Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Mit neuer Ästhetik wider das Vergessen: Medieninstallation zur Reichspogromnacht

Autor Edgar Wilkening

Von
Edgar Wilkening

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Die von Nazi-Deutschland organisierten Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger im November 1938, sie fanden – natürlich – auch in Minden willfährige Täter und Mitmacher. Die Reichspogromnacht hat bei den seinerzeit in der Stadt lebenden Juden nachhaltig für Angst und Schrecken gesorgt – und für massive wirtschaftliche Schäden.

Das Haus Obermarktstraße 19, in dem Das Herz der Stadt aktuell residiert, wäre wohl ebenfalls ein Kandidat für die Ausschreitungen des volksdämlichen Pöbels gewesen. Denn 1938 befand sich das Gebäude mit dem Lebensmittelgeschäft im Besitz des jüdischen Bürgers Bruno Lilienthal.

War dem nationalsozialistischen Mindener Mob das womöglich entgangen? Hatte man gar Gnade vor Unrecht walten lassen? Wohl kaum …

Es steht zu vermuten, dass der Grund, warum das Haus Obermarktstraße 19 in dieser Nacht von Angriffen verschont blieb, einzig darin bestand, dass Bruno Lilienthal sein Kolonialwarengeschäft ohnehin schon aufgegeben hatte. Und der Lebensmittelladen im Erdgeschoss seit Anfang der 1920er Jahre von der aus Hattingen an der Ruhr stammenden Heinrich Hill AG betrieben wurde.

Ein „deutscher“ Händler mit einem „deutschen“ Geschäft – das dürfte der einzige Grund sein, warum die Obermarktstraße 19 die Mindener Brand- und Brandschatzung-Nacht der Nazis ungeschändet und ungeplündert überstanden hat.

Nichtsdestotrotz: Als neue Eigentümer des Objekts fühlen sich der Autor und seine Lebensgefährtin, die Mindener Architektin Astrid Engel, der Geschichte des Hauses verpflichtet.

2021 jährte sich die Reichspogromnacht zum insgesamt 83. Mal. Aber für uns war es der erste Jahrestag während unserer Eigentümerschaft. Das haben wir zum Anlass genommen, eine ganz besondere Form des Gedenkens an diesen Tag zu zelebrieren.

Entstanden ist ein ungewöhnlich eindringliches Video, das im Schaufenster des Hauses rund um die Uhr lief, vom Vormittag des 9. November 2021 bis zum Mittag des Folgetages.

Ein Film, der die typischen Medienklischees des Historischen (Schwarz-Weiß-Optik etc.) ganz bewusst vermeidet und statt dessen mit neuer, eigenständiger Ästhetik versucht, die Schrecken der November-Nacht 1938 spürbar werden zu lassen.

Nüchtern betrachtet zählt das 100-Sekunden-Video die Orte der Angriffe auf und benennt die Straßennamen und Hausnummern, an denen der Nazi-Mob wütete.

Eindringlich wird es dadurch, dass nahezu alle der Adressen auch heute noch existieren. Kampstraße, Simeonstraße, Ritterstraße, Bäckerstraße: vertraute Namen für jeden, der die Mindener Innenstadt kennt. Und allesamt Orte, die in Fußweite der Obermarktstraße liegen – quasi gleich um die Ecke.

Trotz dieser nüchtern wirkenden Aufzählung entwickelt das Video eine erschreckend beklemmende Atmosphäre. Zum einen durch das spektakuläre Motion Graphic Design, das schon im farblichen Erscheinungsbild die Anmutung von Brand und Bedrohung vermittelt. Zum anderen durch die kongeniale Kombination mit Musik und Sound Effects.

All das wirkt so zeitgemäß im Look, so ganz und gar nicht altbacken oder gestrig, sondern jetzig und „netflixig“, dass die vor mehr als achtzig Jahren geschehenen Ereignisse bedrückend nah und verblüffend aktuell wirken. Regie, Editing, Musik: Da waren offenbar Meister am Werk – bei allen beteiligten Gewerken.

