Totgesagte leben eben länger: Die ISG Obermarkt-Quartier in Minden

Totgesagte leben eben länger:
Die ISG Obermarkt-Quartier in Minden

Totgesagte leben eben länger:
Die ISG Obermarkt-Quartier in Minden

Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening

Wie Phoenix aus der Asche: Vom 18. August bis zum 21. September 2023 gibt’s den Opermarkt in der Mindener Obermarktstraße unter dem Motto „Wagner mal ’nen Blick“ – nämlich in die Schaufenster der teilnehmenden Geschäfte. Veranstalter: die ISG Obermarkt-Quartier.

Die WER???

Gute Frage. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Denn erstens: Wer soll das sein? Und zweitens: Die gibt’s noch???

Mit vollem Namen heißt die ISG „Immobilien- und Standortgemeinschaft Obermarkt-Quartier e.V.“ Ihr Ziel: Das Quartier Obermarkt und die angrenzenden Bereiche in Mindens Altstadt aufzuwerten und zu entwickeln.

Gegründet wurde der Verein Mitte der Nuller-Jahre, ursprünglich mal als „ISG Ratsquartier Minden“. Als man sie da nicht mehr gebrauchen konnte, den Verein aber schon mal an der Backe hatte, wurde er 2007 umgewidmet zur heutigen „ISG Obermarkt-Quartier“.

Die ISG blickte in den Abgrund: der Tag der Liquidation?

Offenbar der Beginn einer wechselhaften Geschichte – die 2021 beinahe mit der Auflösung des Vereins geendet hätte. Nicht etwa, weil man sein Ziel erreicht und das Obermarkt-Quartier zu einem fulminant attraktiven Ort entwickelt hätte. Sondern weil man müde war.

Ich erinnere mich an einen Montagabend im November 2021. Im Restaurant Plaka hatten sich die letzten verbliebenen Vereinsmitglieder versammelt und wollten nur noch den Beschluss zur Liquidation des Vereins eintüten.

Doch dazu kam es nicht. Denn just an diesem Abend waren durch glückliche Umstände viele neue Gesichter in der Runde dabei. So viele, dass die Vereinsmitglieder Hoffnung schöpften: Würde eine neue Generation vielleicht doch die Geschicke des Vereins weiterführen? Jedenfalls wurde die Auflösung an diesem Abend vertagt.

Architektin Astrid Engel (Lebensgefährtin des Autors) fasste damals einen kühnen Entschluss: Die ISG zu retten und die bestehende Struktur zu nutzen, um Dinge für das Quartier anzuschieben. Mit neuem Mut, neuer Kraft, neuem Netzwerk und vor allem: mit neuen Ideen.

Sie warb in vielen Gesprächen für die ISG; sie versuchte alte Recken, die längst das ISG-Handtuch geworfen hatten, neu zu motivieren; sie entwickelte Pläne für einen Aufbruch des Vereins in die Neuzeit. Und war damit ziemlich allein.

Dunkle Intrige: Die Stillstand-Fraktion arbeitet mit allen Mitteln

Als in einer Sitzung im Sommer 2022 der alte Vorstand des Vereins endlich Platz machen wollte für neue, jüngere Leute, hatten ein stadtbekannter Butzemann und sein persönliches Umfeld längst eine dunkle Intrige gesponnen: üble Nachrede gegen Astrid Engel (und auch den Autor) gehört da noch zum Harmloseren.

Als selbst das nicht fruchtete, um Astrid Engel von ihrem Engagement abzubringen, holte man die Nazi-Keule raus. O-Ton in einer WhatsApp-Gruppe, die den Namen „Die ISG von morgen“ trug:

„Ich verabschiede mich aus dieser Gruppe aufgrund von Edgar (Wilkening) und Astrid (Engel / Anmerkungen des Autors) und ihrer Nähe zur AFD.“

Klingt abenteuerlich absurd? Hier kommt der Beweis – als einer von vielen, die festgehalten wurden.

Screenshot mit übler Nachrede in WhatsApp-Gruppe

Screenshot einer Nachricht in der WhatsApp-Gruppe „Die ISG von morgen“ vom 29. Juni 2022

Ein totes Pferd als Sprachrohr? Auf eine so bekloppte Idee muss man erstmal kommen. Es waren wohl nicht die hellsten Kerzen auf der ISG-Torte, die da die Gruppe verlassen haben.

Dennoch hatte die Intrige offenbar gewirkt. In ihrer Sitzung am 4. Juli 2022 im Restaurant Dell‘ Amore wählten die Vereinsmitglieder nicht etwa die seit Wochen leidenschaftlich arbeitende Astrid Engel, die sich initiativ beworben hatte, zur Vorsitzenden, sondern eine Dame aus dem Umfeld des Butzemanns. Na schön, so geht Demokratie.

Danach passierte, was in Minden immer passiert: nichts.

Neue Ideen? Neue Pläne? Neue Ansätze? Die neue ISG-Vorsitzende war heillos überfordert

Die frisch gekürte Vorsitzende war offenbar heillos überfordert. Neue Ideen? Null. Neue Pläne? Nein. Neue Ansätze? Nix. Nicht mal die Eintragung des neuen Vorstands im Vereinsregister hat die Butzemann-Dame hingekriegt. Totalausfall.

Ein Jahr Stillstand später: neue Sitzung, neue Wahlen. Und wieder warf Astrid Engel ihren Hut in den Ring. Warum tut sie sich das an?, fragten viele. Antwort: Die Obermarktstraße sei ihr zu wichtig, die eingeführte Vereinsstruktur zu wertvoll, um einfach alles aufzugeben wegen ein paar Leuten. Das nennt man wohl Durchhaltevermögen. Echtes Standing.

Und dieses Mal kamen immerhin genügend Stimmen zusammen: Seit Frühsommer 2023 ist Astrid Engel die neue Vorsitzende der ISG Obermarkt-Quartier, begleitet von einem Team unternehmungsfreudiger, handlungsfähiger Menschen im Vorstand.

Dass diese Entwicklung nicht allen schmeckte, zeigte sich schon wenige Tage später, als die ersten Vereinsaustritte eintrudelten. Gewerbetreibende, die ihre eigene Standort-Vertretung genau dann verlassen, wenn etwas Neues beginnt? Man kann nur mit dem Kopf schütteln. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen lieber bei Amazon & Co. bestellen.

Austreten, wenn etwas Neues beginnt? Kein Wunder, wenn Amazon & Co. die Gewinner sind

Astrid Engel focht das nicht an. Kaum gewählt, machte die neue Vorsitzende sich mit ihrem Team an ihr erstes ISG-Projekt.

„Ich wollte einfach keine Zeit verlieren, denn dieses ewige Nichtstun schadet der Straße, dem Quartier und letztlich der ganzen Stadt“, sagt die Macherin. So viel Tatkraft würde man sich öfter wünschen von Menschen, die sich in Minden Stadtentwicklung auf die Fahnen schreiben.

Den Aufhänger für das Projekt lieferte der Richard-Wagner-Verband Minden, der aktuell im Mindener Stadttheater die Wagner-Oper „Parsifal“ inszeniert.

Die Idee: Wie wäre es, wenn die Obermarktstraße rund um die Premiere am 8. September 2023 zur Opermarktstraße würde? Der Opermarkt war geboren.

Digital Banner aus Wagner-Oper

Eines der animierten Gifs, die auf den Opermarkt aufmerksam machen

Wenn Requisiten aus Theater-Inszenierungen reden könnten, sie hätten wohl so einiges zu erzählen: Wer mit wem? Was geschah danach? Wie ging es weiter? Und überhaupt …

Der Opermarkt lässt Requisiten und Objekte aus zwanzig Jahren Wagner in Minden ihre verborgenen Geheimnisse erzählen. Zu sehen unter dem Motto „Wagner mal ’nen Blick“ in die Schaufenster der teilnehmenden Geschäfte der Obermarktstraße – ’tschuldigung: der Opermarktstraße natürlich!

Für Besucher früherer Wagner-Inszenierungen wird es da emotionale Wiedersehen geben. Denn Lohengrins Schwan ist ebenso dabei wie die Boote aus dem Bühnenbild von Tristan und Isolde und natürlich das legendäre Rheingold. Und alle Objekte werden Aufregendes oder Amüsantes berichten, das sie erlebt haben oder was ihnen seit damals widerfahren ist.

Die Eröffnung des Opermarkt, das Grand Operning sozusagen, findet am Freitag, 18. August 2023 um 18:30 Uhr statt. Ort: Obermarkstraße, Treppe Ecke Opferstraße. Oder um im Sound des Events zu bleiben: Opermarktstraße, Treppe Ecke Operstraße.

Neben Mindens Bürgermeister Michael Jäcke und der Vorsitzenden des Richard-Wagner-Verbands Dr. Jutta Winckler werden zahlreiche weitere Gäste aus Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft erwartet.

Feierliches Ope(r)ning und Premiere für die Video-Retrospektive

Die musikalische Begleitung übernehmen Moritz Glöckner und Frieder Hoffmann mit ihren Trompeten. Durch das Programm führt Martin Bornemeier. Die ISG Obermarkt-Quartier lädt alle Bürger und Interessierten herzlich zur Eröffnung ein.

Im Schaufenster Obermarktstraße 17 wird zudem ein Video gezeigt, das eine bewegende Retrospektive auf zwanzig Jahre Wagner-Schaffen in Minden präsentiert – inklusive dem „Einzug der Gäste“ im Tannhäuser aus der Inszenierung 2005, bei der die ganz in Weiß gekleideten Mindener Bürger dabei waren.

