Verstörende Töne aus Mindens Politik in den sozialen Medien

Verstörende Töne aus Mindens Politik in den sozialen Medien

Verstörende Töne aus Mindens Politik in den sozialen Medien

Autor Edgar Wilkening

AUTOR
Edgar Wilkening.
Entwickler, Berater, Publizist.

Verstörende Töne, die am Wochenende in den sozialen Medien auftauchten.

Von „ungeprüften und unwahren Argumenten“ war da die Rede, die „von interessierter Seite“ verbreitet werden, und zwar: „massiv“. Von Menschen war zu lesen, die „bewusst verfälschen und/ oder populistische Triebe ausleben“. Holla!

Was war passiert? Hatte Nawalny den Kreml mal wieder auf dem falschen Fuss erwischt? Hatte Putin eine Bedrohung seines Systems ausgemacht? Waren aufrührerische Massen unterwegs, ihn zu stürzen?

Nein, wir sind nicht in Moskau. Wir sind in Minden.

Und der da von „unwahren Argumenten“ und „interessierter Seite“ schwabulierte, war nicht der russische Präsident, sondern Peter Kock, seines Zeichens Anführer der stärksten Fraktion im Mindener Stadtrat, der SPD.

In einem Facebook-Posting (hier nachzulesen – dazu müssen Sie bei Facebook angemeldet sein) ging Kock den Chefredakteur einer deutschen Tageszeitung scharf an und suchte ihn wieder auf Parteilinie zu bringen, nachdem der einen regierungskritischen Kommentar im Blatt verfasst hatte.

Es war die Sprache von Autokraten, die Kocks Beitrag so verstörend wirken liess. Dieses Rumschwurbeln von „unwahren Argumenten“ – ohne die Argumente zu benennen oder mit Fakten zu entkräften; dieses Auslassen über „interessierte Seiten“ – ohne konkrete Gruppen oder Personen zu benennen geschweige denn deren Interessen darzulegen.

Die Parallelen sind offensichtlich: Im Stil war das die Richtung, mit der auch der Kreml stets auf Kritiker reagiert.

Der da den Chefredakteur so heftig rügt, klingt wie jemand, der es nicht gewohnt ist, Widerspruch zu seinen Urteilen zu bekommen. Vielleicht, weil er dank eines Amtes bemächtigt ist, andere zu zensieren? Auch für deren Leistungen, Ergebnisse und ihr Verhalten?

Es ist der Tonfall eines Oberlehrers, der stets die Antworten schon kennt, noch bevor die Fragen gestellt werden – weil es dank seiner Autorität nur ihm obliegt, welche Fragen überhaupt gestellt werden. Weshalb er die einzig wahren und richtigen Antworten natürlich auch schon vorher parat hat. Abweichler unerwünscht.

Mit Jugendlichen und Heranwachsenden mag man derart autokratisch umgehen können. Für den Umgang mit dem Souverän, den Bürgern der Stadt, empfiehlt sich ein Dialog auf Augenhöhe. Nicht dieses herablassende „So wird das nichts mit Ihnen“.

Wer lieber desinteressierte Seiten um sich schart statt interessierter Menschen, mag der Richtige sein, um eine Partei wie die SPD zu führen. In demokratischen Prozessen und Diskursen dagegen sollte er deutlich mehr Respekt walten lassen – statt autokratische Allüren auszuleben.

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Die Würfel sind gefallen am Rampenloch: Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr“ der Stadt Minden am 20. Januar 2021

Autor Edgar Wilkening

AUTOR
Edgar Wilkening. Nimmt als Gast regelmäßig an Sitzungen von Stadtrat und Ausschüssen teil. Geht anschließend ebenso regelmäßig kopfschüttelnd heim.

Es sind Szenen wie diese, die vielleicht am besten beschreiben, was in der Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr“ der Stadt Minden stattfindet.

Kurz vor 16:00 Uhr am 20. Januar 2021. Außer mir ist kaum jemand im Sitzungssaal. Noch viel zu früh.

Da hetzen zwei Ausschussmitglieder in den Raum, schauen hastig hin und her, suchen in höchster Eile ihre Plätze. Doch die sind zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorbereitet.

Die Mitarbeiterin der Verwaltung, die die Sitzung organisiert, ist selbst erst wenige Minuten vorher eingetroffen und noch mit dem Aufbau beschäftigt.

„Aber 16:00 Uhr geht’s doch los!“, sagt einer der zwei Eiligen.

„Nein, 16:30“, antwortet die Verwaltungsangestellte.

„16:30 Uhr?“ Der eilige Mann ist verblüfft. „Das ist aber neu, oder?“

„Nein“, antwortet die Verwaltungsfrau freundlich. „Das war schon immer 16:30.“ Die beiden Männer sind baff.

Eine Lappalie eigentlich. Aber eine, die viel darüber sagt, wie gut sich Ausschussmitglieder auf wichtige Sitzungen wie diese vorbereiten. Wie intensiv sie sich im Vorfeld mit den Unterlagen beschäftigt haben. Wie tief sie in die oft Hunderte Seiten starken Dokumente eingestiegen sind. Offenbar nämlich gar nicht.

Und so wird diese Momentaufnahme zum Sinnbild der fachlichen Auseinandersetzung, die wir erleben, als der Ausschuss-Vorsitzende Ulrich Luckner (CDU) die Sitzung Punkt 16:30 Uhr eröffnet.

Punkt 1 auf der Agenda: die Vergabe der wertvollen Grundstücke am Rampenloch. Luckner nordet die Ausschussmitglieder gleich zu Beginn gründlich ein: Er wolle die Sitzung kurz und schmerzlos machen. „Redebeiträge maximal fünf Minuten. Nach fünf Minuten unterbreche ich das rigoros. Wir wollen zügig hier rauskommen.“

Begründet wird das mit Corona. Und so muss die Pandemie wieder mal herhalten, damit bloß keine qualitative Diskussion aufkommt über das Rampenloch: Wie das Areal Sinn stiften könnte für die gesamte Stadt, ob sich daraus nicht mehr machen ließe und ob der bislang eingeschlagene Weg überhaupt der richtige war.

