Bürgermeister vom Format eines Michael Jäcke vertrauen: zuverlässige Polit-Vasallen, die stets zur Stelle sind, wenn falsche Papiere und andere Dämlichkeiten abgesegnet werden müssen, für die die Bürger bezahlen.

Ich bin oft gefragt worden, ob ich eigentlich grundsätzlich gegen eine Multifunktionshalle sei. Nein, bin ich nicht.

Aber ich bin kategorisch dagegen, dass Projekte dieser Größenordnung nicht von den Klügsten einer Stadt geplant werden, sondern von Dussels und Schlampigen.

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Der „Letter of Intent“ zwischen Melitta und Stadt Minden zur geplanten Multihalle: Hier die Details!

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HINWEIS: DIESER TEXT WURDE ÜBER DEN GESAMTEN TAG (31.08.2021) LAUFEND AKTUALISIERT UND ERGÄNZT

Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening.


Dieser Beitrag ist der erste, der live vor Publikum in der „O19“, dem neuen Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19, entstanden ist.

Er hat es geschafft! Mindens Bürgermeister Michael Jäcke hat es hingekriegt! Pünktlich zur Ratssitzung am 9. September 2021 liegt der lange versprochene „Letter of Intent“ (LoI) zwischen der Stadt Minden und Melitta vor.

Gestern ging die Version „MFH Minden – LOI Final 30.08.21“ mit insgesamt vier Seiten Umfang als docx-Datei an die Fraktionsvorsitzenden im Mindener Rat.

Die meisten Ratsmitglieder, die in gut einer Woche darüber abstimmen sollen, dürften den Inhalt des Letter of Intent in diesem Moment vermutlich noch gar nicht kennen oder gesehen haben.

Eigentlich sollten die vier Seiten DIN A4 nach eigener Planung des Bürgermeisters schon im Frühsommer vorliegen.

Daraus wurde nix, wie Jäcke in den letzten Ratssitzungen immer wieder zähneknirschend einräumen musste: Es sei einfach noch viel zu viel zu tun und zu besprechen – deshalb sei sein eigener Zeitplan aus dem Takt geraten.

Nun denn: Hat sich das Warten gelohnt? Ist es der verheißene große Wurf geworden? Wurde der gordische Knoten rund um Kosten und Rechte der Multifunktionshalle in den Sommermonaten gelöst? Oder ist es am Ende doch der Rohrkrepierer, den viele diesem Bürgermeister zutrauen?

Damit alle Mindener Bürger sich ein Bild machen können, was da ausgeheckt wurde, werden wir hier die wesentlichen Punkte des Papiers vorstellen.

Und zwar Stück für Stück: Dieser Artikel wird über den gesamten heutigen Tag laufend aktualisiert und erweitert. Aktuell lesen, analysieren und bewerten wir das Papier – alles gleichzeitig. Und werden alle wichtigen Erkenntnisse möglichst zeitnah zur Verfügung stellen.

Es lohnt sich also, diese Seite in einem separaten Tab offen zu halten und ab und zu refresh zu drücken.

Überschrieben ist das Ganze mit „Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta, (gemeinsam im Folgenden ‚Parteien‘)“.

Es folgt eine halbseitige Präambel, die im Wesentlichen Lobhudeleien über die erhofften Auswirkungen der geplanten Halle enthält.

"Die Stadt Minden und die Unternehmensgruppe Melitta sowie weitere Unternehmen der Mindener Wirtschaft sind sich, wie auch in früheren Finanzierungszusagen zum Ausdruck gebracht, einig über die elementare Bedeutung einer modernen Veranstaltungshalle für die Region, für die Entwicklung des rechten Weserufers und auch für den heimischen Handball-Bundesligisten GWD – aber vor allem für die Menschen dieser Stadt und der Region!"

Quelle: „Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta“, Version „MFH Minden – LOI Final 30.08.21“ 

Wo diese „weitere(n) Unternehmen der heimischen Wirtschaft“ plötzlich herkommen und um wen es sich da konkret handeln soll: keine weiteren Angaben dazu. Auch im Kopf des LoI werden ja keine weiteren „Parteien“ benannt.

So diffus geht es weiter. Mit Blick auf die Kosten, auf die erst später im LoI eingegangen wird, mündet das schon auf der ersten Seite in das quasi religiöse Glaubensbekenntnis:

"Wir glauben fest daran, dass die Halle langfristig der Region Erträge liefern wird, die die Kosten dafür übersteigen werden."