Die Opermarkt-Ausstellung ist zu sehen bis zum 21. September 2023. Und soll nach Aussage der ISG-Vorsitzenden Astrid Engel nur der Anfang sein für eine ganze Reihe sehenswerter Aktionen im Obermarkt-Quartier. Da sagt Das Herz der Stadt: Chapeau und toi, toi, toi!

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Autor Edgar Wilkening

Autor: Edgar Wilkening.
Entwickelt wegweisende Konzepte für Marken, Unternehmen und Institutionen. Wurde dutzendfach dafür ausgezeichnet.

Auf den Tag genau vor zwei Jahren: Am 21. Juli 2021 hatten wir hier freundlicherweise zwei Vorschläge publiziert, wie sich der Höhenunterschied zwischen Mindens Ober- und Unterstadt überbrücken liesse.

Damit Menschen mit Einschränkungen, Einkaufstüten, Kinderwagen oder anderen Mühsalen es künftig leichter haben mögen, von oben nach unten und von unten nach oben zu wechseln – statt die Martinitreppe rauf- und runterzukraxeln.

ALLES, WORAUF KLUGE KOMMUNEN HEUTZUTAGE EBEN ACHTEN

Wichtige Kriterien dabei für uns: Zuverlässigkeit, Kostenrahmen, Erhaltung des Stadtbilds, Ressourcenschonung, Flexibilität, Regionalität etc.

Alles, worauf umwelt- und fortschrittsbewusste, kluge Kommunen heutzutage eben so achten. Als Lösungen entwickelten wir damals:

  • erstens einen sehr persönlichen Concierge-Service
  • und zweitens einen sehr smarten Minibus-Shuttle

Den Originalbericht vom Sommer 2021 mit Details zu beiden Vorschläge finden Sie hier.

Concierge-Service an der Martinitreppe

Vorschlag 1 von Das Herz der Stadt
Der Concierge-Service

Wenn ein Mensch Hilfe braucht zwischen Oberstadt und Unterstadt: Was liegt näher, als ihm einen leibhaftigen Mensch an die Seite zu stellen?

Vorschlag: Wir richten einen persönlichen Concierge-Service ein. Ein, zwei Damen oder Herren in markanten Uniformen, die unten am Markt und oben am Martini-Kirchhof bereitstehen und jedem, der Schwierigkeiten mit der Treppe hat, helfen.

Einen persönlichen Schnack zum Wetter oder den neuesten Tratsch aus der Stadt gibt’s immer noch obendrauf. Freundliche Assistenten, die anpacken, wo es nötig ist. Service par excellence.

Minibus-Shuttle an der Martinitreppe

Vorschlag 2 von Das Herz der Stadt
Der Minibus-Shuttle

Wir schaffen einen Bus-Shuttle zwischen Markt und Martini-Kirchhof. Mini-Busse fahren heute in vielen europäischen Städten. Es gibt sie in diversen Größen und Ausstattungen. Bewährte, ausgereifte Technologie auf Elektrobasis.

Der Fahrer bzw. die Fahrerin ist bei Bedarf behilflich beim Zustieg. Und dann geht’s los – immer im Kreis herum: vom Markt über die Opferstraße hoch zum Martini-Kirchhof, von da weiter über Kampstraße, Hufschmiede runter und zurück über den Scharn zum Markt.

Der Bus hält an vielen Stationen und bietet zahlreiche Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten. Er kann sogar mehrere Routen bedienen: ab Hufschmiede über die Bäckerstraße bis zum Wesertor und von dort über den Domhof zurück zum Markt.

Dass unsere beiden Vorschläge in Mindens Politik und Verwaltung auf wenig Wohlwollen stoßen würden, war zu erwarten.

Die Betonköppe-Fraktion hatte sich längst auf einen monströsen Fahrstuhl an der Martinitreppe festgelegt: teuer, energieintensiv, störanfällig, vandalismusgefährdet – und ganz nebenbei ein ausnehmend hässlicher Dorn im Auge des Mindener Stadtbilds.

Also alles, was in klugen Kommunen heutzutage längst als unzeitgemäß gilt. Aber Betonköppe denken eben in Beton.

Und genau davon konnten, besser gesagt: wollten unsere zwei Vorschläge aus guten Gründen nichts bieten. Stichwort „Ressourcenverbrauch“, Stichwort „Flexibilität“.

"UNQUALIFIZIERTE VORSCHLÄGE" FÜR DIE MARTINITREPPE

Dann, ein Dreivierteljahr später, im Frühjahr 2022: Das schillernde Juwel der Stadtentwicklung in Mindens Verwaltungskrone, der Baubeigeordnete Lars Bursian, sprach in einer internen E-Mail an den Ältestenrat plötzlich von „unqualifizierten Vorschlägen“, die für die Martinitreppe vorlägen.

Was genau er damit meinte, ging aus der E-Mail nicht hervor. Deshalb machten wir uns an die Arbeit und führten seinerzeit einen umfangreichen Check durch.

In acht verschiedenen Kategorien liessen wir den Fahrstuhl antreten gegen Concierge-Service und Minibus-Shuttle.

Das Ergebnis war verblüffend.

Denn es gab tatsächlich einen Vorschlag, der in allen, wirklich allen acht Kategorien durchrasselte: der Fahrstuhl der Betonköppe.

Den vollständigen Check und die zugehörigen Grafiken finden Sie hier. 

Wenn ein Vorschlag so umfassend, so grundlegend durchfällt, dann hindert das Mindens Politik und Verwaltung natürlich noch lange nicht daran, genau diesen Vorschlag konsequent weiterzuverfolgen.

Ein Muster, das man seit Jahrzehnten beobachten kann. Und das die Stadt in genau den Zustand bedauernswerter Bedeutungslosigkeit geführt hat, in dem sie sich heute befindet.

Wie weit ist man also mit dem Fahrstuhl, Stand heute? Steht er schon? Läuft er längst? Wurde er schon das erste Mal ramponiert? Das zweite Mal repariert? Hilft er Menschen mit Mühsalen, die Martinitreppe zu überwinden?

Schließlich reicht der Plan dieses Fahrstuhls nicht erst ein, zwei Jahre zurück. Sondern wurde schon 2009 im „Masterplan Innenstadt“ erwähnt.

HAT MAN DEN MENSCHEN IHRE MÜHSALE ERLEICHTERT? NATÜRLICH NICHT

Haben Politik und Verwaltung in diesen sage und schreibe vierzehn Jahren eine Lösung geschaffen? Wenigstens irgendeine? Eine provisorische? Eine Übergangslösung? Hat man endlich, wie tausendfach behauptet, den betroffenen Menschen ihre Mühsale erleichtert?

Hat man natürlich nicht.

Und damit sind wir bei der Infografik, die wir vollkommen vergessen hatten.

Die Grafik zu der Frage: Wie schnell können die drei Vorschläge Fahrstuhl, Concierge-Service und Minibus-Shuttle eigentlich in die Tat umgesetzt werden? Schauen wir’s uns mal an.

Wie lange dauert die  Herstellungszeit im Vergleich?
Check Martinitreppe Grafik

Der Fahrstuhl ist ein finanzielles, planerisches und bautechnisches Großprojekt: eine Art „Stuttgart 21“ im Vergleich zu Concierge-Service und Minibus-Shuttle. Bis heute, auch nach vierzehn Jahren und mittlerweile unter dem zweiten Baudezernenten, hat man nicht mehr in der Hand als ein paar Pläne und wohlfeile Worte.

Wann der Fahrstuhl das erste Mal läuft, wann wenigstens der erste Aushub an der Martinitreppe kommt, ob in drei Jahren, fünf oder acht, ob überhaupt jemals angesichts steigender Kosten und klammer Kassen: Niemand legt da für irgendetwas seine Hand ins Feuer.

Dagegen ist die Installation eines Concierge-Service geradezu ein Klacks: Innerhalb von drei, vier Monaten hat ein guter Projektleiter das Ding am Start, inklusive Personalsuche, Ausstattung und Training. Und auch ein Minibus-Shuttle lässt sich mit gutem Projektmanagement innerhalb von neun bis zwölf Monaten auf die Beine stellen. Unter allen drei Vorschlägen der abenteuerlichste, weil mit Abstand unrealistischste: die Fahrstuhl-Lösung.

Politik und Verwaltung halten wie einbetoniert am ungeeignetsten, unrealistischsten und unwirtschaftlichsten Vorhaben fest – statt Alternativen auch nur in Erwägung zu ziehen.

Damit offenbaren sie vor allem eins: Entgegen aller Wortbekundungen geht es ihnen gar nicht um die Menschen und deren Mühsale. Sie tun zwar so als ob – aber in Wahrheit ist es ihnen vollkommen wumpe, was mit den Menschen ist.

Sonst hätten sie längst eine Lösung gefunden!

Sonst hätten sie längst eine echte Lösung angepackt. Hätten über Alternativen nachgedacht. Vielleicht eine Übergangslösung gefunden. Ganz pragmatisch. Eine provisorische Lösung vielleicht. Etwas, das Menschen mit Mühsalen jedenfalls heute hilft, nicht erst am Sankt Nimmerleinstag.

DIE WAHRHEIT: ES GEHT IHNEN GAR NICHT UM EINE LÖSUNG – SONST GÄBE ES LÄNGST EINE!

Seit unserem Vorschlag vor genau zwei Jahren hätte man den Concierge-Service zehn Mal zum Laufen bringen können. Und sei es als Übergangslösung, bis der gebenedeite Fahrstuhl sein Rauf-Runter-Spielchen beginnt.

Und auch der Minibus-Shuttle könnte längst jeden Tag in Mindens Innenstadt unterwegs sein und Menschen unterstützen.

Aber: Sie wollen es nicht!

Und eine schnelle, günstige, leicht rückbaubare Lösung ohne viel Tamtam – das fürchten Betonköppe sogar mehr als die Pest.