Zwei Jahre läuft das Prozedere schon. In all der Zeit hat man eine inhaltliche Diskussion ums Rampenloch in der Öffentlichkeit stets vermeiden können. Das soll sich jetzt, kurz bevor man den Sack endlich zumacht, nicht mehr ändern.

Luckners Botschaft ist bei den Ausschussmitgliedern angekommen, wie sich später zeigen wird – außer bei zwei aufmüpfigen Neuen, die noch nicht im Mindener Klüngelklub versunken sind.

Das Wort hat der Baubeigeordnete der Stadt Minden, Lars Bursian. Er führt ein ins Thema und die Sitzungsdrucksache 265/2020: Ende von Phase Zwei im Interessenbekundungsverfahren Rampenloch und Anhandgabe der Grundstücke an einen privaten Investor.

Bursian findet lobende Worte für den von der Verwaltung präferierten Entwurf der Firma Bautec mit Architektin Bettina Lauer, den er als „sehr, sehr smart“ bezeichnet.

Er findet Worte auch zum Thema Kaufpreis, das vor einigen Tagen sogar mal durch die Presse geisterte. Und er betont, dass die von Bautec gebotene Kaufsumme von 200.000 Euro für das mit  688.000 Euro bewertete Grundstück noch nicht in Stein gemeißelt sei: „Das war jetzt eine erste Zahl, die da reingeschrieben wurde. Ich glaube, die ist noch nicht endgültig. „

Da hat der Mann sogar mal recht: Der Kaufpreis kann durchaus noch deutlich unter die 200.000-Marke sinken. Denn das Kaufpreisangebot der Firma Bautec ist, wie in der Sitzungsdrucksache sichtbar, ausdrücklich als „unverbindlich“ gekennzeichnet.

Ohnehin gilt in der Welt eines Lars Bursian: „Eins ist klar, man kann nicht auf der einen Seite eine möglichst gute städtebauliche Konzeption, Innenstadt-, Altstadtentwicklung betreiben wollen – und auf der anderen Seite einen hohen Kaufpreis erzielen wollen. Beides lässt sich einfach nicht miteinander vereinbaren.“ Erschütternder Original-Wortlaut von jemandem, der es am Rampenloch nicht mal ansatzweise versucht hat – obwohl die Möglichkeiten da gewesen wären.

Wofür der Baubeigeordnete dagegen gar keine Worte findet, ist das, wofür er noch nie Worte hatte in all den Jahren, in denen er das Projekt begleitet: das historische Narrativ des Rampenlochs.

Dass Ernst-Michael von Schwichow und der Staat Preußen an diesem Ort Anfang des 19. Jahrhunderts Geschichte geschrieben haben. Dass Minden als Stadt damals innovativ und führend war in Sachen staatlicher Gesundheitskontrolle zur Seuchenbekämpfung. Dass hier ein Vorläufer heutiger Pandemie-Bekämpfung stattgefunden hat. Und dass es genau jetzt die einmalige historische Chance gegeben hätte, dieses Narrativ in der Entwicklung des Areals abzubilden.

Stattdessen: „Wir bitten darum, uns zuzustimmen, der Firma Bautec das Grundstück anhandzugeben, und der Bewertung, die wir gemacht haben, zuzustimmen.“

Frank Dunklau (AfD) ist das erste Ausschussmitglied, das sich nach Bursians Vortrag zu Wort meldet. Er ist neu im Mindener Stadtrat. Und stellt den Antrag, die anstehende Entscheidung um drei Monate zu verschieben.

Begründung: „Ich arbeite mich gerade ein und mir stellen sich unerklärlich viele Fragen. Für mich hat das ganze hier auch ein Geschmäckle, das sage ich ganz ehrlich. “ Damit meint er offenbar, dass die Architektin der Firma Bautec SPD-Mitglied ist und für ihre Partei selbst im Stadtrat sitzt. „Wir reden hier über eine halbe Million, die verschwendet wird in meinen Augen. Und das muss geklärt werden – und zwar vorher.“

Das lässt ein Peter Kock (SPD), der sonst für gewöhnlich stets der Erste in Sitzungen ist, der das Wort erhebt, nicht auf sich sitzen. „Eine Verschiebung, wie jetzt beantragt, halten wir“ – dabei wendet er den Kopf nach hinten und schaut eindringlich zu seinen Kollegen – „nicht für sinnvoll.“

Denn der vorliegende Vorschlag seiner Genossin „entspricht genau dem, was die Menschen, die Bürgerinnen und Bürger der Altstadt in vielen Diskussionen zum Ausdruck gebracht haben. Das ist genau das, was gewollt ist.“ Und: „Darüber können wir doch nur froh sein statt herumzumäkeln.“ Damit signalisiert er für seine Fraktion volle Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung.

Da mag die CDU, die in Minden schon lange versucht noch mehr SPD zu sein als die SPD selbst, nicht hintanstehen. Für seine Fraktion erklärt Hendrik Mucke brav: „Die CDU folgt der Argumentation und dem Vorschlag der Verwaltung.“

Vielleicht weil man ahnt, dass bei nächster Gelegenheit die Zustimmung der SPD gebraucht wird, wenn ein CDU-Günstling städtische Förderung bekommen soll? Ernstzunehmende Oppositionsarbeit jedenfalls geht anders.

Es folgt der Stadtverordnete Horst Idelberger (Bündnis 90 / Grüne), der das hohe Debattenniveau vorführt, das in seinen Kreisen offenbar gepflegt wird. Statt sich zur Sache zu äußern lediglich eine Zurechtweisung in Richtung Frank Dunklau und dessen Partei.