Das ist ganz typisch für Teams, die Medienmacher Edgar Wilkening für seine Projekte ins Studio ruft: international arbeitende Hochkaräter, die ihr Handwerk verstehen und sich leidenschaftlich begeistern lassen für die Aufgabenstellungen des Regisseurs. Sicher einer der Gründe, warum seine Arbeiten immer wieder in internationalen Wettbewerben dabei sind und seit Jahrzehnten mit Awards prämiert werden.

Gerade weil der Ton für die bedrückende Stimmung des Films so elementar ist, ist es schade, dass das Video vom 9. zum 10. November im Schaufenster hinter Glas lief – ohne Ton. Für den Jahrestag 2022 werden wir da sicher eine andere technische Präsentations-Plattform schaffen, um das Video einem größeren Publikum zu zeigen.

Bis dahin zeigen wir den Film hier im Stream. Als einzige Web-Plattform hat Das Herz der Stadt das Recht erhalten, das Video öffentlich zu zeigen. Ich empfehle, den Ton laut zu drehen und die Darstellung im Vollbild-Modus einzuschalten. Wider das Vergessen!

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Stadtspaziergang mit Astrid Engel:
Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

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Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

Stadtspaziergang mit Astrid Engel:
Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

Kennen Sie den Raum da oben im Bild? Wenn nicht: gar keine Schande. Die wenigsten Mindener wissen von diesem prächtigen Saal. Und noch weniger haben ihn je zu Gesicht bekommen.

Dabei gehört er uns allen! Allen Mindener Bürgern. Und ist erst vor wenigen Jahren aufwändig saniert worden. Wiederum mit öffentlichen Geldern. Nämlich mit Spenden der örtlichen Sparkasse.

Ein Raum mit pompöser Ausstattung, von fast schon barocker Opulenz – mitten in der Stadt. Und trotzdem irgendwie unsichtbar. Seine Heizungsanlage, seine Belüftung – als sie entstanden, waren sie technisch führend. Die Wandgemälde: Auftragsarbeiten, gestaltet von namhaften Künstlern ihrer Zeit.

Und trotzdem kennt kaum jemand diesen Raum? Geschweige denn, dass er konsequent für öffentliche Veranstaltungen genutzt oder angeboten würde. Ein Jammer! Und damit ganz typisch für Minden: überall Potenziale in der Stadt, die ungenutzt rumliegen. Fast könnte man meinen, es wäre politisches Kalkül dahinter …

Überall ungenutztes Potenzial: Man könnte meinen, es steckt politisches Kalkül dahinter

Auch ich werde hier nicht verraten, um was für einen Saal es sich handelt oder wo er sich befindet. Diese Details zu enthüllen gebührt Architektin Astrid Engel. Denn der Raum ist eine der Stationen ihres Stadt-Spaziergangs „Als in Minden die Korken knallten: Die größten Feste in tausend Jahren Stadtgeschichte“.

Es ist ein Stadtrundgang der ganz besonderen Art. Man kann ihn nicht kaufen. Nirgendwo. Nicht mal da, wo Stadtführungen verkauft werden. Er wird exklusiv nur von Astrid Engel angeboten. Und man kann ihn nur geschenkt bekommen.

Am vergangenen Sonntag bekam Das Herz der Stadt ihn geschenkt. Besser gesagt: gut zwei Handvoll Mindener, die an dem Rundgang teilnahmen, der im Herz der Stadt begann und endete.

Ein amüsanter Sonntagnachmittag mit verblüffenden Einblicken. Denn nicht nur der Saal dort oben ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch viele der spektakulären Feste und Feiern, die in der Weserstadt mal stattgefunden haben, spielen im öffentlichen Bewusstsein kaum eine Rolle mehr.

Angesichts der heutigen Trostlosigkeit, die von einer verkalkten politischen Kaste in Minden kultiviert wird, kaum zu glauben: Es gab Zeiten, in denen die Weserstadt so bedeutend und voller Anziehungskraft war, dass Menschen aus ganz Europa kamen, um hier bedeutende Ereignisse mit allem Pomp zu zelebrieren.