Denn die könnte ganz praxisnah belegen, dass es den behaupteten Bedarf für einen Fahrstuhl womöglich gar nicht gibt. Oder dass ein Concierge-Service oder Minibus-Shuttle vollkommen ausreicht, um das Problem für die Menschen zu lösen.

WENN ES OHNE BETON GINGE? ES WÄRE EINE KATASTROPHE FÜR DIE BETONKÖPPE

Beides wäre eine Katastrophe für Betonköppe. Denn es würde bedeuten, dass die vielen Millionen Steuergeld, die sie so gerne in Beton & Co. pumpen wollen, rausgeschmissenes Geld für ein selbstsüchtiges Statussymbol wären.

Sogar der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen spielt bei dieser Farce mit. Er, der immer wieder behauptet für Menschen mit Behinderungen einzutreten, er fordert nicht eine schnelle Lösung, und sei es eine provisorische, die schnelle Abhilfe schaffen würde für seine Klientel.

Auch er spielt das Spiel der Betonköppe und schwört auf den gesegneten Fahrstuhl, der so sicher ist wie die Multifunktionshalle am Güterbahnhof – Gott hab‘ sie selig!

Es sind Schwätzer und Wichtigtuer. Leute voller Großmannssucht (auch Frauen), die sich aufplustern und wichtig tun. An tatsächlichen Lösungen aber so wenig interessiert sind wie an den Menschen, für die sie behaupten sich einzusetzen.

Die Verantwortlichen sitzen allesamt im Rathaus. Sie haben Namen, sie haben Pöstchen, sie genehmigen sich höhere Gehälter – und kriegen ansonsten nichts außer Blabla auf die Reihe.

Sonst hätten sie längst etwas zustande gebracht.

Sie sind der gleichen Meinung wie der Autor? Sie sind ganz anderer Meinung? Oder haben Sie weiterführende Infos zum Thema? Schreiben Sie es unten in die Kommentar-Spalte. Oder senden Sie dem Autor eine E-Mail an
ew@dasherzderstadt.de

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Symbolfoto. Reichstag, Plenarsitzungssaal im Jahr 1889. Foto von Julius Braatz (1844 – 1914). This image was provided to Wikimedia Commons by the German Federal Archive (Deutsches Bundesarchiv) as part of a cooperation project. The German Federal Archive guarantees an authentic representation only using the originals (negative and/or positive), resp. the digitalization of the originals as provided by the Digital Image Archive., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5338482

Autor Edgar Wilkening

Als Marken- und Strategieberater tätig, Schwerpunkt Storytelling und Innovations-Management.

Seine neue Comedy-Story „Der Spirit von St. Pauli“ erscheint am 12. September 2023 bei Rowohlt.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Jede Pommesbude feiert ihr zehnjähriges Bestehen, erst recht das zwanzigste oder dreißigste. Und der Bürgermeister gratuliert dazu.

Und wenn sich in Minden der Tag der Befreiung vom preußischen Festungsstatus jährt?

Interessiert’s keinen.

Nicht mal, wenn’s ein rundes Jubiläum ist, nämlich sage und schreibe der einhundertundfünfzigste Jahrestag. Die Botschaft ist deutlich: In Minden ist Pommesbude jedenfalls wichtiger als Freiheit.

DIE BOTSCHAFT IST DEUTLICH: POMMESBUDE IST WICHTIGER ALS BEFREIUNG

Dabei ist genau heute, am 30. Mai, vor einhundertfünfzig Jahren, also 1873, etwas geschehen, das für Minden zu den bedeutsamsten Ereignissen seiner mehr als tausendjährigen Geschichte gehören dürfte.

Es hat das Erscheinungsbild der Stadt, wie wir sie heute kennen, maßgeblich geprägt. In seiner Bedeutung höchstens vergleichbar mit den Zerstörungen durch die alliierten Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs.

Prägende Stadtelemente wie das Glacis, das sich wie ein grüner Gürtel um den alten Stadtkern schmiegt und auf das kein Bürger heute mehr verzichten wollen würde, gehen auf diesen Tag vor einhundertfünfzig Jahren zurück.

Der 30. Mai 1873, er war ein Freitag. An diesem Tag kam in der Reichshauptstadt Berlin der Deutsche Reichstag zusammen (oben ein Foto aus dem Jahr 1889) und beschloss das „Gesetz, betreffend die Geldmittel zur Umgestaltung und Ausrüstung von deutschen Festungen“.

Klingt trocken, hat’s aber in sich – insbesondere für Minden. Denn die Weserstadt wird in Artikel VI. ausdrücklich angesprochen: „Für die eingehenden Festungen (…) Minden (…) hören die Rayonbeschränkungen am 1. Oktober 1873 auf.“

Deutsches Reichs-Gesetzblatt No. 14 vom 30. Mai 1873, Seite 123

Scan aus dem Deutschen Reichsgesetzblatt 1873, Seite 123.
This image is in the public domain according to German copyright law because it is part of a statute, ordinance, official decree or judgment (official work) issued by a German authority or court (§ 5 Abs.1 UrhG).

Deutsches Reichs-Gesetzblatt No. 14 vom 30. Mai 1873, Seite 124

Scan aus dem Deutschen Reichsgesetzblatt 1873, Seite 124.
This image is in the public domain according to German copyright law because it is part of a statute, ordinance, official decree or judgment (official work) issued by a German authority or court (§ 5 Abs.1 UrhG).

Deutsches Reichs-Gesetzblatt No. 14 vom 30. Mai 1873, Seite 125 Minden

Scan aus dem Deutschen Reichsgesetzblatt 1873, Seite 125.
This image is in the public domain according to German copyright law because it is part of a statute, ordinance, official decree or judgment (official work) issued by a German authority or court (§ 5 Abs.1 UrhG).
Gelb markierte Hervorhebungen durch den Autor.

Dieser Artikel VI. ist ein Befreiungsschlag für die Stadt Minden. Denn die Formulierung „hören die Rayonbeschränkungen (…) auf“ bedeutet nichts anderes, als dass das Militär das Sagen über die Stadt verliert.

Seit Generationen war Minden preußische Festungsstadt. Eingeschnürt von Festungsmauern, die der Stadt regelrecht die Luft zum Atmen raubten und sie daran hinderten zu wachsen.

Und vor den Festungsmauern? Weites, freies Gelände, in dem ebenfalls das Militär das Sagen hatte. Und bestimmen konnte: Was durfte dort gebaut werden – und was nicht?

So viel war klar: in Quasi-Sichtweite der Stadt jedenfalls keine Häuser, keine Fabriken, keine festen Gebäude oder anderes, das einem heranrückenden Feind hätte Schutz gewähren können. Freies Schussfeld vor den Stadtmauern war die Devise.

Über Generationen war Minden in ein militärisches Korsett gezwängt und konnte nicht über sich hinauswachsen. Ein Spirit, der in vielen Köpfen der Stadt bis heute noch spürbar ist.

BLOSS NICHT ÜBER SICH HINAUSWACHSEN: EIN SPIRIT, DER BIS HEUTE IN DER STADT LEBENDIG IST

In wohl kaum einer anderen deutschen Stadt waren zu dieser Zeit die Wohnverhältnisse so beengt wie in Minden, nirgendwo sonst lebten statistisch so viele Menschen auf so wenig Wohnraum zusammen.

Die Stadt ächzte unter dem Militärdiktat und verpasste sogar den Anschluss an die Industrialisierung. Innerhalb der Stadtmauern war schlicht und einfach kein Platz für diese neumodischen Fabriken, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts überall aus dem Boden schossen. Und außerhalb der Stadtmauern? Wäre es nur weit entfernt von der Stadt möglich gewesen.

Andere Städte, die nicht unter dem preußischen Festungsdiktat standen, boten Unternehmern da deutlich bessere Voraussetzungen. Dortmund und Bielefeld zum Beispiel. Deren Einwohnerzahlen lagen noch im Jahr 1816 unter der von Minden. Dann prosperierten beide – und hatten das Weserstädtchen schnell überholt und für immer abgehängt.

DER 30. MAI 1873: ER KÖNNTE ALS BEFREIUNGSTAG IN DIE GESCHICHTE MINDENS EINGEHEN

Wenn man ein solches Datum in der Stadtgeschichte identifiziert hat: Was könnte man alles daraus machen! Erst recht, wenn es sich nicht zum 7. oder 11. Mal jährt – sondern zum großen einhundertundfünfzigsten Mal!

Erfahrenen Storytellern und Marketern springt regelrecht ins Auge, wie man dieses Datum für das Profil einer Stadt, für das Storytelling nutzen kann. Nicht, indem man stumpf Historisches nacherzählt. Sondern indem man den Storykern aufgreift und etwas für die heutige Zeit daraus entwickelt.

Meine frühere Heimatstadt Hamburg, an deren Storytelling ich an vielen Stellen mitwirken konnte, zeigt gerade mit einem ganz aktuellen Beispiel, wie’s geht: mit der Come Together Experience. Nicht Beatles-Geschichte dröge nacherzählen und im Gestern verweilen – sondern den Kern ins Heute übertragen und in zeitgemäßem Rahmen erlebbar machen.

Ein Befreiungs-Festival in Minden, immer zum 30. Mai? Oder eine echte Freiheits-Konferenz, die den Namen wirklich verdient? Ein Entfestigungs-Fest im Glacis? Ein Entfesselungs-Festival? Warum nicht gleich: eine Freedom of Mind(en) Experience …?

Erfahrenen Kreativen fallen angesichts der Berliner Ereignisse vom 30. Mai 1873 auf Anhieb Dutzende von Ideen ein, aus denen man tragfähige Jubiläumskonzepte entwickeln könnte – mit potenziell bundesweiter Wahrnehmung.