Die befinde sich schon länger im Rat, insofern sei Zeit genug gewesen, sich einzuarbeiten. „Deshalb ist diesem Antrag, meines Erachtens, nicht nachzugeben.“ Zum Entwurf für das Rampenloch und zum Verfahren selbst: kein Wort.

Jürgen Gebauer (Mindener Initiative) hat nur eine Anmerkung zum Thema Parken. „Es ist Wunschdenken, dass die Leute hier zu Fuß unterwegs sind oder mit dem Fahrrad fahren. Hier sollte man den Anliegern sagen, wo sie ihre Fahrzeuge parken können.“ Hier spricht die ewiggestrige Autolobby, die schon früher unsere Städte autogerecht und kaputt gemacht hat. Darüber hinaus hat der Mann keine Fragen zur Sache.

Der fraktionslose Eckhard Rüter, als sachkundiger Bürger für den Integrationsrat im Ausschuss, formuliert pflichtschuldigst Appelle zur Barrierefreiheit des Areals. Mehr nicht.

Rolf Frohne (Bündnis 90 / Grüne) weist als sachkundiger Bürger auf Risiken hin, die sich im nächsten Planungsschritt aus der HOAI, der Honorarordnung der Architekten und Ingenieure, für die Stadt ergeben könnten. Guter Hinweis!

Und zum Schluss Gesine Frank (Die Linke), die zweite neue Stimme in dieser Runde, die noch nicht zum Klüngelklub gehört und sich explizit gegen das Verfahren ausspricht. Als sachkundige Bürgerin ist sie aber ebenfalls nur beratend im Ausschuss.

Sie lässt keinen Zweifel daran: „Wären wir stimmberechtigt, könnten wir keinem der beiden vorliegenden Vorschläge folgen.“ Begründung: Hier würde mit Unterstützung aus öffentlichen Geldern teurer Wohnraum entstehen. Gut aufgepasst!

„Ein Mietpreis von zehn bis elf Euro ist für gewöhnliche Studierende, Verkäuferinnen und Angestellte nicht bezahlbar.“ Vollkommen richtig. Und übrigens: Niemand verspricht, dass die Quadratmeterpreise am Ende nicht sogar noch deutlich höher liegen werden als zehn bis elf Euro.

Der Ausschussvorsitzende Luckner unterbricht die Sitzung, damit der als Gast anwesende Stadtverordnete Thorsten Vogt (Wir für Minden) zu Wort kommen kann.

Er weist auf einen Konstruktionsfehler des Verfahrens hin, nämlich dass der verbindliche Kaufpreis erst am Ende des gesamten Verfahrens verbindlich festgezurrt werden soll – dann, wenn alles vorbereitet ist, das Areal geräumt, die Planung im Detail steht und alles fix und fertig in trockenen Tüchern ist.

Erst dann den letztendlichen Kaufpreis zu vereinbaren, hält er für falsch, weil die Stadt sich in dieser Situation dem Risiko aussetzen würde, „erpressbar“ zu werden. Denn zu diesem Zeitpunkt gibt es eigentlich kein Zurück mehr – jedenfalls kein realistisches, sondern höchstens ein theoretisches.

Luckner nimmt die Sitzung wieder auf. Bursian spielt die Einwände Vogts runter: Man werde sich da vertrauensvoll Zug um Zug annähern.

Und das war’s dann. Keine weiteren Fragen. Ende der Diskussion. Für die Ausschussmitglieder sind damit alle wichtigen Aspekte besprochen.

Ein bisschen Kopfsteinpflaster, ein bisschen Barrierefreiheit, ein bisschen Parkplätze – das sind die ganz großen Themen der Ausschussmitglieder. Das ist die geistige Flughöhe der sogenannten bürgerlichen Parteien, ganz gleich, welche Buchstaben vorne dranpappen.

Zeit für die Abstimmung. Und die fällt so aus, wie es die Spatzen schon von den Dächern pfiffen.

Der Antrag auf ein Verschieben der Entscheidung wird bei einer Ja-Stimme, ohne jede Enthaltung und mit allen übrigen Stimmen vom Tisch gewischt. Abgelehnt.

Das gleiche Bild, nur eben invertiert, bei der Entscheidung über den Vorschlag der Verwaltung, das Rampenloch der Firma Bautec anhandzugeben für den dritten Verfahrensschritt: mit überwältigender Mehrheit angenommen bei einer Nein-Stimme, ohne jede Enthaltung und allen übrigen Ja-Stimmen.

Damit sind die Würfel am Rampenloch gefallen. Niemand ist überrascht. Business as usual. Durchwinken und gut. Von echter Kontroverse keine Spur. Von Visionskraft noch weniger.

Keine zwanzig Minuten hat es gedauert, bis eines der zentralen städtischen Entwicklungsprojekte Mindens von den Stadtverordneten abgehakt wurde – bei allen Ungereimtheiten, Auffälligkeiten und ungenutzten Chancen.

Auf ihre wackeren Stadtsoldaten kann sich Mindens Stadtverwaltung eben verlassen.

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Die Fünfhunderttausend-Euro-Ungenauigkeit des Baubeigeordneten Bursian

Die Fünfhunderttausend-Euro-Ungenauigkeit des Baubeigeordneten Bursian

Die Fünfhunderttausend-Euro-Ungenauigkeit des Baubeigeordneten Bursian

Autor Edgar Wilkening

AUTOR
Edgar Wilkening. Kann sich an fünf Fingern ausrechnen, was hinter der 500.000-Euro-Ungenauigkeit des Baubeigeordneten steckt.

Jeder Privatmensch weiß: Wenn man eine Immobilie kauft, sagen wir mal: für 700.000 Euro, dann hat das „finanzielle Auswirkungen“.

Nämlich die, dass man anschließend 700.000 Euro weniger auf dem Konto hat – oder bei jemand anderem mit diesem Betrag in der Kreide steht.

Jeder Privatmensch weiß auch: Wenn man diese Immobilie später verkauft, sagen wir: für 200.000 Euro, dann hat auch das „finanzielle Auswirkungen“.