Angesichts der heutigen Tristesse, die von einer verkalkten politischen Kaste kultiviert wird, fast nicht zu glauben

Von wegen „kniepige Ostwestfalen“! Bei manchen Festen flossen Milch und Honig in Strömen – oder was zur jeweiligen Zeit gerade die angesagten Preziosen waren. Dazu Gesottenes und Gebratenes im Überfluss. Sogar edle Eiscreme wurde vor Jahrhunderten schon extra herangeschafft.

Welche Feste es waren im Laufe von tausend Jahren Stadtgeschichte, welche Anlässe es gab und wie manche Feier aus dem Ruder lief – auch über diese Details schweigt sich der Autor hier aus. Aber schon mal gehört von der „Weltausstellung“, die in Minden stattfand?

Tour-Guide Astrid Engel hat Wochen dazu recherchiert, Quellen studiert und Zusammenhänge ergründet. All das Spannende, das sie herausgefunden hat, erzählt sie ihrem Publikum während des exklusiven Rundgangs.

Gut zweieinhalb Stunden nach dem Start der Tour kehrten die Teilnehmer zurück ins Herz der Stadt. Und siehe da: Dann gab es auch dort tatsächlich noch etwas zu feiern. Eine hochkarätige Magnum mit feinsten Bubbles von der Loire wartete auf die Stadtwanderer, sie zu erquicken.

Und so knallten die Korken in tausend Jahren Stadtgeschichte an diesem Tag ein weiteres Mal in Minden. Genau dort, wo das Leben, das Feiern und der Austausch nach unserer Meinung hingehören: mitten im Herzen der Stadt. Vielen Dank an alle, die dabei waren. Es war uns ein Fest!

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Aus Liebe zum Leben Kunst von Bärbel Langner

Aus Liebe zum Leben
Kunst von Bärbel Langner

Aus Liebe zum Leben
Kunst von Bärbel Langner

Aus Liebe zum Leben
Kunst von Bärbel Langner

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

„Ich bin so glücklich, solch einen Raum nutzen zu können, um mich und meine Werke zu präsentieren“, sagt Bärbel Langner während der Vernissage zu „Aus Liebe zum Leben“. Es ist ihre erste große Einzelausstellung, denn frühere Ausstellungen fanden fast immer in Gemeinschaft mit anderen Künstlern statt.

Klingt ein bisschen nach „Traum wahr geworden“. Und darüber freuen auch wir uns als Macher von Das Herz der Stadt: dass unsere temporäre Pop-up-Fläche so viel Glück verbreitet.

Bärbel Langner arbeitet seit etwa zwei Jahrzehnten mit Acryl: gepinselt, gestrichen, gespachtelt. Und sie hat ein Faible für Großes: große Themen, große Formate. Die größten Werke der Ausstellung kommen auf Abmessungen von immerhin Eins-Zwanzig mal Eins-Zwanzig. Und tragen Titel wie „Gedankenspiele“ oder „Leben bedeutet Veränderung“.

Bärbel Langner hat ein Faible für Großes: große Themen, große Formate

Allen Bildern gemeinsam ist, dass sie einladen zum Geschichten erzählen. Genau so möchte die gebürtige Ulmerin ihre Arbeit verstanden wissen.

Deshalb hat sie allen Gemälden einen inspirierenden Begleittext zur Seite gestellt. Meist eigene Zeilen, bisweilen Zitate, zum Beispiel von Meister Eckhardt oder Marcus Aurelius. Es sind diese Texte, die die farbfreudigen Werke Langners noch mehr zum Klingen bringen.

Überhaupt: die inspirierenden Texte – sie sind auch am Rande der Ausstellung präsent, auf der vorinstallierten Rahmenwand von Das Herz der Stadt. Diese Fläche nutzt Bärbel Langner für „Gedankennotizen“, wie sie es nennt: Zitate, Denksprüche, Weisheiten – allesamt handgeschrieben auf festem, farbigem Karton.