IMMER AM 30. MAI: EINE FREEDOM OF MIND(EN) EXPERIENCE, DIE EIN FEST DER FREIHEIT FEIERT?

Der 150. Jahrestag, der die Geburtsstunde eines wachsenden Mindens markiert; der Befreiungsschlag, der das Ende der Stadtmauern und damit die Anlage des vielgeliebten Grüngürtels „Glacis“ möglich machte; der Tag, ab dem das Bürgertum entlang des Glacis herrschaftliche Villen zu planen begann, deren erhabene Schönheit uns auch heute noch begeistert; das Datum, an dem Minden das einzwängende Korsett abwarf – und endlich die Chance hatte sich wortwörtlich selbst zu entfalten.

So viele Ebenen! So viele Schichten für Geschichten! So viele Ansätze für professionelles Storytelling!

Und was macht Minden daraus?

Das Gleiche wie immer: nichts. Einfach gar nichts.

Dieser Artikel hier erscheint am 30. Mai 2023, exakt um 15:00 Uhr MESZ. Bis zu diesem Zeitpunkt: Haben Sie irgendein Statement des Bürgermeisters zum Befreiungstag am 30. Mai 1873 gehört oder gelesen? Gab es einen Festakt im Rathaus?

UND WAS MACHT MINDEN DARAUS? DAS GLEICHE WIE IMMER: NICHTS

Hat sich irgendein Repräsentant aus Politik oder Verwaltung dazu zu Wort gemeldet? Hat die Stadt auf ihrer eigenen Webseite eine Meldung darüber veröffentlicht? Etwa das Preußenmuseum? Vielleicht irgendwer aus den ganzen Schlaumeier-Parteien und -Fraktionen?

Oder wenigstens Minden Marketing, die offizielle Werbebutze der Stadt? Vielleicht die ewig neunmalkluge Journaille, die immer behauptet gut informiert zu sein? Oder wenigstens die selbstzufriedenen Geschichtslehrer in ihren drögen Geschichtsvereinen …?

Fehlanzeige.

Nirgends ein Hinweis. Nirgends ein Wort zum Jubiläumstag. Nirgends eine Würdigung. Geschweige denn, dass man Größeres aus dem Hundertfünfzigsten gemacht hätte.

Warum eigentlich nicht?

Wissen unsere Stadtoberen womöglich nichts von diesem Jubiläum? Steht es gar nicht in ihren Kalendern? Das würde bedeuten, dass sie – vom Bürgermeister über Politik und Marketing bis zur Lokalpresse – keinen blassen Schimmer haben von den besonderen Eigenheiten unserer Stadt.

Oder ist ihnen allen das Thema „Freiheit“ derart suspekt, dass sie es in der Öffentlichkeit lieber gar nicht ansprechen möchten?

NIRGENDS EIN HINWEIS. NIRGENDS EINE WÜRDIGUNG. ALS WÜRDE ES DIESES JUBILÄUM GAR NICHT GEBEN!

Nichts. Nichts. Nichts. Es ist die große Konstante dieser Stadt und derer, die sie lenken. Verpasste Chancen, nicht genutzte Gelegenheiten.

Statt aufzugreifen, was die Stadtgeschichte ihnen vor die Füße spült, und daraus etwas Großes, etwas Bewegendes zu erschaffen, erzählen sie den Menschen lieber einen vom Plus – was noch nie zu irgendeinem brillanten Storytelling geführt hat.

Wir haben das Gleiche auch schon bei der Neu-Entwicklung des historischen Rampenloch-Areals erlebt. Und bei vielen anderen Gelegenheiten. In dieser Stadt regiert nicht die Klugheit, sondern ein Stumpfsinn, der mehr und mehr Gesichts- und Geschichtslosigkeit befördert.

So stürzt man die Stadt immer tiefer hinab ins unterste Mittelmaß – statt sie zu stärken und ihr das Profil zu verleihen, das sie haben könnte. Jede Pommesbude wird besser geführt als dieses Städtchen.

Der heutige 30. Mai 2023, dieser Dienstag, an dem niemand außer uns des einhundertfünfzigsten Jubiläums der Befreiung Mindens am 30. Mai 1873 gedenkt, er belegt vor allem: Um in Minden zu regieren oder wenigstens ein großes Wort zu führen, ist himmelschreiende Ahnungslosigkeit kein Hindernis, sondern eine der wichtigsten Kernkompetenzen.

PS: Wir bei Das Herz der Stadt haben den heutigen Jubiläumstag seit knapp fünf Jahren im Kalender stehen – eines Projektes wegen, an dem wir im Hintergrund arbeiten. Und wir haben zahlreiche weitere Jubiläumsdaten im Kalender: viel Stoff für noch mehr Spott.

Diese Stadt verdient endlich ein Rathaus, das umsichtig und klug agiert, um das wahre Potenzial der Stadt zu heben.

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Eines der 10 besten Innovationsprojekte in NRW: aus Minden an der Weser

Eines der 10 besten Innovationsprojekte in NRW:
aus Minden an der Weser

Eines der 10 besten Innovationsprojekte in NRW:
aus Minden an der Weser

Autor Edgar Wilkening
Gründer und Initiator von Das Herz der Stadt. Als Marken- und Strategieberater tätig für Blue Chips, Small Caps, KMUs und Verbände.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

creative.projects NRW Shortlisted

Eine neue App, die das Carsharing revolutioniert – was wie eine Idee aus New York oder dem Silicon Valley klingt, mindestens aber aus München, Hamburg oder Berlin, ist entstanden in der tiefsten Provinz: im kleinen Städtchen Minden an der Weser.

Dort feilen Architektin Astrid Engel und ich (ihr Lebensgefährte und Autor dieser Zeilen) schon seit einiger Zeit an einem Konzept, das das Thema Carsharing vom Kopf auf die Füße stellt – und damit die gemeinschaftliche Nutzung von Autos endlich auch im ländlichen Raum ermöglichen soll.

„Autonachbarn“, so der Name der deutschsprachigen Version, basiert auf dem Grundgedanken, Eigentümergemeinschaften für einzelne Fahrzeuge zu bilden.

Gruppen von zwei, drei, vier oder mehr Menschen, die nah beieinander wohnen und nur gelegentlich ein Auto benötigen, schaffen gemeinsam ein Fahrzeug ihrer Wahl an.

Um das Bewirtschaften (Was kostet der Fahrtkilometer? Wer zahlt was? Wie werden Treibstoff, Steuern, Reparatur etc. aufgeteilt?) und das Benutzen des Fahrzeugs (Aufschließen, Abschließen, Abrechnen …) alltagstauglich und einfach zu machen, gibt es die Autonachbarn-Software.

DIGITALE TECHNIK MACHT GEMEINSAMES NUTZEN VON FAHRZEUGEN ERSTMALS ALLTAGSTAUGLICH

Über die App kann das Auto auf- und abgeschlossen werden – ganz einfach mit einem Fingerwisch. Tank- bzw. Batteriefüllstand können ebenso abgerufen werden wie eventuelle Reservierungen von anderen. Alles, was man braucht, um die eigenen Fahrten zu planen.

Und wenn man das Auto mal ganz spontan braucht, genau in diesem Moment? Ein Blick in die App und man sieht, ob das Fahrzeug bereitsteht und ob irgendwann eventuell eine Fahrt vorgemerkt ist. Wenn alles passt, steht der Spontaneität nichts im Wege. Also einsteigen und los!

Dass das Konzept so praxisnah angelegt ist, hängt auch mit meiner ganz persönlichen CarSharing-Erfahrung zusammen. Seit Ende der Nuller-Jahre kamen in Hamburg Carsharing-Angebote auf. Von Freefloatern über quartiersgebundene Konzepte bis hin zu stationsbasiert: Ich habe sie alle ausprobiert, ich habe sie alle kennengelernt, ich habe sie alle genutzt.

Viele der Carsharer von damals existieren heute schon gar nicht mehr. Und ich weiß sehr genau, warum. Dementsprechend ist mir vertraut, worauf es beim Carsharing ankommt – für Anbieter ebenso wie für die Anwender.

Deshalb funktionieren die „Autonachbarn“ vollkommen anders als klassische Carsharing-Angebote: als reine Software-Anwendung, deren Service Anwender für eine kleine Gebühr pro Monat mieten.

Mehr erfahren, wie das Autonachbarn-Konzept funktioniert?

Ein vollständig digitales Angebot, das perfekt skaliert: Welche Chancen für Investoren im Autonachbarn-Konzept stecken, aber auch für Anwender, Umwelt und Gesellschaft – einfach mal im persönlichen Gespräch erläutern lassen. Jetzt Kontakt aufnehmen und Termin vereinbaren mit Astrid Engel und Edgar Wilkening.

Diese erfrischend neue Herangehensweise ans Carsharing dürfte einer der Gründe sein, warum  „Autonachbarn“ jetzt von creative.nrw als eines der zehn besten Innovationsprojekte in ganz Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde.

„Ein tolles Kompliment für unser Konzept“, sagt Astrid Engel. „Und es zeigt, dass auch in der Provinz echte Innovationen entstehen können, wenn die Macher einen Blick haben, der über die Stadtgrenzen hinausreicht.“

An die hundert Konzepte hatten sich für die Auszeichnung creative.projects beworben. Zehn der Einreichungen wurden von der Jury auf die Shortlist gesetzt als beste Innovationsprojekte NRW.