Zum einen die, dass man 200.000 Euro Einnahmen verbuchen kann, zum anderen aber auch, dass man man auf einer Differenz von 500.000 Euro sitzenbleibt.

So weit, so wenig überraschend. Das ist keine höhere Mathematik, das ist das kleine Einmaleins.

Überraschend ist, dass Regeln, die JEDER PRIVATMENSCH KENNT, für den Fachbereich Stadtentwicklung der Stadt Minden unter dem Baubeigeordneten Lars Bursian nicht zu gelten scheinen.

Die Sitzungsdrucksache Nr. 265/2020 mit Datum vom 14.12.2020, die der Fachbereich 5.2 erstellt hat für die Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr“ am 20. Januar 2021, wirft ein bemerkenswertes Licht auf die Rechenkünste des Fachbereichs.

Zu den „finanziellen Auswirkungen“ des Verkaufs der Grundstücke am Rampenloch heißt es in der abschließenden Bewertung: „Die Personal und Sachkosten bewegen sich im üblichen Budget des Fachbereiches.“ (Zeichenfehler im Text stammen aus dem zitierten Originaldokument.)

“Invisible
Ausschnitt aus Sitzungsdrucksache 265/2020 der Stadt Minden

 

Das war’s auch schon: Sachkosten, Personalkosten, übliches Budget – fertig mit den „finanziellen Auswirkungen“.

Kein einziges Wort über Einnahmen aus dem Immobilienverkauf, der dem Ausschuss ein paar Seiten vorher noch für „200.000 Euro“ zum Beschluss empfohlen wird.

Und erst recht kein Wort darüber, dass sich weitere „finanzielle Auswirkungen“ aus dem Umstand ergeben, dass die zu veräußernde Immobilie mit einem Wert von 688.494,83 Euro in den Büchern der Stadt geführt wird.

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Ausschnitt aus dem „Bericht über die Prüfung des Jahresabschlusses 2019“ der Stadt Minden

Screenshot aus Rechnungsprüfungsbericht Stadt Minden 2019

Ausschnitt aus der „Anlage 6 zum Jahresabschlussbericht 2019“ der Stadt Minden

Screenshot aus Anlag 6 zum Rechnungsprüfungsbericht 2019

Aus diesen Zahlen ergeben sich nämlich sehr wohl „finanzielle Auswirkungen“: ein Minus nämlich von 488.494,83 Euro für die Stadt Minden und ihre Bürger.

Knapp eine HALBE MILLION EURO Verlust – und dem Baubeigeordneten ist das kein einziges Wort wert? 

Das ist umso erstaunlicher, als der Baubeigeordnete Bursian in anderen Fällen nicht müde wird, selbst die kleinsten „finanziellen Auswirkungen“ pflichtbewusst auflisten zu lassen.

Ein Beispiel: gleiche Sitzung am 20. Januar 2021, aber anderer Tagesordungspunkt. Um was es im Detail geht: gar nicht wichtig. Wichtig ist der Blick in die Sitzungsdrucksache 264/2020.

Dort heißt es in der Bewertung bei „finanziellen Auswirkungen“: „Bis auf die Kosten für die Veröffentlichung der Beschlüsse im MT entsteht kein außerordentlicher Aufwand.“

“Invisible
Ausschnitt aus Sitzungsdrucksache 264/2020 der Stadt Minden

Was mag so eine amtliche Bekanntmachung im MT kosten? Einige hundert Euro? Etwas weniger? Etwas mehr?

Jedenfalls war es dem Baubeigeordneten Bursian in dieser Sache sehr wichtig, auf die paar hundert Euro, die als Kosten entstehen, ausdrücklich und ganz deutlich hinzuweisen.

Aber eine knappe halbe Million ist ihm kein einziges Wort wert? Ernsthaft jetzt?

Was mag dahinterstecken: hinter dieser 500.000-Euro-Ungenauigkeit? Ist es eine angeborene Rechenschwäche? Ahnungslosigkeit? Schlichte Schlampigkeit? Oder: glatter Vorsatz, also ganz bewusstes Unterschlagen?

Wen will man HINTERS LICHT FÜHREN? Die Ausschussmitglieder? Die Öffentlichkeit? Die Bürger der Stadt?

Weil man weiß, welch ungeheuren finanziellen Schaden man ihnen zufügt? Und es jetzt zu vertuschen versucht?

Die Mitglieder des Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr, allen voran ihr Ausschussvorsitzender Ulrich Luckner, tun jedenfalls gut daran, den Urhebern dieser Sitzungsdrucksache mit allergrößtem Misstrauen zu begegnen. Und sie in der Sitzung am 20. Januar 2021 zur Rede zu stellen.

Das Herz der Stadt wird es genau beobachten. Wir sehen uns!

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Autor Edgar Wilkening

AUTOR
Edgar Wilkening. Hält Günstlingswirtschaft für eines der Grundübel der Gesellschaft. Er hat in Hamburg u.a. an der Entwicklung der HafenCity mitgewirkt. Hätte dem Rampenloch gewünscht, dass es ebenso umsichtig entwickelt worden wäre.

Mit dem Ausstieg von Architektin Astrid Engel aus dem Interessenbekundungsverfahren zum Rampenloch ist nunmehr das Feld bereitet, damit sich in Minden zurechtklüngeln kann, was sich schon immer zusammenklüngeln wollte und sollte.

Im Rennen um das innerstädtische Filetstück in Mindens Oberer Altstadt sind jetzt noch die Entwürfe der Firmen Bautec und Büro Parallel.

Das in Hille angesiedelte Bauunternehmen Bautec mit Aushängeschild Architektin Bettina Lauer hatte in der ersten Phase des Verfahrens ein gerade mal vierseitiges Word-Dokument abgeliefert, das mit blumigen Absichtsbekundungen und nettem Katzenbildchen punkten konnte.