Quelle: „Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta“, Version „MFH Minden – LOI Final 30.08.21“

Im unteren Viertel der ersten Seite wird dann die „Projektstruktur“ beschrieben.

Das Grundstück „rechtes Weserufer“ wird die Stadt zur Verfügung stellen und sanieren. Zwar werden die exakten Flurgrundstücke genannt. Ein Gegenwert für das Grundstück und seine Nutzung wird aber nicht beziffert – geradeso, als würde das, was die Stadt hier in das Projekt einbringt, keinen eigenen Wert haben oder kostenlos sein.

Man muss das wohl als Teil gezielten Schönrechnens des Gesamtprojekts werten.

Denn wenn hier keine Zahl beziffert wird für die Nutzung des Grundstücks, kann man das auch nicht in die Gesamtkosten des Projekts hineinrechnen – was unterm Strich eine insgesamt günstigere Kostensumme bedeutet, die man der Öffentlichkeit (und den Stadtverordneten) besser verkaufen kann. Clever getrickst, Herr Bürgermeister.

Oben auf Seite 2 wird dann das „PPP-Investorenmodell“ beschrieben. Und man staunt ja, dass man solche Kürzel kennt in Minden.

„PPP“ steht für Public Private Partnership, also für die wirtschaftliche Verquickung öffentlicher und privater bzw. unternehmerischer Interessen.

Ein Modell, das im Rahmen des globalen Turbo-Kapitalismus seit Beginn der Nuller-Jahre in vielen Kommunen Anwendung fand – selten zum Vorteil der Kommunen.

Im LoI geht es bei der Beschreibung des Modells schon jetzt konfus zu. Da ist plötzlich von einem „Investor“ die Rede, der Anteile erwerben soll an einer Projektgesellschaft, die ebenfalls „Investor“ genannt wird.

Wer dieser „Investor“ ist, bleibt unklar. Handelt es sich um Melitta? Die wurden doch bis hierhin noch als „Partei“ bezeichnet, oder „Partner“, aber nicht „Investor“.

Oder handelt es sich um den kurz vorher genannten „über ein Ausschreibungsverfahren ermittelten Investor“, der das Grundstück bebauen soll?

Investoren, die über ein Ausschreibungsverfahren gesucht werden? Donnerwetter, was es alles gibt in Minden! Scheinen ja Schlange zu stehen, diese Investoren.

Und was sagt eigentlich „Partei“ Melitta dazu, wenn plötzlich ein neuer „Investor“ ins Boot steigt?

So viel Unklarheit und diffuse Begriffsverwendung lässt ahnen: Auch diese PPP dürfte womöglich nicht zum Vorteil der Kommune ausgehen.

Immerhin bei einer Zahl wird es etwas konkreter in diesem Abschnitt:

"Erste Planungen und Kostenschätzungen lassen Kosten in Höhe von 40 Mio. € zzgl. USt. erwarten."

Quelle: „Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta“, Version „MFH Minden – LOI Final 30.08.21“

40 Millionen Euro? Kommt Ihnen die Zahl auch irgendwie bekannt vor? Sekunde! Ist das nicht die Summe, die schon vor mehreren Jahren im Zusammenhang mit dem Bau der Multifunktionshalle kolportiert wurde?

Und seitdem hat sich nix geändert? Keine Kostensteigerungen am Bau? Keine Preisanstiege im Baugewerbe? Man fragt sich, in welcher Welt der Bürgermeister lebt … Jedenfalls nicht im Hier und Jetzt offenbar.

Oder ist es eher so, dass man die Kostensumme schon immer ohne jeden Realitätsbezug geschätzt hat? Und da man weiß, dass das ganze Ding ohnehin viele Millionen teurer wird als je gedacht, kann man der Einfachheit halber gleich mit Uralt-Zahlen arbeiten? Wen juckt’s, solange der Bürger brav bezahlt.

Und täglich grüßt der Bürgermeister … Denn auch in einem weiteren Punkt hat sich nix geändert gegenüber früheren Versionen des LoI: Die Aufteilung der Kosten unter den beteiligten „Partnern“. Jawohl, hier sind keine „Investoren“ mehr im Spiel, auf Seite 2 unten heißt es ausdrücklich: „5. Finanzierung/beteiligte Partner“.