NRW-Ministerin Mona Neubaur im Gespräch mit Astrid Engel & Edgar Wilkening

Inspirierender Austausch am Rande der Preisverleihung in Düsseldorf: Mona Neubaur (Mitte), Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, im Gespräch mit den Autonachbarn-Machern Astrid Engel und Edgar Wilkening.
©Foto: Melissa Dibowsky

Die Preisverleihung fand am 9. Mai 2023 in lässig repräsentativem Rahmen statt: im Weltkunstzimmer in Düsseldorf. NRWs Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie und stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur war persönlich anwesend, um die Preisträger zu beglückwünschen.

Ganz offizieller Regierungs-Segen, den es aus gutem Grunde gab: creative.nrw als Ausrichter des Wettbewerbs ist ein Zusammenschluss der nordrhrein-westfälischen Kreativwirtschaft im Auftrag der Landesregierung.

KREATIVWIRTSCHAFT – EIN WORT, BEI DEM MAN IN MINDEN IMMER NOCH KOPFSCHÜTTELN ERNTET

Spätestens seit Mitte der Nuller-Jahre weiß man um den Wert der creative class – um den wirtschaftlichen, aber insbesondere auch den gesellschaftlichen Wert.

Seitdem wissen kluge Städte, wie wichtig diese Melange aus Künstlern, Machern und Kreativen für die künftige Entwicklung und Attraktivität von Städten ist.

In Hamburg habe ich in den Nuller-Jahren erlebt, wie die Gründung der Hamburg Kreativ Gesellschaft durch die Stadt die Digital-, Medien-, Film-, Werbe- und Publizistik-Szene beflügelt und damit der ganzen Stadt weiteren Auftrieb gegeben hat.

Insofern nur folgerichtig, dass auch das Land NRW jetzt eine ähnliche Gesellschaft geschaffen hat mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für Kreative aller Gewerke zu verbessern.

Und in Minden? Erntet man vor allem Kopfschütteln und Unverständnis. 2018/2019 hatte Architektin Astrid Engel ein innovatives Konzept für die Neu-Entwicklung des Rampenloch-Areals kreiert: das Red Light Lab. Ausdrücklich als inspirierenden, lebendigen Ort für – Sie ahnen es schon: die Kreativwirtschaft.

Genau zu diesem Begriff giftete damals eine Mindenerin auf Facebook: „Kreativwirtschaft, was soll das überhaupt sein?“

Heute, ein paar Jahre später, ist die Dame sowohl im Vorstand des SPD-Stadtverbands als auch im Vorstand einer öffentlichen Kultureinrichtung tätig. Ahnungslosigkeit ist eben immer noch der beste Karriere-Turbo in Minden.

Es ist genau dieses stumpfsinnige, innovationsfeindliche Denken, das wir immer wieder erlebt haben, auf allen Ebenen, von ganz oben bis unten runter. Bei der Entwicklung des Rampenloch-Areals ebenso wie bei der Einrichtung unseres Pop-up-Ortes für Kunst und Kultur in der Obermarktstraße 19, bei dem wir am Ende sogar das Verwaltungsgericht einschalten mussten, um uns gegen Behördenwillkür zur Wehr zu setzen.

Wenn dann noch eine tumbe Lokalpresse dazukommt, die jeden klugen Gedanken sofort als „Querulantentum“ stigmatisiert, ist der Nährboden für selbstgefälligen Stillstand perfekt.

WO RUHE IMMER NOCH ERSTE BÜRGERPFLICHT IST, WIRKT DISRUPTION ALS GEFAHR

Nein, Minden habe ich nicht als innovationsfreundlichen Ort erlebt. Wo Ruhe immer noch die erste Bürgerpflicht preußischer Gehorsamkeit ist, werden disruptive Modelle und Technologien nicht als Chancen verstanden, sondern als Gefahr.

Aus dem „Autonachbarn“-Konzept als einem der besten Innovationsprojekte NRW eine funktionsfähige Anwendung zu machen und ein marktfähiges Unternehmen – all das ist anstrengend genug. Das muss man sich nicht auch noch durch ein reaktionäres Umfeld in Verwaltung und Politik zusätzlich schwermachen.

Deshalb haben wir nach der Auszeichnung in Düsseldorf eine folgenschwere Entscheidung getroffen.

Alle Beteiligten, die jetzt schon an Konzept, Technologie und Software der „Autonachbarn“ arbeiten, sind vollständig remote tätig. Für uns als rein digitales Projekt ist es gar kein Problem, die Unternehmensgründung an jedem beliebigen Ort in Deutschland zu vollziehen.

Deshalb laden wir innovationsfreundliche Kommunen, die Interesse haben an einem künftigen Gewerbesteuerzahler und digitalen Imageträger, ein zum Gespräch. Melden Sie sich, wenn Sie ein zukunftsfähiges Umfeld bieten können, das zu den „Autonachbarn“ passt.

Sie haben ein innovationsfreundliches Umfeld in Ihrer Kommune?

Dann freuen wir uns darauf, von Ihnen zu hören. Damit wir im persönlichen Gespräch miteinander besprechen können, wie wir gegenseitigen Nutzen füreinander stiften können. Jetzt Kontakt aufnehmen und Termin vereinbaren mit Astrid Engel und Edgar Wilkening.

Jeder Ort  ist denkbar für uns. Warum nicht im Mindener Umland? He, Petershagen, Porta Westfalica, Bückeburg – was geht bei Euch?

Warum nicht in Düsseldorf? Dort spricht man sehr freundlich und interessiert mit uns. Das Flair ist international. Und der Weg in die Ministerien ist deutlich kürzer.

Oder warum nicht gleich nach Bayern und dort von der ganz speziellen blauweißen Art der Standortförderung profitieren?

Ob nah, ob fern, ob groß, ob klein: Grundsätzlich kommt jede Kommune für uns als Standort in Frage.

Nur ein Ort in Deutschland, der hat sich als Zuhause für die „Autonachbarn“ selbst deutlich disqualifiziert.

Es ist die Kommune, die es bis heute nicht fertiggebracht hat zu sagen: „Gratulation, dass ein Team Bürger unserer Stadt es unter die zehn besten Innovationsprojekte in NRW geschafft hat.“

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Minden lässt sich eine Stadtstrategie 2032 schreiben. Vier Jahre Arbeit und einen sechsstelligen Betrag wendet man dafür auf. Rechtfertigt das Ergebnis den Aufwand?...
Statt Strategie: Mindens Politik lässt sich lieber einen vom Pferd erzählen

Statt Strategie:
Mindens Politik lässt sich lieber einen vom Pferd erzählen

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Mindens Politik lässt sich lieber einen vom Pferd erzählen

Autor Edgar Wilkening

Gründer und Initiator von Das Herz der Stadt. Als Marken- und Strategieberater tätig für Blue Chips, Small Caps, KMUs und andere Organisationen.


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Inhalt: Was Sie In diesem Beitrag erwartet

1.
Wir blicken auf die „Stadtstrategie Minden 2032“, die im Haupt- und Finanzausschuss abgenickt wurde

2.
Wir schauen kurz, was dem Konzept fehlt, damit es sich Strategiepapier nennen dürfte

3.
Wir analysieren, ob die „Stadtstrategie Minden 2032“ so lokal verankert ist, wie es behauptet wird

4.
Wir offenbaren den ehrlichsten Satz zum Thema, den das Rathaus in die Sitzungsvorlage geschrieben hat

5.
Zum Spaß: Wir lassen die KI ChatGPT eine „Stadtstrategie 2032“ schreiben – kostenlos und in wenigen Sekunden

Ein Pferd erzählt was vom Pferd

1. Die „Stadtstrategie Minden 2032“

Berater haben ja Hochkonjunktur im Mindener Rathaus. Erst neulich waren mehrere da und verkauftem dem Kaiser neue Kleider.

Jetzt waren wieder Berater in der Stadt. Und auch sie hatten ein Tuch gewoben, so anmutig und edel, dass Bürgermeister Kaiser und Stadtverordnete Hofstaat ganz aus dem Häuschen waren und frohgemut jauchzten ob all seiner Schönheit.

Die Rede ist von der „Stadtstrategie Minden 2032“, die am 9. März 2023 im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Minden vorgestellt, diskutiert und schlussendlich mit winzigen Änderungen abgenickt wurde – bei gerade mal einer Gegenstimme.

Eigentlich ja eine gute Sache: sich Gedanken zu machen, wo man in zehn Jahren stehen will; was man erreichen will; auf welche Assets und Ressourcen man vertrauen kann; welche Hindernisse es zu überwinden gilt; und wie man es strategisch am besten anpackt, damit man möglichst nah oder möglichst früh ans gesteckte Ziel kommt – selbst wenn sich Zeitläufte überraschend ändern sollten.

Wo kommt RB Leipzig her – und wo steht der Verein heute? Am Anfang stand eine klare Strategie

Kluge Unternehmen, kluge Marken machen so etwas laufend. Auch manche Menschen für sich ganz persönlich und ihren Lebensweg. Hochkarätige Sportteams ebenso. Gucken Sie mal, wo RB Leipzig herkommt, was die für eine Vision damals entwickelt hatten – und wo man heute steht.

Gut also, wenn sich auch Kommunen vorausschauend Gedanken machen, wie und wohin sie sich entwickeln wollen und wie sie umgehen mit allem, was auf sie zukommen könnte.

Allerdings gibt’s da ein großes „Aaaaaaaber“. Denn natürlich nützt es gar nichts, sich allerlei Platitüden und Gemeinplätze zurechtzulegen und dann das Wort „Strategie“ drüber zu schreiben. Das wird kein Strategiepapier, sondern heiße Luft. Selbst wenn jahrelang daran gearbeitet und ein Haufen Geld dafür ausgegeben wurde, wie in Minden passiert.

Wer einen Blick auf die „Stadtstrategie Minden 2023“ wirft (hier kostenlos zum Download im Ratsinformationssystem der Stadt Minden), reibt sich schnell die Augen. Das 38-Seiten-Papier liest sich in weiten Teilen wie aus Textbausteinen zusammengebastelt.