In der offiziellen Bewertung durch Mindens Stadtplanung unter dem Baubeigeordneten Lars Bursian gab es im Mai 2020 viel Lob dafür und bemerkenswerte 6,8 von zehn möglichen Punkten. Respekt! Katzenbildchen funktionieren in Minden noch immer.

Noch besser schnitt nur das Konzept des Mindener Büro Parallel von Architekt Thomas Engel ab. Seine Entwürfe überzeugten mit konsequent mittelmäßigem Vorstadtszenario bei schon sehr genauer Detailplanung.

Wo kommt das Klo hin? Wo der Fernseher? Wo das Bett? Damit kann man in MINDENS STADTPLANUNG offenbar was anfangen.

Die Stadtplaner spendierten dem Konzept in der ersten Phase herausragende acht von zehn möglichen Punkten. Chapeau!

Bautec oder Büro Parallel: Wer von diesen zwei verbliebenen Kandidaten das Rennen machen wird, liegt jetzt in den Händen des „Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr“.

Der soll in seiner Sitzung am 20. Januar 2021 entscheiden, wem das geschichtsträchtige Rampenloch-Areal für die weitere Planung in Phase drei „anhandgegeben“ wird.

Immerhin geht’s um einiges! Nicht nur um eines der wertvollsten Filetstücke in Mindens Innenstadt – sondern vor allem auch um etwa 500.000 Euro, die die siegreiche Baufirma von Mindens Bürgern als „Zuschuss“ obendrauf bekommt. Begrüßungs-Bonus quasi.

Nein, „Zuschuss“ ist nicht der offizielle Begriff, den Verwaltung und Politik verwenden.

Beim Wort „Zuschuss“ könnten womöglich sogar die Bürger Mindens ahnen, dass sie für etwas bezahlen müssen, von dem sie selbst am Ende gar nichts haben – der siegreiche Investor dafür aber umso mehr.

Deshalb sprechen Verwaltung und Politik nicht von „Zuschuss“. Sondern AM LIEBSTEN GAR NICHT über dieses Thema.

Womöglich wäre zu offensichtlich, was im Hintergrund läuft, wenn Stadtplanung und Rat öffentlich einräumen würden, dass sie ein Areal, das mit einem Wert von exakt 688.494,83 Euro in den Büchern der Stadt geführt wird (Stand 2020), hergeben zum Preis von 200.000 Euro – also mit knapp 500.000 Euro Nachlass.

Werden mit diesem „Zuschuss“ vielleicht günstige Wohnungen gefördert? Mit Mietpreisbindung? Der Quadratmeter bei vier bis fünf Euro? Für sozial Schwache? Das wäre ja noch okay …

Aber nein, das schließen die Stadtplaner ganz offiziell aus: „Ein Mietpreis im Rahmen der Vorgaben des sozialen Wohnungsbaues ist wohl erkennbar nicht zu realisieren“, heißt es in der Bewertung des Konzepts der Firma Bautec im Januar 2021.

Sozial verträgliches Wohnen, wie es gerade von der SPD immer wieder propagiert worden war für das Rampenloch, wird nicht entstehen. Eine moralische Bankrotterklärung ersten Grades. Allerdings: Wen wundert das noch im Fall SPD?

Fakt ist: Wohnen am Rampenloch wird teuer. Zehn bis elf Euro Kaltmiete kalkuliert beispielsweise das Büro Parallel in seinem Szenario. Bis der erste Mieter tatsächlich einzieht, kann sich dieser Wert nochmal deutlich erhöhen. Nur Besserverdiener werden sich das leisten können.

Nein, für „sozialen Wohnungsbau“ wird der 500.000-Euro-Zuschuss nicht vergeben.

Der 500.000-Euro-Zuschuss von Mindens Bürgern dient schlicht und einfach dazu, dass die Investoren auf IHRE ZIELRENDITE von mindestens 3,5 % kommen, die sie sonst aus eigener Kraft nicht schaffen.

Eine Ungeheuerlichkeit, ja. Aber auch ein offenes Geheimnis. Denn niemand in Verwaltung und Politik widerspricht dem.

Statt zu widersprechen, spricht man lieber gar nicht darüber. Dann merkt der doofe Bürger vielleicht nichts.

Selbst Mindens Baubeigeordneter Lars Bursian erklärte auf Nachfrage in der Ratssitzung am 30. November 2020, dass es ihm gar nicht darauf ankomme, das investierte Geld wieder zurück zu erwirtschaften.

Bemerkenswert: öffentliche Almosen eines mildtätigen Baubeigeordneten an renditeschwache, bedürftige Immobilienfirmen?

Hat irgendjemand vielleicht verfolgt, wie sich Immobilienpreise in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt haben? Gerade in innerstädtischen Bereichen?

Überall gehen die erzielten Erlöse Quartal für Quartal durch die Decke. Nur der Stadt Minden gelingt es nicht, ein zentral gelegenes Filetstück mit Gewinn zu veräußern? Oder wenigstens: ohne Verlust! Das wäre ja schon mal was.

Man macht noch nicht einmal den gedanklichen Versuch, die verauslagte Summe zurückzubekommen? Sondern legt stattdessen 500.000 Euro Geld der Bürger dazu, damit sich jemand für das Filetstück findet? Verrückte Welt.

Was steckt dahinter, wenn ein öffentlicher Apparat seine Kronjuwelen WEIT UNTER WERT verjubelt? Eine vetternwirtschaftsnahe SPD? Ein Filz aus Klüngel und Konsorten?

Man findet Antworten, wenn man sich den Hintergrund der beiden verbliebenen Kandidaten im Rennen ums Rampenloch ansieht. Beide pflegen beste Beziehungen in Verwaltung und Politik.

Bettina Lauer rückte bei der Kommunalwahl im September 2020 für die Mindener SPD in den Stadtrat. Dass die im Rat nach Sitzzahl führenden Sozialdemokraten der langgedienten Genossin den Erfolg am Rampenloch verwehren werden: schwer vorstellbar.