Das Beste daran: Besucher sind eingeladen, Gedankennotizen ihrer Wahl kostenlos mitzunehmen. Und keine Angst bitte, eine Lücke zu reißen! Die Künstlerin wird die Rahmenwand immer wieder auffüllen mit neuen Inspirationen, neuen Texten. Großartige Idee, unsere Rahmenwand so zu nutzen.

Besucher sind eingeladen, die inspirierenden Texte kostenlos nach Hause mitzunehmen

Seit Anfang der Nuller-Jahre befasste sich Langner mit ihrer künstlerischen Ausbildung und hat dabei diverse Stationen absolviert. Heute ist sie selbst gefragte Ausbilderin und gibt ihr Wissen in VHS-Kursen und Workshops im eigenen Atelier weiter.

Das nächste Kurs-Angebot: ab Freitag 29.10.21, 17:00 Uhr bei der Volkshochschule Minden.

Die Ausstellung „Aus Liebe zum Leben“ im Herz der Stadt ist noch bis Dienstag, 9. November zu sehen. Öffnungszeiten: variabel. Feste Besuchstermine können vereinbart werden mit dem Ehemann der Künstlerin, Jens Langner, unter 0170.953 6463.

Vom Verkaufserlös der Werke während der Ausstellung gehen zehn Prozent als Spende an die Andreas-Gärtner-Stiftung – schöne Geste.

Mehr über Arbeit und Lebensweg der Künstlerin auf ihrer Webseite www.baerbel-langner.de.

Ehemann Jens Langner erläutert die Ausstellung

Tolles Team: Bärbel Langner und ihr Mannager – in diesem Fall ausdrücklich mit augenzwinkerndem Doppel-„n“ geschrieben – Jens Langner.

Besucherin fotografiert Kunst von Bärbel Langner

Definitiv instagramable: Bärbel Langners Werke sind auch in digitaler Abbildung lebensfrohe Hingucker. Oder wird das hier das neue Hintergrundbild im Homescreen?

Plastische Kunst inspiriert Publikum zu Gesprächen

Gerade auch die plastischen Acryl-Arbeiten von Bärbel Langner wirken beim Publikum als anregende Gesprächsaufhänger.

Rahmenwand mit Gedankenzetteln und Inspirationen

Die Rahmenwand im Herz der Stadt clever genutzt: Bärbel Langner hat „Gedankennotizen“ mit inspirierenden Texten erstellt und in den Rahmen platziert – ausdrücklich mit der Aufforderung „Bitte mitnehmen!“

Aufmerksame Leserinnen der Gedankenzettel von Bärbel Langner

Inspirieren lassen und mitnehmen, wenn man einen der Texte am Herzen tragen oder bei sich daheim aufhängen möchte.

Kartenkorb mit Motiven von Bärbel Langner

Wenn alle Räume schon mit Kunst gefüllt sind, ist immer noch Platz für ein oder zwei Grußkarten. Einige der schönsten Arbeiten von Bärbel Langner direkt zum Mitnehmen.

"Zu vermieten"-Plakat am Objekt Obermarktstraße 19, Minden

Deutlicher Hinweis: Ausstellungen, Kunst, Kultur im Herz der Stadt sind nur ein kurzes Glück – ein temporäres Vergnügen. Denn all das findet statt auf einer gewerblichen Leerstandsfläche. Sobald ein*e Gewerbetreibende*r die Fläche übernimmt, ist Das Herz der Stadt aus dieser Fläche verschwunden. Don’t miss it!

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Good News fürs Rampenloch! Stadt: Verkauf „sofern (…) attraktiver Kaufpreis geboten wird“

Good News fürs Rampenloch!
Stadt: Verkauf „sofern (…) attraktiver Kaufpreis geboten wird“

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Stadt: Verkauf „sofern (…) attraktiver Kaufpreis geboten wird“

Autor Edgar Wilkening

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ew@dasherzderstadt.de

Das ist ein Paukenschlag! Und womöglich der erste kluge Satz zum Thema, den ich aus der Administration Jäcke höre, seit ich mich mit der Neu-Entwicklung des Rampenloch-Areals befasse. Und das geht immerhin bis ins Jahr 2018 zurück.