„Unsere Vision für Minden in zehn Jahren (ist) eine grüne, gerechte und produktive Stadt.“

Wer würde dagegen etwas sagen wollen? Andererseits: Was daran ist jetzt ganz spezifisch für Minden?

Gar nichts. Es ist schlicht und einfach abgekupfert. Aus der „Neuen Leipzig-Charta“ der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik.

Ausschnitt aus "Neue Leipzig-Charta"

Quelle: „Neue Leipzig-Charta“ der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik. Hier kostenlos zum Download.

Der Dreiklang aus „grün“, „gerecht“ und „produktiv“ in Verbindung mit „Stadt“ findet sich immer wieder in der „Neuen Leipzig-Charta“. Noch ein Beispiel?

Textauszug aus "Neue Leipzig-Charta"

Quelle: „Neue Leipzig-Charta“ der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik. Hier kostenlos zum Download.

Und es gibt noch viele weitere Fundstellen für die Wort-Kombi „grün, gerecht, produktiv“. Googeln Sie das ruhig mal.

Neu für Minden ist daran höchstens, dass man die Charta hier jetzt auch mal auf den Bürgermeister-Schreibtisch bekommen hat.

38 Seiten Platitüden. Alles wichtige Themen. Aber nichts davon ist Minden-spezifisch

Und es geht weiter in der „Stadtstrategie Minden 2032“ mit derlei freundlichen Platitüden.

„Wir stehen für eine klimaresiliente Stadtplanung.“

Tja, ob Köln oder Düsseldorf das tatsächlich anders praktizieren werden?

„Wir fördern gute Bewusstseinsbildung für Nachhaltigkeit.“

Na, Herford? Na, Bielefeld? So was kriegt ihr nicht hin, oder?

„Wir fördern die benutzerfreundliche Vernetzung von Fuß- und Radverkehr, ÖPNV und PKW.“

Tja, Münster, plötzlich siehst du ganz schön alt aus, was? Komm, hier, einen noch – auch wenn viele Dutzend weitere im Papier stehen:

„Wir nutzen gute Früherkennungssysteme und haben eine gute Reaktionsfähigkeit in Krisen.“

Siehste, Hannover! Siehste, Osnabrück! Da guckt ihr blöd aus der Wäsche, ne?

Es geht seitenweise so weiter: Ein Gemeinplatz reiht sich an den nächsten. Ein großes Leipziger Allerlei. Denn dass man sich bei der „Neuen Leipzig-Charta“ bedient hat, gibt man im Papier unumwunden zu.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: alles relevante Themen, alles richtig. Aber wo bleibt das, was es am Ende über das allgemeine Allerweltsgeraune hinaushebt und zu einem spezifischen Mindener Thema macht?

Keine Antwort. Man bleibt im Vagen und fischt im Trüben

Bei so viel Nicht-Spezifischem fragt man sich sofort: Hat das vielleicht eine KI geschrieben, so bla-bla wie das alles ist?

Natürlich nicht. Das haben Menschen geschrieben. Von einer KI haben wir es schreiben lassen – aus Spaß und einfach so zum Vergleich (siehe unten Punkt 5.).

Was sich da vollmundig „Stadtstrategie Minden 2032“ nennt, hat so viel mit Minden zu tun wie ein Glas Wasser mit dem Anstieg des Meeresspiegels.

Die drängenden Themen im Papier: Es sind die drängenden Themen jeder beliebigen anderen Mittelstadt in Deutschland, ja, sogar in ganz Europa. Denn tatsächlich stehen alle vor ganz ähnlichen Herausforderungen.

Was ist dann also das strategisch Spezifische für Minden? Was sind die besonderen Assets, Ressourcen, Fähigkeiten, strategischen Chancen, die sich für diese Stadt ergeben im Umgang mit den Herausforderungen der Zukunft? Keine Antwort. Das Papier schweigt sich energisch darüber aus.

Was sind spezielle Risiken, Probleme, Herausforderungen, die sich gerade für Minden ergeben im Vergleich zu anderen Städten? Und wie kann man darauf reagieren? Erneut keine Antwort.

Natürlich nicht. Man bleibt lieber im Vagen, im Ungefähren und fischt munter im Trüben. Eine vollkommen beliebige und austauschbare Lose-Blatt-Sammlung. Ein großes verschwurbeltes Wünsch-dir-was.

Text-Bastelei nach dem Copy-Paste-Prinzip. Lehrer verurteilen ihre Schüler, wenn die das bei Hausaufgaben machen. Sobald diese Lehrer im Stadtrat sitzen, schwärmen sie vor lauter Ahnungslosigkeit, wenn Berater das Gleiche tun.

„Morgens geht die Sonne auf und abends geht sie unter.“ Ach, echt jetzt …?

Das ganze Papier, es drückt sich seitenweise um spezifische Aussagen für Minden drumrum. Nun liegt es zwar in der Natur von Strategiepapieren, dass sie sich im  Abstrakten bewegen. Aber, bitte, nicht im Unspezifischen – als hingen sie im luftleeren Raum.

Eine Aussage wie „Morgens geht die Sonne auf und abends geht sie unter, das ist uns wichtig“ ist eben keine Strategie, sondern lediglich Elementarwissen und gilt an quasi jedem Ort der Welt.

Man muss sagen: fast schon ein Wunder, dass es dieser Satz angesichts seiner fundamentalen Banalität Bedeutungskraft nicht in die „Stadtstrategie Minden 2032“ geschafft hat. Man hätte im Ausschuss wohl auch dazu noch applaudiert.

Ein Pferd erzählt was vom Pferd

2. Was fehlt dem Papier, damit es sich Strategiepapier nennen dürfte?

Diese sogenannte „Stadtstrategie Minden 2032“ – sie ist gerade keine Strategie, sondern bloße Sammlung allgemeiner strategischer Ziele.

Was darin fehlt, ist vor allem: Strategie.

Erstens ein übergeordnetes, großes Ziel, das alle strategischen Einzelziele (immerhin zehn „strategische Handlungsfelder“ mit insgesamt 39 „Schwerpunktzielen“) zusammenfasst unter einer gemeinsamen, originären, visionären Idee: Was soll unsere Stadt 2032 ausmachen – und zwar in deutlicher Abgrenzung zu anderen Städten?

Nicht einfach nur „grün, gerecht, produktiv und abgekupfert“, sondern originär, einzigartig und im Sinne einer maximalen Alleinstellung?

Was ist es, das die klare Differenzierung dieser einen besonderen Stadt ausdrückt gegenüber allen anderen Städten im näheren und weiteren Umfeld, womöglich sogar im nationalen oder internationalen Maßstab?

Darüber schweigt sich das Papier hartnäckig aus.

Den Verfassern kann man daraus nicht mal einen Vorwurf machen: Die Stadtoberen haben ja selbst keine Idee davon, was ihre Stadt ausmachen könnte und deutlich abheben soll von anderen. Sie sind froh, wenn sie im allgemeinen Mittelmaß mitschwimmen ohne noch tiefer zu sinken.

Große Vision für die Stadt? Alleinstellung? Differenzierung? Originäre Stärken? Endogene Eigenheiten? Völlige Fehlanzeige. (Wir werden das unter Punkt 3. noch im Detail belegen.)

Dass Minden sich faktisch im Wettbewerb mit anderen Städten befindet, von Bückeburg bis Porta im lokalen Rahmen, von Bielefeld bis Hannover im regionalen Rahmen, von Berlin bis Köln und Hamburg im etwas größeren Rahmen, im Wettbewerb um Gewerbeansiedlungen, Fachkräfte, Know-how, Besucher, Touristen – es wird vom Strategiepapier ebenso ausgeblendet wie von den Stadtoberen. Man genügt sich selbst. Andere Städte? Nie gehört.

Kennen alle den Unterschied zwischen strategischen Maßnahmen und operativen?

Ja, das große, originäre, übergeordnete Bild von Minden fehlt. Aber außerdem fehlt zweitens: ein strategischer Maßnahmenkatalog, der sich aus dem Wünsch-dir-was im Papier ableitet.

Achtung! Hier ist ausdrücklich nicht von operativen Maßnahmen die Rede! Sondern von strategischen.

Das ist die große Kunst, die in herausragenden Strategiepapieren zum Tragen kommt: dass aus den Zielen strategische Maßnahmen abgeleitet werden, die zum ganz individuellen Profil, den ganz eigenen Stärken und Schwächen passen – die womöglich auch in strategische Meilensteine runtergebrochen werden. Und erst in einem nachgeordneten Schritt, wenn man sich über die strategischen Maßnahmen verständigt hat, in Dutzende operativer Einzelmaßnahmen ausgeplant werden.

Strategische Maßnahmen? Gibt’s nicht mal ansatzweise im Papier. Und in Mindens Politik sowieso nicht. Da geht’s stets vom strategischen Ziel direkt in die operative Einzelmaßnahme. Dass das Murks und in aller Regel zum Scheitern verurteilt ist, erlebt man zwar laufend, gerade in Minden – aber wen juckt’s?

Eines der größten Probleme, das immer wieder auftritt bei Amateuren: operative Maßnahmen deutlich abzugrenzen von strategischen. Die Gründe: mangelnde Sachkenntnis, mangelnde Fachkenntnis, mangelnde Strategie-Erfahrung – entschuldbar bei Laien. Aber nicht bei Profis, die sich das auf die Fahnen schreiben. Selbst ChatGPT kriegt das besser hin (siehe Punkt 5.).