Weil man wohl ahnte, dass selbst den Medien der Hofberichterstatter dann auffallen könnte, dass etwas faul ist, hat man rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen. Wozu ist man eine Partei mit 150 Jahren Geschichte, wenn man nicht gelernt hätte, wie das geht?

Gegenüber dem Mindener Tageblatt offenbarte die Architektin im November 2020, sie habe Interesse an der Mitarbeit im „Bauausschuss“ gehabt – also genau dem Gremium, das am 20. Januar 2021 über die Vergabe des Rampenlochs entscheiden wird. Das, so die Zeitung weiter, habe die SPD-Fraktion der Architektin aber verwehrt – wegen „Interessenkonflikten“.

Kluger Schachzug. Ehe man sich später dem Vorwurf der Klüngelei aussetzt, unternimmt man lieber vorher etwas, damit man dann umso vorwurfsfreier klüngeln kann.

Dabei hätte Architektin Lauer im Bauausschuss beim Tagesordungspunkt „Rampenloch“ wohl kaum mitreden und abstimmen können – gerade wegen Befangenheit beim Thema. Das sieht die Geschäftsordnung so vor. Sie hätte den Raum verlassen müssen und wäre später wieder hineingebeten worden.

Der SPD-Fraktion hat das offenbar nicht gereicht, um sich abzusichern – vielleicht, weil man schon damals wusste, wie man in Sachen Rampenloch entscheiden will. Deshalb hat man der Architektin schon frühzeitig den Zugang zum Ausschuss verwehrt.

Dabei wäre gerade in diesem Gremium jede fachliche Hilfe dringend vonnöten, um der Verwaltung etwas mehr Kompetenz entgegenzusetzen.

Aber so ist es in der SPD offenbar: Lieber verzichtet man auf FUNDIERTE FACHKENNTNIS in einem Ausschuss als sich den Weg zum Klüngeln zu verbauen.

Und auch die Stadtplaner der Verwaltung wissen, wie sie den Wünschen der seit vielen Jahren stärksten Partei im Rat einen Gefallen tun können.

„Seitens der Verwaltung wird daher empfohlen den dritten Schritt des IBV-Rampenloch der Fa. Bautec (…) zu übertragen“, heißt es in der aktuellen Beschlussvorlage für den 20. Januar 2021, in der das Konzept von Bettina Lauer jetzt auf 7,35 von zehn Punkten kommt. (Zeichenfehler in der oben zitierten Passage stammen aus dem Originaltext und wurden hier nicht verändert.)

Damit hat die SPD nicht nur den potenziellen Vorwurf der Parteinahme für ihre Genossin von langer Hand aus dem Weg geräumt, sondern kann auch noch auf die offizielle Empfehlung der angeblich neutralen Experten aus der Stadtplanung verweisen.

Was für ein Coup! Im Vorfeld alles doppelt und dreifach abgesichert. Da soll sich der doofe Bürger ruhig mal beschweren hinterher, es sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen …

Andererseits sollte man das Büro Parallel von Architekt Thomas Engel nicht unterschätzen, selbst wenn sich sein Entwurf in der aktuellen Bewertung mit 6,7 von zehn Punkten begnügen muss.

Auch Engel ist bestens bekannt in Verwaltung und Politik. Gerade in den letzten Wochen hat er viel öffentliche Wahrnehmung bekommen, weil er ein anderes, großes Interessenbekundungsverfahren der Stadt Minden (am Mittelweg) für sich entscheiden konnte.

Lauer oder Engel? Bautec oder Büro Parallel? Zwischen diesen beiden wird es sich letztlich entscheiden.

Dabei gäbe es durchaus noch EINE DRITTE OPTION. Die allerdings ist so klug, dass sie für Mindens Politik vermutlich schon deshalb nicht in Frage kommt.

Sie lautet: Das von Anfang an mit grundlegenden Fehlern aufgestellte Vergabeverfahren anhalten.

Nachdenken. Neu denken. Klug denken. Das Verfahren neu aufsetzen. Kluge Köpfe an die Spitze setzen. Kluge Kriterien entwickeln. Klüngel unterbinden. Den vollen Grundstückswert als Verkaufspreis anstreben.

Und endlich, endlich das allererste Mal die Frage stellen: Wie können wir das Beste aus dem historischen Areal am Rampenloch machen?

Damit es Nutzen stiftet für alle Bürger und die gesamte Stadt. Nicht nur für ein paar Klüngelköppe und Top-Verdiener.

Kluger Ansatz. Viel zu klug …

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Autor Edgar Wilkening

AUTOR
Edgar Wilkening. Initiator von „Das Herz der Stadt“. Arbeitete für Medienhäuser wie Axel Springer, Gruner + Jahr, Handelsblatt, NDR, ZDF, RTL, Sat.1 etc. Mitglied im Deutschen Journalisten Verband DJV, Landesgruppe Hamburg seit 1993.

Nein, es ist kein leiser Abschied, den Architektin Astrid Engel da hinlegt. Es ist eher ein Donnerschlag.

In den vergangenen Jahren war die Mindenerin so etwas wie die Gallionsfigur bürgerlichen Engagements für das historische Areal am Rampenloch geworden.

Mit zahlreichen Initiativen, Statements und Vorschlägen hatte sie sich immer wieder dafür eingesetzt, das einzigartige Narrativ des Ortes zu bewahren. Und das Gelände so zu entwickeln, dass es Nutzen stiftet für alle Mindener und die gesamte Stadt – nicht nur für ein paar wenige Top-Verdiener.

Wenn ausgerechnet diese Person aussteigt aus dem öffentlichen Wettbewerb ums Rampenloch, wirft das ein bemerkenswertes Licht auf das gesamte Verfahren. Denn jetzt sind nur noch zwei profitgetriebene Player der Immobilienbranche im Rennen.