Die Stadt wird einen Betrag „i.H.v. € 10 Mio.“ einbringen. Die „Mindener Wirtschaft“ 7 Millionen Euro. Korrekt gelesen: Nicht der „Partner“ Melitta soll 7 Millionen beisteuern, sondern wieder ganz diffus „die Mindener Wirtschaft“.

Fehlen immer noch 23 Millionen Euro an 40. Wo kommen die her?

"Angestrebt wird weiterhin ein Investitionszuschuss des Kreises Minden-Lübbecke i.H.v. € 14,5 Mio."

Quelle: „Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta“, Version „MFH Minden – LOI Final 30.08.21“

Logisch – der Kreis braucht das Geld ja nicht für die Sanierung der Kampa-Halle.

Und was dann noch fehlt, die verbleibenden 8,5 Millionen Euro, wird einfach „durch Bankdarlehen“ gedeckt. Na klar, so kommt jeder Bauherr auf 40 Millionen.

Aber mal im Ernst: Was genau ist daran neu? All diese Zahlen, auch deren Aufteilung in genau diesen Größenordnungen – all das steht seit Jahren in früheren Versionen des LoI.

Was also hat der Bürgermeister die ganze Zeit gemacht? Woran hat er so lange gewerkelt? Warum musste er seinen eigenen Zeitplan zur Vorlage des Letter of Intent über den Haufen werfen? Alles was jetzt auf dem Tisch liegt, war doch gestern schon Schnee von vorgestern.

Zwischenfrage: Sind Kreis und Stadt eigentlich vorsteuerabzugsberechtigt? Ansonsten passen die Summen da oben nämlich schon jetzt vorne und hinten nicht zusammen – denn sie sind ja ausdrücklich zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer in Höhe von (aktuell) 19 % geschätzt.

Bei Netto-Baukosten von 40 Millionen machen 19 Prozent immerhin 7,6 Millionen Euro. Die fehlen schon jetzt in der Milchmädchen-Rechnung des Bürgermeisters.

Wer wird den Fehlbetrag denn zahlen? Der Bürgermeister aus seiner Pension? Die „Gemeinnützige Michael-Jäcke-Stiftung für sportlich kalkulierte Sporthallen“?

Dieser Letter of Intent ist so zusammengeschludert – er wirft deutlich mehr Fragen auf als er zu beantworten vorgibt.

Noch ein paar weitere Eckdaten: Die Bauzeit der Halle soll nicht länger als zwei Jahre dauern. Die Kampa-Halle soll mit Eröffnung der Multihalle geschlossen werden für Veranstaltungen. Der Letter of Intent hat für keine der beiden Seiten rechtliche Bindung – also noch weniger für „Investoren“ oder „die Mindener Wirtschaft“.

Und dann der entscheidende Punkt: die eventuellen, also jetzt schon sicheren Kostensteigerungen. Dieses Thema wird als letzter Punkt des LoI auf Seite vier im oberen Drittel behandelt.

Falls vor Baubeginn absehbar sein sollte, dass der Kostenrahmen von 40 Millionen Euro nicht ausreichen sollte – was faktisch heute schon der Fall ist –, wollen die „Parteien“ versuchen eine Verständigung über die Anpassung der Projektausführung (faktisch also ein Downgrading der Halle) oder der Finanzierungsstruktur (faktisch also mehr Geld bezahlen) verständigen.

Und dann der letzte Satz im LoI, der im Grunde schon ab heute gültig ist:

"Können sich die Parteien nicht binnen von 6 Monaten über eine Budget- bzw. Projektanpassung verständigen, so gilt das Projekt sowie dieser Letter of Intent als beendet."

Quelle: „Gemeinsame Absichtserklärung (Letter of Intent), 1. Der Stadt Minden, 2. Der Unternehmensgruppe Melitta“, Version „MFH Minden – LOI Final 30.08.21“

Eine Budget- oder Projektanpassung ist so sicher wie die nächste Kommunalwahl im Jahr 2025. Warum spricht man also nicht schon heute über diesen Punkt?

Nochmal: Was hat der Bürgermeister die ganzen Monate gemacht außer Urlaub und grinsende Gesichter?

Was sind das für blutige Amateure, die so etwas Hingeschludertes allen Ernstes den Ratsmitgliedern zur Entscheidung vorlegen?