Dass man in Minden bereit ist, ein solches Gewurschtel überhaupt als „Strategiepapier“ zu akzeptieren und einen (wie Insider berichten) sechsstelligen Betrag dafür zu blechen, sagt viel über mangelnde Erfahrung und mangelnde Kompetenzen im Rathaus: in der Verwaltung ebenso wie in der Politik. Ein Thema, das uns hier immer wieder begleitet.

Doch solange die Bürger keinen Gebrauch von ihrem demokratisch verbürgten Recht machen, einen Haufen Hanswürste aus den Ämtern zu jagen, wird sich wohl wenig ändern.

Ein Pferd erzählt was vom Pferd

3. Ist die „Stadtstrategie Minden 2032“ so lokalspezifisch wie behauptet?

„Schreiben Sie statt Minden einen anderen Namen drüber, dann passt es für jede andere Stadt“, wagte eine Stadtverordnete im Ausschuss nach der Präsentation zu kritisieren.

„Das Lokale findet sich an ganz vielen Stellen in der Strategie“, entgegneten die Verfasser. Und wollten damit wohl dem Vorwurf entgegenwirken, eine austauschbare Blaupause geschaffen zu haben, die sie so oder so ähnlich für jede andere Stadt nutzen könnten.

Okay, nehmen wir die Herrschaften beim Wort und machen den Lokal-Test. Und zwar ganz konkret. Nachzählen, bitte!

An wie vielen Stellen finden wir „das Lokale“ im Papier? Welche lokalen Eigenheiten werden wie oft genannt? Zahlen lügen ja bekanntlich nicht.

Immerhin reden wir von 38 Seiten DIN A4 reinem Text – keinerlei Fotos oder Illustrationen (bis auf ein Mal das unvermeidliche Minden-Logo). Zur Kontrolle gibt’s hier die „Stadtstrategie Minden 2032“ für Sie zum Download.

Minden
Weser
Glacis
101
4
1

Gesamtzahl der Nennungen des jeweiligen Begriffs in der „Stadtstrategie Minden 2032“.
Gezählt wurden immer sowohl das genaue Wort als auch Wortkombinationen, hier also z.B.: Minden (66 Fundstellen), Mindener (23), Mindens (11), Mindenerinnen (1), in Summe: 101 Fundstellen im Papier.

Das sind doch schon mal gute Nachrichten! Der Begriff „Minden“ fällt insgesamt 101-mal im gesamten Papier. Die Verfasser wussten also offenbar, welche Stadt sie besucht haben.

Und auch die Weser haben sie augenscheinlich viermal überquert. Sogar das Glacis ist bekannt. Großartig! Jetzt nicht nachlassen, würde ich sagen.

Schauen wir uns also weitere Begriffe an, die ganz spezifisch für Mindener Eigenheiten stehen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Mittellandkanal
Bastau
Wasserstraßenkreuz
Schachtschleuse
Rathaus
Mindener Dom
Martinikirchhof
Hufschmiede
Rechtes Weserufer
Scharn
Bäckerstraße
Obermarktstraße
Ringstraße
Klausenwall
Rampenloch
Mindener Buttjer
Weserspucker
Freischießen
Jazz-Club
BÜZ
Schlagde
Schiffmühle
Fußgängerbrücke
Preussenmuseum
Friedrich Wilhelm Bessel
Franz Boas
Ernst Michael von Schwichow
Meister Bertram
Jo Klaffki
GWD Minden
Stichlinge
Kampa-Halle
Kanzlers Weide
Altes Gefängnis
Neue Regierung
RegioPort
StartMindenUp
RailCampus
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0

Oha, das sind aber eine Menge Nullen da oben! Also: hier in der Tabelle. Nicht, was Sie jetzt vielleicht dachten.

Na schön, man kann wirklich nicht alles und jeden kennen bzw. erwähnen, bloß weil man 38 Seiten Strategie für eine Stadt zu verfassen hat. Man muss sich auf das Wichtigste fokussieren.

„Das Lokale“, das sich an ganz vielen Stellen findet, kommt sicher noch. Die Verfasser erläuterten nämlich ausdrücklich, man habe lang und breit auch mit den Ortsbürgermeistern gesprochen – um alles noch besser, noch präziser für die Zukunft zu machen.

Schauen wir also mal, wie oft die einzelnen Ortsteile im Papier auftauchen.

Rodenbeck
Dankersen
Leteln
Haddenhausen
Königstor
Bärenkämpen
Dützen
Hahlen
Todtenhausen
Päpinghausen
0
0
0
0
0
0
0
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Tja, „das Lokale“, das sich nach Angaben der Verfasser an so vielen Stellen im Papier finden soll, es bleibt unsichtbar.

Ich weiß, ich weiß: Da oben fehlen noch ein paar Stadtteile. Aber ich sage Ihnen: Es wird nicht besser. Checken Sie es einfach selbst.

Offenbar spielen die Stadtteile, ihre Eigenheiten, ihre Charakteristika keinerlei Rolle für die Stadt Minden im Jahr 2032. Tja, Pech gehabt.

Aber wenigstens die Wirtschaft wird doch noch eine Rolle spielen in Zukunft, oder? Irgendwer muss das alles doch bezahlen.

Melitta
Edeka
Wago
Follmann
Siegfried
Hagemeyer
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Es bleibt dabei: Es sind ganz viele Nullen im Spiel – von ganz oben bis nach ganz unten.

Egal wohin man blättert: „Minden“, „Weser“, „Glacis“ – es sind die drei Worte im Papier, die spezifisch etwas mit dieser Stadt zu tun haben. Mehr nicht. Wohlgemerkt: in einer „Stadtstrategie“, die sich selbstbewusst „Minden 2032“ nennt.

Nicht mal Mindens Hoffnungsträger, der RailCampus OWL, den man von Deutsche Bahn und Hochschule Bielefeld geschenkt bekommt, schafft es bis in das 38-Seiten-Pamphlet der Verfasser.

Offenbar alles nicht visionär genug, nicht „lokal“ genug, nicht wichtig genug, um als Bezugspunkt für strategische Überlegungen zu dienen.

Das ganz große Buzzword-Bullshit-Bingo

Es ist erschütternd, was alles nicht drin steht im Strategiepapier. Und umso erschütternder, mit was die knapp vierzig Seiten gefüllt werden. Noch ein Beispiel gefällig?

„Miteinander füreinander“.

Oha, das ist mal „lokal“! Das ist Minden pur!

„Wir müssen die damit verbundenen Ziele Schritt für Schritt angehen.“

Ach, komm, echt jetzt? Wer hätte das gedacht …

„Wir (sind) Motor einer gemeinsamen, kooperativen Stadtentwicklung insbesondere in zentralen Feldern wie der Stadtplanung, der Bildung und Betreuung, der Verkehrswende oder dem Umwelt- und Klimaschutz“.

Es ist das ganz große Buzzword-Bullshit-Bingo, das Mindens Stadtobere hier vorgespielt bekommen, damit sie dazu tiefsinnig und bedeutungsschwanger aus der Wäsche gucken können.

Jede Stadt hat etwas Besseres verdient als Leipziger Allerlei

Gegenfrage: Glauben Sie, dass, sagen wir mal: die Stadt Hamburg ein 40-seitiges Strategiepapier in Auftrag gibt, in dem zwar der Name „Hamburg“ hundertmal auftaucht, der Begriff „Elbe“ viermal und dann noch ein-, zweimal die „Alster“ – und das war’s dann? Der Rest lauter freundliches Allgemeingeplänkel, das irgendwo abgekupfert wurde?

Kein einziges Mal auf vierzig Seiten Strategie: Elbphilharmonie? Musical-Stadt, Tor zur Welt, Hafen? Container-Terminal, Speicherstadt, Jungfernstieg? HafenCity, Reeperbahn, St. Pauli – oder, oder, oder?

Ich kann Ihnen sagen: Man würde achtkantig vom Hof gejagt werden. In Hamburg arbeiten Profis. Anders als in Minden: Da kriegt man noch sechsstellige Schecks in die Tasche gesteckt für den letzten Blödsinn.

Wer „das Lokale“, die spezifischen Eigenheiten, Charakteristika, Stärken und, ja, auch Schwächen einer Stadt so grundlegend ignoriert beim Aufstellen einer Zukunftsstrategie, wird niemals in der Lage sein, das Potenzial einer Stadt auch nur annähernd zu aktivieren.

Stattdessen wird er die Stadt weiter ins Mittelmaß führen – und damit noch tiefer in die Gesichts- und Bedeutungslosigkeit.

Jede Stadt hat etwas Besseres verdient als dieses Leipziger Allerlei, das Minden sich zur Zukunftsstrategie 2032 erkoren hat.

Ein Pferd erzählt was vom Pferd

4. Der ehrlichste Satz zur Strategie? Steht in der Sitzungs-vorlage

Austauschbar und beliebig bis zur völligen Konturlosigkeit: Irgendjemandem im Mindener Rathaus muss das offenbar auch komisch vorgekommen sein, dass jede Individualität für die Stadt Minden im Strategiepapier fehlt.

So erklärt sich wohl der nachfolgende Satz, der sich auf Seite 3 der Sitzungsvorlage im letzten Absatz findet. (Die „Allgemeine Vorlage Nr. 51/2023“ vom 28.02.2023 können Sie hier kostenlos im Ratsinformationssystem der Stadt Minden downloaden.)

Es ist die ehrlichste Aussage des Mindener Rathauses zu seiner zusammengeschwurbelten Allerwelts-Strategie. Bin ich der Einzige, der ihn aufmerksam gelesen hat vor der Sitzung?

"Die Prioritätensetzung hebt die Individualität der Stadtstrategie Minden 2032 gegenüber Strategien anderer Städte der gleichen Größenordnung hervor."