Was haben wir nicht alles an politischer Misswirtschaft, Desinformation und Inkompetenz erlebt, seit die Stadt Minden das brache Rotlichtgelände 2018 übernommen hat, um dort Neues entstehen zu lassen.

Mal wurde das einzigartige Narrativ des Ortes ohne Not – und vermutlich auch ohne Sachverstand – über Bord geworfen. Verantwortlich dafür zeichnet der Baubeigeordnete der Stadt Minden, Lars Bursian, der sicherheitshalber teure Dienstleister beauftragte, WoltersPartner aus Coesfeld, damit auch die das wertvolle Narrativ an keiner einzigen Stelle ihrer umfangreichen Papiere erwähnten.

Stattdessen skizzierten sie frei nach dem Motto „Ein Äffchen und ein Pferd, die schauen dort zum Fenster raus“ eine Pippi-Langstrumpf-Idylle mit kleinen Häuschen und großen Gärten, die schon damals nicht das Papier wert war, mit dem man sich abwischt. Sei’s drum: Auftraggeber Bursian war augenscheinlich zufrieden.

Kurz darauf liess er über die Lokalpresse verlauten, dass „völlig offen“ sei, was am Rampenloch entstehen solle. Das war schon damals so unwahr wie es sich später bestätigte. Längst hatte sich im Kopf des Mannes das Ziel einer unauffällig-devoten Wohnbebauung festgesetzt – ohne das tatsächliche Potenzial des Areals auch nur ansatzweise anzudenken.

Vorläufiger Höhepunkt des politischen Kasperle-Theaters war dann, als eine treue SPD-Genossin, die als Stadtverordnete im Rat sitzt, von ihren Parteigenossen und Kollegen das Areal für ihren Investor Bautec zugesprochen bekam.

In diese typisch Mindener Gemengelage aus Mauschelei und mangelndem Sachverstand platzt jetzt die Aussage von Joachim Schmidt hinein, Geschäftsführers der MEW, der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, einer hundertprozentigen Tochter der Stadt Minden.

Und was der Mann sagt, dürfte – wenn es denn der Wahrheit entspricht – zum Game-Changer werden am Rampenloch. Hören wir mal rein.

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"Die Politik der Geschäftsführung sei stets gewesen, Immobilien dem Markt zur Verfügung zu stellen, 'sofern (...) ein attraktiver Kaufpreis geboten wird.'"

Quelle: Mindener Tageblatt vom 21. Oktober 2021, Seite 2. Die Online-Version des Textes ist hier hinter Pay-Wall abrufbar.

Ein „attraktiver Kaufpreis“? Tja, Bautec – das dürfte es dann wohl gewesen sein mit deinen Plänen fürs Rampenloch.

Denn für Grundstücke, die die Stadt für exakt 642.500 Euro plus Nebenkosten, in Summe also für etwa 700.000 Euro erworben hat, gerade mal schlappe 200.000 Euro zu bieten, also etwa 500.000 Euro weniger als den Betrag, den die Stadt mal gezahlt hat – da kann man weiß Gott nicht von einem „attraktiven Kaufpreis“ sprechen.

Nun gut – Schmidt hat seine Aussage nicht im Zusammenhang mit dem Rampenloch gemacht. Sondern in Bezug auf Verkaufsspekulationen zum ebenfalls im Besitz der Stadt befindlichen Objekt Simeonscarré 2.

Aber er spricht deutlich von „Politik“, also von grundlegenden Prinzipien, die offenbar generell für Liegenschaften der Stadt gelten – keineswegs nur für das Objekt Simeonscarré 2. Und die Rede ist von „stets“. Also erneut: nicht nur für den Moment gültig, sondern dauerhaftes Handlungsprinzip bei städtischen Immobilien.