Denn die sind am 9. September jetzt mächtig in der Bredouille: Friss oder stirb!

Entweder sie segnen dieses Uralt-Machwerk ab – und machen sich damit mitschuldig, jeder einzelne!, an einem Projekt, das schon jetzt alle Warnlampen knallrot aufleuchten lässt.

Oder sie lehnen das Machwerk ab: Dann ist das Projekt Multihalle in Minden wohl für immer gestorben.

Warum gibt man in Minden Projekte dieser Größenordnung immer wieder in die Hände von Dussels? Warum zieht man keine geeigneten Experten hinzu? Warum müssen am Ende immer die Bürger für derlei Unsinn bezahlen?

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DAS HERZ DER STADT LACHT HERZHAFT

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Früher war alles besser? Vielleicht nicht alles. Aber für waschechte Windelweich-Demokraten wie die drei Schattenparker offenbar doch so einiges …

Während man sich selbst gern exklusive Sonderrechte einräumt, sieht man es bei Bürgern gar nicht gerne, wenn die von verbrieften Rechten Gebrauch machen. Denn es nervt wie Sand im Getriebe …

Deshalb sollten mehr Bürger Gebrauch davon machen! „Das Herz der Stadt“ zeigt demnächst in Workshops und Praxis-Kursen, wie es geht, auf welche Rechtsgrundlage man sich berufen muss und worauf zu achten ist. So viel aktive Demokratie-und Teilhabe-Schulung muss sein. ♥

Foto-Comic "Die drei Schattenparker vom Rat" Episode #61

Mit freundlicher Genehmigung von comedy-story.de
© Alle Rechte bei: Edgar Wilkening, Minden an der Weser

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„Alternativen: keine“
O-Ton der Verwaltung Minden – und wieder die gleiche Signatur …

„Alternativen: keine“
O-Ton der Verwaltung Minden – und wieder die gleiche Signatur …

Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening.

„Hat er das wirklich so gesagt?“ Eine der häufigsten Reaktionen, die mich erreichten auf meinen Artikel über das „Monster von Minden“: die monströse Aufzug-Konstruktion für die Martinitreppe.

Hat er das wirklich so gesagt, der Beigeordnete für Städtebau Lars Bursian: dass diese Konstruktion „das Logischste“ und „das Einfachste“ ist? Beide Formulierungen ausdrücklich im Superlativ, um den Stadtverordneten quasi Alternativlosigkeit zu suggerieren?

Bei Das Herz der Stadt halten wir uns strikt an Wahrheit und Tatsachen. Deshalb schauen wir an dieser Stelle nochmal genau in die wortgetreue Niederschrift der Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen“ vom 23. Juni 2021, die wir hier vorliegen haben. Darin heißt es:

„Am Ende war es so, dass diese Variante einfach überzeugt. Und einfach das Logischste ist zum Thema Barrierefreiheit und das Einfachste."

Quelle: Lars Bursian, Baubeigeordneter der Stadt Minden in der Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung und Bauen“ am 23. Juni 2021 im Ständersaal des Preußenmuseums. Unverändertes Originalzitat.

Dass die Pläne keineswegs so quasi alternativlos sind, wie Mindens zweithöchster Bauherr es gerne suggerieren möchte, hatten wir hier schon unter Beweis gestellt – schlicht und einfach dadurch, dass wir zwei mögliche Alternativen vorgestellt haben.

Und Dutzende weiterer Alternativen sind denkbar!

Vorausgesetzt man ist es überhaupt gewohnt, in Alternativen zu denken. Aber genau das scheint in Mindens Verwaltung nicht sonderlich verbreitet oder wertgeschätzt zu sein.

Wir haben Dokumente gefunden, die belegen, dass in punkto Martini-Aufzug von amtlicher Seite offenbar schon seit Jahren dem „alternativlosen Denken“ gefrönt wird.