Dem Herz der Stadt liegt das interne Dokument vor, mit dem Architektin Astrid Engel sich aus dem „Interessenbekundungsverfahren Rampenloch“ verabschiedet. In weiten Strecken liest es sich wie eine Generalabrechnung mit Mindens Stadtplanern, die ohne Not ihre Kronjuwelen verjubeln, statt deren Wert und Möglichkeiten auch nur im Ansatz auszuloten.

Nein, das ist kein leises Servus. Sondern beinhaltet auf jeder Seite die unausgesprochene Frage: „Was soll der Stuss?“

Exklusiv auf Das Herz der Stadt: DAS ORIGINAL-DOKUMENT hier als PDF-Datei für Sie zum Download.

Schon am 29. Oktober 2020 hatte Engel das Dokument offiziell bei der Stadt Minden eingereicht. Es war der Stichtag von Phase 2 des Interessenbekundungsverfahrens, bis zu dem Bewerber ihre Konzepte für das Rampenloch-Areal abgeben konnten.

Seitdem ist fast ein Vierteljahr vergangen. Und wer in dieser Zeit die Medien der Hofberichterstatter verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen:  keine Meldungen, keine Schlagzeilen – läuft wohl alles prächtig am Rampenloch. Die Wahrheit sieht, wie meistens, anders aus.

„Das Interessenbekundungsverfahren als stadtplanerisches Instrument ist ganz bewusst extrem niedrigschwellig angelegt“, erläutert Architektin Engel im Gespräch. „Es soll eine Einladung sein an möglichst viele Menschen und Interessengruppen, sich an einem Entwicklungsprozess zu beteiligen und Vorschläge zu machen. Damit unterscheidet es sich ganz deutlich zum Beispiel von einem Architektenwettbewerb.“

Doch aller Niedrigschwelligkeit zum Trotz: Schon an Phase 1 des Rampenloch-Verfahrens, die von Januar bis März 2020 lief, beteiligten sich ausschließlich „Profis“. Gerade mal drei Architekturbüros bzw. Baufirmen reichten Vorschläge ein. Kein einziger Normalbürger, keine Interessengruppe. Was für ein Witz.

Dabei hatte der Initiator des Verfahrens, der Baubeigeordnete Lars Bursian, noch höchstpersönlich in Gesprächen einzelne Bürger und Personen zur Teilnahme ermuntert. Letzlich winkten die offenbar alle ab.

„Der wollte einfach möglichst viele Konzepte haben, um damit zu zeigen, wie toll sein Verfahren läuft“, sagt einer der Angesprochenen im vertraulichen Gespräch, möchte seinen Namen hier aber nicht genannt sehen.

Wenn sich aber ohnehin keine Normalbürger am Verfahren beteiligen, hätte man auch gleich einen richtigen Architektenwettbewerb ausloben können – mit dann wahrscheinlich deutlich mehr und deutlich hochkarätigeren Ergebnissen.

Es offenbart die grundlegenden KONSTRUKTIONSFEHLER, die der Baubeigeordnete der Stadt Minden ins Verfahren einbaute.

Das begann mit der Fehlanalyse des Rampenloch-Potenzials durch WoltersPartner aus Coesfeld, die man als externe Berater für die Obere Altstadt eingekauft hatte.

Es schloss sich an: Das Rampenloch nur als nützliche Verhandlungsmasse zu betrachten beim Schachern mit anderen Immobilieneigentümern der Oberen Altstadt.

Es ging weiter mit dem Nicht-Erkennen des einzigartigen historischen Narrativs am Rampenloch, wo der Staat Preußen und Stadtkommandant Ernst-Michael von Schwichow Anfang des 19. Jahrhunderts Geschichte geschrieben hatten.

Es folgte die totale Fixierung der Stadtplaner auf Wohn-Nutzung am Rampenloch, die nie und nimmer eine Refinanzierung der 642.500 Euro teuren Grundstücke wird erwirtschaften können – weshalb letzlich Mindens Bürger für den Profit der Immobilienfirmen werden zahlen müssen: per Nachlass auf den Verkaufspreis.

Es wurde ein Kriterienkatalog entwickelt, der Mittelmäßigkeit zum Maß aller Dinge machte – statt ein einziges Mal die Frage zu stellen: „Wie können wir das Beste aus der historisch einmaligen Chance am Rampenloch machen?“

… und so weiter und so weiter.

Das Interessenbekundungsverfahren, wie es der Baubeigeordnete Lars Bursian eingefädelt hatte, beinhaltet so viele grundlegende Fehler, dass es von Anfang an auf tönernen Füßen stand. Ein Rohrkepierer mit Ansage.

Die beschämend geringe Bewerberzahl in Phase 1 hätte selbst die Stadtplaner, vor allem aber die Politik stutzig machen müssen. Stattdessen klopfte man sich zufrieden auf die Schultern und ging den eingeschlagenen Weg unverdrossen weiter: Augen zu und durch.

Fehler passieren. Aber der größte ist und bleibt: Fehler nicht zu korrigieren, wenn man vielfache Hinweise darauf bekommt.

Heute steht man da mit geradezu LÄCHERLICH WENIGEN KONZEPTEN – bei einem Projekt, das eine Chance für die ganze Stadt gewesen wäre.

Architektin Astrid Engel hatte sich bei ihrem Vorschlag ganz bewusst nicht an die aus ihrer Sicht falschen Vorgaben der Stadt gehalten. Stattdessen wagte sie einen kühnen Entwurf, der das historische Narrativ des Rampenlochs in Architektur umsetzen wollte.

Teils spektakuläre Details, die Minden eine Wahrnehmung weit über die Stadtgrenzen hinaus hätten verschaffen können, heben Engels Konzept deutlich über jedes Mittelmaß hinaus.

    • Das Rampenloch als öffentlichen Ort zu definieren, der allen Menschen in hohem Maße offensteht – statt das Areal in rein private Parzellen zu verwandeln, die dann der Öffentlichlichkeit verschlossen bleiben.