Der das sagt, ist nicht irgendwer – sondern hochrangiger Manager im Mindener Stadtapparat. Mit 140.000 Euro Jahresgehalt (Jahr 2020) einer der best bezahlten Angestellten – finanziell deutlich vor Bürgermeister Michael Jäcke, der in Besoldungsgruppe B7 nur knapp 130.000 Euro bezieht.

Wenn ein Hochkaräter wie Schmidt etwas sagt, dann ist das nicht einfach dahergeplappert. Der Mann weiß, worüber er spricht.

Ein halbwegs „attraktiver Kaufpreis“ für Immobilien, für die die Stadt 642.500 Euro gezahlt hat: Das würde ab, sagen wir mal: 650.000 Euro losgehen (wenn man die Nebenkosten mal außen vor lässt).

Mehr noch: Immobilienprofis wissen zu berichten, dass mit dem Verkauf von Liegenschaften sogar Gewinne möglich sein sollen. Ist MEW-Geschäftsführer Schmidt der Einzige in Mindens Administration, der sich mit sowas auskennt?

Auch wenn Englischlehrern & Co. im Rat, die vor allem Gevatternwirtschaft betreiben möchten, grundlegende Handlungsprinzipien wie „stets“ und „Politik“ vollkommen fremd sein mögen: Schmidts Worte machen deutlich, dass sich endlich die Chance auftut, sach- und vernunftbezogen eine angemessene Entwicklung für das wertvolle Rampenloch anzugehen.

Denn das Areal kann viel, viel mehr leisten für die Stadt Minden, für die gesamte Stadt Minden, als nur ein paar Wohnungen, einen netten Auftrag für eine treue SPD-Genossin und üppige Rendite für einen Investor.

Womöglich braucht’s dafür als allererstes einen neuen Baubeigeordneten. Glückliche Fügung vielleicht, dass der Vertrag des Beigeordneten Bursian 2023 endet. Das ist die Chance für einen echten Neuanfang! Für ihn in einer anderen Stadt. Für das Rampenloch mit einem/einer neuen sachverständigen Stadtentwickler*in. Schön wär’s.

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„Giulia – Beauty of My Life“ Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

„Giulia – Beauty of My Life“
Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

„Giulia – Beauty of My Life“
Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt
Vielen gilt sie als schönstes Automobil, das jemals gebaut wurde: die Giulia von Alfa Romeo. Entwickelt Anfang der 60er des letzten Jahrhunderts, gebaut bis in die 70er. Die erste familientaugliche Sport-Limousine der Welt. Damit, so erzählen sich Alfisti, wurde sie zum Vorbild für die erst Jahre später aufgelegte GT-Serie des VW Golf.

Dass der italienische Automobilbauer seit 2016 wieder ein Modell im Sortiment hat, das den legendären Namen Giulia trägt, belegt die Strahlkraft, die die alte Dame auch heute noch hat.

Auch für Dr. Holger Grüne. 2016 erwarb der promovierte Biologe bei einer Messe in Mailand eine Giulia Super 1.3, Baujahr 1972. Mit dem Kauf seines Traumautos begann für ihn eine arbeits- und überraschungsreiche Zeit. Denn Grüne war entschlossen, das Schätzchen möglichst selbständig wieder auf Vordermann zu bringen.

Jeden einzelnen Arbeitsschritt, jede Überraschung beim Zerlegen akribisch in Fotos festgehalten

Zunächst für eigene Dokumentationszwecke hielt Grüne jeden einzelnen Arbeitsschritt fest. Am Ende ergab sich daraus eine spannende Geschichte. Denn der Weg vom bedauernswerten Ursprungszustand zum topsanierten Schätzchen war voller Überraschungen, Erlebnisse, Eigenheiten – und eben doch nicht ganz allein zu schaffen.

Ein über neunzigjähriger Alfisti-Schrauber wurde zum Glücksfall für Grüne. Denn der alte Herr hatte nicht nur jede Menge Erfahrung, wie man mit der alten Sport-Dame umzugehen hatte. Er verfügte auch über eine nicht mehr restaurationsfähige Giulia, aus der manches Teil den Weg in Grünes Schätzchen fand.