Schauen Sie mal unten: Ausschnitt aus der „Sitzungsdrucksache 201/2018“ der Stadt Minden, erstellt mit Datum vom 26. November 2018 für die Sitzung des „Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr“ am 5. Dezember 2018. Es macht einen sprachlos, wenn man das liest …

Sie sind der gleichen Meinung wie der Autor? Sie sind ganz anderer Meinung? Oder haben Sie weiterführende Infos zum Thema? Schreiben Sie es unten in die Kommentar-Spalte. Oder senden Sie dem Autor eine E-Mail an
ew@dasherzderstadt.de

Ausschnitt aus Sitzungsdrucksache Stadt Minden
Ausschnitt aus Sitzungsdrucksache

Quelle: „Sitzungsdrucksache 201/2018“ der Stadt Minden, erstellt am 26. November 2018 für die Sitzung des „Ausschuss für Bauen, Umwelt und Verkehr“ am 5. Dezember 2018. Oberer Ausschnitt von Seite 1; unterer Ausschnitt von Seite 3. Gelbe Hervorhebungen durch den Autor.

„Alternativen: keine“. Schon 2018 wurde also „alternativlos“ über den Fahrstuhl gesprochen – amtlich dokumentiert.

Es verdeutlicht auch: Hier ging es nie darum, eine kluge, eine sinnvolle, eine bestmögliche Lösung zu finden für ein Problem („Barrierefreiheit herstellen“). Es ging immer nur darum, dass irgendjemand unbedingt einen Fahrstuhl wollte.

Irgendwelche Alternativen dazu? Kategorisch ausgeschlossen! Schon das Denken darüber wird verweigert.

So viel Engstirnigkeit, so viel Borniertheit, so viel fußstampfendes „Ich will, ich will, ich will aber meinen Fahrstuhl, Menno!“ – das kann man ja für ostwestfälische Folklore halten. Aber es manifestiert letztlich den Stillstand: das immer weitere Abgehängtwerden der Stadt Minden im Wettbewerb mit anderen Städten.

Und schauen Sie mal, wer die Sitzungsdrucksache am Ende signiert hat und dafür verantwortlich zeichnet. Es ist immer wieder der gleiche Name, der auftaucht, wenn in Minden zweifelhafte politische Entscheidungen in Beton gegossen werden sollen.

Es ist genau diese Art alternativloses Denken, die die Administration Jäcke und insbesondere den Fachbereich Bauen/Stadtentwicklung auszeichnet.

Dieser fehlende Wille, Alternativen überhaupt in Erwägung zu ziehen: Er zeichnete schon die Neuplanung des Areals am Rampenloch aus, wo der Baubeigeordnete vom ersten Tag an „Wohnen“ proklamierte – ohne Alternativen, die einen deutlich höheren Nutzen für die Stadt hätten stiften können, überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Keinerlei Alternativen zu bedenken – das offenbart ein fatales, ein gefährliches Mindset, das die Bürger viel Geld kosten dürfte. Denn die gewaltigen Zukunftsaufgaben, die der Stadt bevorstehen, lassen sich so kaum bewältigen – erst recht nicht wirtschaftlich.

Der aktuelle Vertrag des Baubeigeordneten, der 2015 für acht Jahre bestellt wurde, läuft 2023 aus.

Höchste Zeit, in Minden endlich in klugen Alternativen zu denken. In jeder Hinsicht.

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„Die drei Schattenparker vom Rat“ feiern ihren 60sten! Gratulation: schon die sechzigste Episode, die entstanden ist auf Basis eines einzelnen, ungeplanten Schnappschusses.

Eigentlich sollte es ja alles nur ein kleiner Jux sein: dieser Schnappschuss und ein paar Sprechblasen dazu. Aber irgendwann verselbständigte sich das Ganze zur fortlaufenden Serie.

Denn die Fallhöhe im Motiv ist wirklich zu schön: die Autos von drei Stadtverordneten während einer Ratssitzung – und alle drei haben ihre Gefährte dummdreist abseits der offiziellen Parkfläche ins Gebüsch geparkt.

Deutlicher kann man den Bürgern nicht zeigen, was man als gewählter Vertreter von Ordnung, Sachverstand und Bürgerrechten hält. Danke für diese Offenbarung!

Deswegen wird die Serie auch immer weiter wachsen. Stand heute sind die nächsten fünf Motive schon fix und fertig und auf Vorrat zur Veröffentlichung in die Zeitschleife gelegt. Und die Episoden werden immer charmanter. Da wartet noch ganz viel Vergnügen auf uns. Denn die Hundert ist in der Ferne schon am Horizont erkennbar. ♥

Foto-Comic Schattenparker Episode #60

Mit freundlicher Genehmigung von comedy-story.de
© Alle Rechte bei: Edgar Wilkening, Minden an der Weser

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