„Giulia – Beauty of My Life“
Geschichte einer Oldtimer-Restauration von Dr. Holger Grüne

Autor Edgar Wilkening
AUTOR
Edgar Wilkening – Initiator und Gründer von Das Herz der Stadt
Vielen gilt sie als schönstes Automobil, das jemals gebaut wurde: die Giulia von Alfa Romeo. Entwickelt Anfang der 60er des letzten Jahrhunderts, gebaut bis in die 70er. Die erste familientaugliche Sport-Limousine der Welt. Damit, so erzählen sich Alfisti, wurde sie zum Vorbild für die erst Jahre später aufgelegte GT-Serie des VW Golf.

Dass der italienische Automobilbauer seit 2016 wieder ein Modell im Sortiment hat, das den legendären Namen Giulia trägt, belegt die Strahlkraft, die die alte Dame auch heute noch hat.

Auch für Dr. Holger Grüne. 2016 erwarb der promovierte Biologe bei einer Messe in Mailand eine Giulia Super 1.3, Baujahr 1972. Mit dem Kauf seines Traumautos begann für ihn eine arbeits- und überraschungsreiche Zeit. Denn Grüne war entschlossen, das Schätzchen möglichst selbständig wieder auf Vordermann zu bringen.

Jeden einzelnen Arbeitsschritt, jede Überraschung beim Zerlegen akribisch in Fotos festgehalten

Zunächst für eigene Dokumentationszwecke hielt Grüne jeden einzelnen Arbeitsschritt fest. Am Ende ergab sich daraus eine spannende Geschichte. Denn der Weg vom bedauernswerten Ursprungszustand zum topsanierten Schätzchen war voller Überraschungen, Erlebnisse, Eigenheiten – und eben doch nicht ganz allein zu schaffen.

Ein über neunzigjähriger Alfisti-Schrauber wurde zum Glücksfall für Grüne. Denn der alte Herr hatte nicht nur jede Menge Erfahrung, wie man mit der alten Sport-Dame umzugehen hatte. Er verfügte auch über eine nicht mehr restaurationsfähige Giulia, aus der manches Teil den Weg in Grünes Schätzchen fand.

Am Ende sogar ein „neuer“ alter Motor. Denn die Spender-Giulia verfügte über einen 1.6-Benziner, der der höheren Leistung wegen angepasst und eingebaut wurde. So dass heute zwar stolz 1.3 am Heck von Grünes Giulia prangt – tatsächlich ist sie aber mit 1.600 ccm unterwegs.

Der Besuch der alten Dame: die restaurierte Giulia war während des Vortrags vor Ort

All das schilderte Grüne in seinem Vortrag so lebendig, so detailreich und mit so vielen Fotos – für den Autor fühlte es sich beinah an wie ein Kompaktkurs zu Fahrwerk-Aufhängung, Querlenkern und Ventiltechnik bei historischen Automobilen.

Zwar fanden an diesem Abend nur wenige Zuhörer den Weg in die Obermarktstraße 19 – die aber erweisen sich als ausgebuffte Giulia-Fans. Da wurde leidenschaftlich gefachsimpelt, nachgefragt, diskutiert und Wissen ausgetauscht.

Zumal das Objekt aller Gespräche direkt vor Ort zu erleben war. Grüne hatte es sich nicht nehmen lassen, aus seinem Heimatort Lörrach mit der restaurierten Giulia anzureisen. Vielen Dank für den tollen Vortrag – und den grandiosen Besuch der alten Dame!

Laudator Heinrich Kleine
Verschnaufpause für die alte Dame: Die Giulia hatte den weiten Weg aus dem badischen Lörrach bis nach Minden tadellos hinter sich gebracht. Sogar eine Autowäsche war noch drin, bevor es dann hieß: Showtime!
Bilder von Henning Christiansen mit Betrachterin
Der erste Weg von Dr. Holger Grüne nach dem Erwerb der Giulia führte zum Centro Documentazione Alfa Romeo, wo über alle je gebauten Giulia und ihre Ausstattung Buch geführt wird. Orientierungspunkt für die spätere Sanierung.
Bilder von Til Mette in Ausstellung
Die Präsentationstechnik im Herz der Stadt überzeugte durch knackig klares Großformat mit knapp vier Metern Bilddiagonale. Das macht Lust auf weitere bildgewaltige Vorträge.
Bilder von Til Mette in Ausstellung
Beim Besuch der alten Dame fanden zwar nur wenige Zuhörer den Weg in die Obermarktstraße 19. Die aber entpuppten sich als echte Hardcore-Fans. Und das Schätzchen selbst fand jede Menge Bewunderer bei allen, die zufällig vorbeiflanierten.
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