Am Ende sogar ein „neuer“ alter Motor. Denn die Spender-Giulia verfügte über einen 1.6-Benziner, der der höheren Leistung wegen angepasst und eingebaut wurde. So dass heute zwar stolz 1.3 am Heck von Grünes Giulia prangt – tatsächlich ist sie aber mit 1.600 ccm unterwegs.

Der Besuch der alten Dame: die restaurierte Giulia war während des Vortrags vor Ort

All das schilderte Grüne in seinem Vortrag so lebendig, so detailreich und mit so vielen Fotos – für den Autor fühlte es sich beinah an wie ein Kompaktkurs zu Fahrwerk-Aufhängung, Querlenkern und Ventiltechnik bei historischen Automobilen.

Zwar fanden an diesem Abend nur wenige Zuhörer den Weg in die Obermarktstraße 19 – die aber erweisen sich als ausgebuffte Giulia-Fans. Da wurde leidenschaftlich gefachsimpelt, nachgefragt, diskutiert und Wissen ausgetauscht.

Zumal das Objekt aller Gespräche direkt vor Ort zu erleben war. Grüne hatte es sich nicht nehmen lassen, aus seinem Heimatort Lörrach mit der restaurierten Giulia anzureisen. Vielen Dank für den tollen Vortrag – und den grandiosen Besuch der alten Dame!

Laudator Heinrich Kleine
Verschnaufpause für die alte Dame: Die Giulia hatte den weiten Weg aus dem badischen Lörrach bis nach Minden tadellos hinter sich gebracht. Sogar eine Autowäsche war noch drin, bevor es dann hieß: Showtime!
Bilder von Henning Christiansen mit Betrachterin
Der erste Weg von Dr. Holger Grüne nach dem Erwerb der Giulia führte zum Centro Documentazione Alfa Romeo, wo über alle je gebauten Giulia und ihre Ausstattung Buch geführt wird. Orientierungspunkt für die spätere Sanierung.
Bilder von Til Mette in Ausstellung
Die Präsentationstechnik im Herz der Stadt überzeugte durch knackig klares Großformat mit knapp vier Metern Bilddiagonale. Das macht Lust auf weitere bildgewaltige Vorträge.
Bilder von Til Mette in Ausstellung
Beim Besuch der alten Dame fanden zwar nur wenige Zuhörer den Weg in die Obermarktstraße 19. Die aber entpuppten sich als echte Hardcore-Fans. Und das Schätzchen selbst fand jede Menge Bewunderer bei allen, die zufällig vorbeiflanierten.
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„Minden – Meine Heimat“ Benjamin Kerstings fotokünstlerischer Blick aufs Mindener Land

„Minden – Meine Heimat“
Benjamin Kerstings fotokünstlerischer Blick aufs Mindener Land

„Minden – Meine Heimat“
Benjamin Kerstings fotokünstlerischer Blick aufs Mindener Land

Autor Edgar Wilkening

AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt

„Minden – Meine Heimat“ ist der Name einer Facebook-Gruppe, die der Mindener Benjamin Kersting gegründet hat. Das war zu Beginn der Corona-Pandemie. Heute, gerade mal anderthalb Jahre später, ist die Gruppe mit mehr als 5.800 Mitgliedern eine der reichweitenstärksten Communities aus und über Minden. Respekt!

Besonders viel Aufmerksamkeit und Likes in der Gruppe erzielen regelmäßig Kerstings Fotografien aus Minden und dem Umland, die er dort veröffentlicht.

Deshalb entstand schon bald die Idee, seine fotokünstlerische Sicht auf die Heimat nicht nur digital in Social Media zu präsentieren, sondern auch ganz real in einer Ausstellung.

Am vergangenen Donnerstag war es soweit: Vernissage im Herz der Stadt – natürlich ebenfalls unter dem Titel „Minden – Meine Heimat“. Und viele Fans der Facebook-Community liessen sich die Gelegenheit, dem Künstler und seinen Werken persönlich zu begegnen, nicht entgehen.