    • Die Nutzung als „Red Light Lab“, das die Geschichte des Rampenlochs aufgreifen und in zeitgemäßer Form fortschreiben wollte als Innovationszentrum für junge, unternehmungslustige Menschen.


    • Das begrünte Dach, das öffentlich für jedermann begehbar gewesen wäre und die Möglichkeit geboten hätte, vom „Sky View“ einen Blick über die Dächer der Altstadt zu werfen.


    • Die Formgebung, mit der es als wahrscheinlich erstes Gebäude der Welt seine Adresse in der Kubatur widerspiegeln sollte: mit einer „Rampe“ und einem „Loch“.

    • Das zentral gelegene Foyer mit Café-Bistro, kleiner Bühne, Veranstaltungsbereich – als lebendiger Treffpunkt im Quartier und Einladung zum Schlendern.

    • Der öffentliche Konferenzraum, der allen Bürgern Mindens für Treffen und Besprechungen zur Verfügung gestanden hätte – geregelt über ein digitales Zugangssystem mit eigener App.

    • Das „Museum für preußische Bordellkultur“ mit Entertainment-Charakter als Touristenmagnet.

… und, und, und. Ein wahres Füllhorn bewegender Ideen und innovativ gedachter Architektur.

Viele, die das Konzept gelesen hatten, waren voller Vorfreude auf die Realisation und hatten goße Hoffnungen auf junges Treiben und öffentliches Leben am Rampenloch.

Nicht so Mindens Stadtplaner. „Das Urteil der Fachabteilung für mein Konzept war vernichtend“, gesteht Engel.

In der offiziellen Bewertung durch die Verwaltung erhielt Engels Vorschlag von allen drei Konzepten mit weitem Abstand die schlechteste Note: gerade mal 3,5 von zehn möglichen Punkten.

Selbst vor NACHPRÜBAR FALSCHEN AUSSAGEN schreckte man in der Verwaltung nicht zurück – nur um die katastrophal schlechte Punktzahl „begründen“ zu können.

„Ich war schockiert, als ich in der offiziellen Bewertung las, ich hätte den ‚Rahmen der ortsüblichen Bebauung‘ bei meinem Vorschlag überschritten“, berichtet Engel.

Für die Architektin klang das wie: „Lern doch erstmal dein Handwerk, Kindchen.“ Offenbar genau der Eindruck, den die Verwaltung öffentlich suggerieren wollte.

„Ich hab mich sofort an den Schreibtisch gesetzt und das überprüft“, erzählt Engel weiter. „Das Ergebnis: Gefordert sind 20 bis 30 Prozent Freifläche bei der Bebauung – mein Vorschlag bietet sogar 37,5 Prozent Freifläche, also weit mehr als die geforderte Zahl und fast das Doppelte des geforderten Mindestwerts.“

Die Fakten sprechen für sich. Wer angesichts dessen trotzdem zu der Einschätzung kommt, Engel habe „den Rahmen überschritten“, verfügt entweder nicht über ausreichende Fachkompetenz – oder er stellt bewusst falsche Behauptungen auf, um Personen zu beschädigen. In beiden Fällen gilt: In einer städtischen Verwaltung hat so jemand nichts verloren.

Gibt es noch mehr solcher Falschaussagen? „Ja, gibt es“, sagt Engel, „aber ich will das nicht in aller Öffentlichkeit diskutieren.“ Schließlich sitzt Verwaltung immer an einem ziemlich langen Hebel und kann Menschen das Leben ungemütlich machen.

Trotzdem ist die Strategie hinter den amtlichen Falschaussagen offensichtlich. Kaum ein Stadtverordneter wird der Verwaltung zutrauen, dass sie ganz gezielt lügt; andererseits fehlen den Politikern meist die Möglichkeiten, offizielle Einschätzungen der Verwaltung fachlich zu überprüfen. Was hängenbleibt, ist ein Eindruck, ein Gefühl: Diese Kandidatin beherrscht nicht mal das kleinste Einmaleins.

„Man hat mir aus der Verwaltung auf sehr vielfältige Weise zu verstehen gegeben, dass man mein Konzept nicht will und ich chancenlos bin“, sagt Engel. „Nicht nur durch Falschaussagen und schlechte Bewertungen.“

Deshalb war es für sie am Ende ein Gebot der Wirtschaftlichkeit, sich nicht mehr am weiteren Vergabe-Prozess zu beteiligen.

Ein Alibi-Konzept abliefern? Als dritten Vorschlag im Wettbewerb? Nur damit die Verantwortlichen sich auf die Schulter klopfen und ihre DILETTIERENDE ARBEIT kaschieren können?

Das kam für die Architektin nicht in Frage: ein Konzept abzugeben, das chancenlos ist und öffentlich ausgebuht wird, aber den Eindruck vermittelt hätte, die Stadtplanung habe gute Arbeit geleistet, weil sie dem Rat eine breite Auswahl auf den Tisch legt.

„Meine eigene Arbeit und die der Spezialisten in meinem Team ist viel zu wertvoll, um sie in einem zwielichtigen Spiel zu verheizen“, ergänzt die Architektin. Dann lieber der selbstbewusste Rückzug.

Denn überall, wo nicht einmal vor Falschaussagen und Unwahrheiten zurückgeschreckt wird, um kluge Köpfe zu diskreditieren und eigene Unzulänglichkeiten zu vertuschen, da ist der Weg nicht mehr weit bis zu Klüngel und Konsorten.

Am Rampenloch ist das Feld dafür bereitet. Wir werden es sehen …

Dokument exklusiv zum Download

Das Original-Dokument exklusiv veröffentlicht auf Das Herz der Stadt

Dokument exklusiv zum Download

Das offiziell bei der Stadt Minden eingereichte Dokument, mit dem die Architektin Astrid Engel ihren Ausstieg aus dem „Interessenbekundungsverfahren Rampenloch“ verkündet und begründet.

PDF-Format, 545 KB Dateigröße, 8 Seiten DIN A4, plakativ gestaltet, kostenlos zum Download.

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