Viele Fotos wirken wie zufällig im richtigen Moment geknipst, sind aber akribisch geplant

Mehr als zwei Dutzend Fotografien zeigt Benjamin Kersting in den Show-Räumen von Das Herz der Stadt. Bilder voll magischer Momente, die häufig wirken wie: Schwein gehabt und zufälligerweise im richtigen Augenblick geknipst.

Doch so leicht und zauberhaft die Fotos auch wirken mögen, sie sind zumeist das Ergebnis akribischer Vorbereitung. Jedes Motiv wird von Kersting klar komponiert. Jeder Ort mehrfach besucht, um Lichtstimmungen, Sonnenstand und Witterungsbedingungen zu prüfen. Erst dann folgt die finale Aufnahme – präzise geplant und weit entfernt von Schnappschuss-Momenten.

Nur manchmal, dann ist das Glück dem Fleißigen doppelt hold – und zu aller Vorbereitung fliegt obendrauf noch ein Paar Silberreiher durch die Komposition. Auf genau solche Glücksfälle weist Kersting in seinen Begleittexten immer wieder hin und erläutert die Umstände des Entstehens der Bilder.

Kein Wunder also, dass das Vernissagen-Publikum oft ergriffen vor den Fotos verweilte und den Stimmungen nachspürte.

Hidden Piece of Art

Versteckt in der Ausstellung ihres Vaters hat Kerstings Tochter Melina ein eigenes kleines Kunstwerk platziert: keine Fotografie, sondern eine Zeichnung. Es lohnt sich, Ausschau zu halten nach dem „hidden piece of art“. Denn der rote Punkt am Werk besagt: bereits verkauft …

Multi-Talent: Admin, Musiker – und jetzt auch Fotograf magischer Momente in seiner Heimat

In seiner Laudatio zur Eröffnung offenbarte der aus Petershagen stammende Heinrich Kleine, dass er Kersting schon seit Kindesbeinen kennt.  Aus einem Elternhaus stammend, in dem schon immer Kunst und Kultur in bunter Vielfalt gelebt wurden, hat Kersting die Neigung zum künstlerischen Ausdruck quasi in die Wiege gelegt bekommen. Großvater Benno „Pax“ Kersting dürfte vielen noch in Erinnerung sein.

Wer 2020 beim „Balkon der freien Künste“ dabei war, hat Benjamin Kersting bei diesem Festival als leidenschaftlichen Musiker erlebt. Gemeinsam mit Partner Hajo Woltersdorf am Saxophon präsentierte Kersting an der Gitarre leichtfüßigen Gute-Laune-Jazz.

Ein Multi-Talent, dieser Mann: Gruppen-Admin bei Facebook, beschwingter Gitarrist – und jetzt auch noch Fotograf magischer Momente in seiner Heimat. Was kommt als nächstes? Wir dürfen gespannt sein.

Die Ausstellung „Minden – Meine Heimat“ ist noch zu sehen bis Dienstag, 19. Oktober 2021 in der Obermarktstraße 19, Minden an der Weser. Der Eintritt ist frei. Es gilt 3G. Öffnungszeiten: variabel. Wenn offen, dann offen – wenn zu, dann zu.

Laudator Heinrich Kleine

Laudator Heinrich Kleine kennt Benjamin Kersting seit frühester Kindheit – und hat den Künstler mit dem Thema Fotografie in Berührung gebracht.

Bilder von Henning Christiansen mit Betrachterin

Bilder voller Schönheit aus dem Mindener Land, die einladen zum Verweilen und innerem Versinken in ihrer Magie.

Bilder von Til Mette in Ausstellung

Gut fünfzig Gäste fanden den Weg zur Vernissage in die Obermarktstraße. Das Herz der Stadt als Ort der Begegnung, des Austauschs und der Unterhaltung – so geht urbane Transformation. Vielen Dank an alle Besucher! 

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