Quelle: Sitzungsdrucksache Nr. 51/2023 der Stadt Minden, Seite 3, letzter Absatz

Ausschnitt aus Sitzungsvorlage Stadt Minden

Ausschnitt aus der Sitzungsdrucksache Nr. 51/2023 der Stadt Minden, Seite 3, letzter Absatz.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Individualität der Mindener Stadtstrategie (und damit die Unterscheidung zu Strategien anderer Städte) ergibt sich nicht etwa daraus, dass man eine individuelle Stadtstrategie für Minden entwickelt hätte, nein!

Sondern dadurch, dass man die Schwerpunktziele (die alle Städte ähnlich haben) in Minden anders priorisiert.

Wow, und schon hat man eine vollkommen individuelle, ganz neue, einzigartige Strategie? In Minden glauben sie so einen Quatsch offenbar tatsächlich.

Massenware als Maßanfertigung verkaufen – wie genial

Schnell mal zählen: Insgesamt stehen 39 Schwerpunktziele im Papier, dazu drei verschiedene Priorisierungsstufen.

Rein rechnerisch reicht das für sage und schreibe knapp einhundertzwanzig vollkommen „individuelle“ Stadtstrategien – ohne dass man groß was ändern müsste, außer etwas anders priorisieren. Wie genial ist das denn, bitte!

Ebensogut könnte man argumentieren: Unsere Fußgängerzone ist ganz individuell und einzigartig, denn bei uns kommt erst der Fielmann – dann der Tchibo – danach H&M – und erst dann der Kik. In anderen Städten ist die Reihenfolge gaaaanz anders. Das macht unsere City so vollkommen einzigartig, individuell und unverwechselbar.

Man kann sich auch gleich einen vom Pferd erzählen lassen

Massenware als Maßanfertigung – durch „Prioritätensetzung“. Für eine sechsstellige Honorarsumme. Wow!

Da können Mindens Stadtverordnete ja gar nicht anders als fröhlich zuzustimmen, wenn man so ahnungslos über den Tisch gezogen wird.

Ein Pferd erzählt was vom Pferd

5. Zum Spass: Wir lassen ChatGPT eine Stadtstrategie schreiben. Nein: drei!

Einen sechsstelligen Betrag soll die „Stadtstrategie Minden 2032“ gekostet haben, heißt es aus informierten Kreisen. Sicher ist auf jeden Fall: Es hat volle vier Jahre gebraucht, um bis zum aktuellen Ergebnisstand zu kommen. Viel Geld, viel Zeit für ein äußerst fragwürdiges Ergebnis.

Da stellt sich natürlich die Frage: Muss das so teuer sein? Und muss das so lange dauern? Was wäre, wenn man keinen einzigen Cent dafür ausgeben würde? Und nur wenige Sekunden auf das Ergebnis warten müsste? Zum Beispiel, indem man einer KI (Künstlichen Intelligenz) die Aufgabe stellt.

Nicht lang schnacken – wir haben die Probe aufs Exempel gemacht!

Wir haben ChatGPT gebeten, eine Stadtstrategie 2032 für eine deutsche Mittelstadt zu schreiben – und das Ergebnis ist mehr als verblüffend, wenn man es vergleicht mit dem, was Minden sich hat andrehen lassen.

Und weil es so viel Spaß gemacht hat, haben wir beim gleichen prompt noch zwei Mal auf regenerate response geklickt. Mit dem Ergebnis, dass wir am Ende gleich drei Stadtstrategien hatten (ohne irgendeine Priorisierung zu verschieben).

Wohlgemerkt: Innerhalb von Sekunden (statt vier Jahren wie bei der Stadt Minden) und für null Euro (statt eines sechsstelligen Betrags bei der Stadt Minden).

Ob die Ergebnisse sich sehen lassen können? Sie weichen jedenfalls nicht so grundlegend von den Ergebnissen der externen Berater ab, als dass sich damit ein sechsstelliger Honorarbetrag rechtfertigen ließe.

Es ist im Prinzip das gleiche Allgemein-Blabla-Gesülze über strategische Ziele wie bei der „Stadtstrategie Minden 2032“. Aber immerhin: mit Ansätzen strategischer Maßnahmen bzw. Empfehlungen. 

Kostenlos und sekundenschnell: Stadtstrategie 2032 erstellt von ChatGPT

Der prompt, den wir zur Text-Generierung genutzt haben, lautete:
„Schreib mir eine Stadtstrategie für das Jahr 2032 für eine deutsche Mittelstadt“.

Antwort 1 von ChatGPT:

„Gerne schlage ich eine Stadtstrategie für das Jahr 2032 für eine deutsche Mittelstadt vor.

Die Stadtstrategie für die Mittelstadt soll sich auf drei Hauptbereiche konzentrieren: Nachhaltigkeit, Innovation und Lebensqualität.

1. Nachhaltigkeit: Die Mittelstadt soll sich zum Ziel setzen, bis 2032 eine CO2-neutrale Stadt zu werden. Dazu sollten die öffentlichen Gebäude, wie Schulen, Bibliotheken und Verwaltungsgebäude, mit Solarenergie ausgestattet werden. Zudem sollte der öffentliche Nahverkehr durch Elektrobusse und Fahrradwege ausgebaut werden, um den Verkehr zu reduzieren und die Luftverschmutzung zu minimieren. Die Stadt sollte auch Anreize für Bürger schaffen, auf umweltfreundliche Fortbewegungsmittel umzusteigen, z.B. durch die Einführung von E-Bike-Leasingprogrammen.

2. Innovation: Die Mittelstadt sollte sich auf die Förderung von Innovation und Digitalisierung konzentrieren. Ein Schwerpunkt sollte dabei auf der Verbesserung der digitalen Infrastruktur liegen, um eine schnelle und stabile Internetverbindung in der ganzen Stadt zu gewährleisten. Zudem sollten Unternehmen unterstützt werden, um Innovationen zu schaffen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Eine lokale Start-up-Szene sollte gefördert werden, um junge Unternehmer zu ermutigen, ihre Geschäftsideen in der Stadt zu verwirklichen.

3. Lebensqualität: Die Mittelstadt sollte eine hohe Lebensqualität für ihre Bürger sicherstellen. Dazu sollten Grünflächen und Parks ausgebaut werden, um den Bewohnern mehr Raum für Freizeitaktivitäten und Erholung zu bieten. Die Stadt sollte auch Anstrengungen unternehmen, um die Wohnqualität zu verbessern. Hierfür sollten bezahlbare Wohnungen für Familien und Singles gebaut werden, um den Bedarf an Wohnraum in der Stadt zu decken. Ebenfalls sollte die Stadt das soziale Leben fördern, um das Zusammenleben in der Stadt zu stärken. Hierfür können Veranstaltungen und Festivals organisiert werden, die die Bewohner zusammenbringen.

Die Umsetzung dieser Stadtstrategie erfordert die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürgern und anderen Interessengruppen. Mit dieser Strategie wird die Mittelstadt nicht nur für ihre Bewohner attraktiver, sondern kann auch neue Investoren und Unternehmen anziehen.“

Antwort 2 von ChatGPT:

„Gerne erstelle ich eine Stadtstrategie für das Jahr 2032 für eine deutsche Mittelstadt. Ich werde dabei einige allgemeine Strategiepunkte skizzieren, die für viele Städte relevant sein können.

1. Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Stadt sollte eine nachhaltige Stadtentwicklungsstrategie verfolgen, die die Bedürfnisse der Menschen in Einklang mit Umwelt- und Klimaschutz bringt. Dazu können Maßnahmen wie die Förderung von umweltfreundlichem Verkehr, der Ausbau von Fahrradwegen und öffentlichem Nahverkehr sowie die Energieeffizienz von Gebäuden beitragen.

2. Digitalisierung: Die Stadt sollte ihre digitale Infrastruktur ausbauen, um wirtschaftliche Entwicklung und bürgernahe Verwaltung zu fördern. Dazu können die Einführung von Smart-City-Technologien und die Förderung von Start-ups beitragen.

3. Kultur- und Freizeitangebote: Die Stadt sollte ihr kulturelles und Freizeitangebot ausbauen, um die Attraktivität für Bewohner und Besucher zu erhöhen. Dazu können Maßnahmen wie die Förderung von Kunst und Kultur, der Bau von Parks und Grünflächen sowie die Schaffung von Begegnungsräumen beitragen.

4. Wirtschaftsförderung: Die Stadt sollte eine aktive Wirtschaftsförderung betreiben, um Arbeitsplätze zu schaffen und den Wohlstand zu fördern. Dazu können Maßnahmen wie die Ansiedlung von Unternehmen, die Förderung von Existenzgründungen und die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft beitragen.

5. Bildung: Die Stadt sollte eine gute Bildungsinfrastruktur bereitstellen, um den Menschen gute Ausbildungschancen zu bieten. Dazu können Maßnahmen wie der Ausbau von Kindertagesstätten und Schulen, die Förderung von Bildungseinrichtungen und die Stärkung der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft beitragen.

6. Soziale Gerechtigkeit: Die Stadt sollte sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen und dafür sorgen, dass alle Menschen in der Stadt Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Wohnraum haben. Dazu können Maßnahmen wie die Förderung von bezahlbarem Wohnraum, die Stärkung des sozialen Zusammenhalts und die Integration von Migranten und Flüchtlingen beitragen.

7. Verwaltung: Die Stadt sollte eine bürgernahe und effiziente Verwaltung bereitstellen, die auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht. Dazu können Maßnahmen wie die Stärkung der Bürgerbeteiligung, die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen und die Schaffung von Serviceeinrichtungen beitragen.

Diese Strategiepunkte sollten in einem umfassenden Plan für die Stadtentwicklung im Jahr 2032 zusammengefasst werden. Dabei sollten die Maßnahmen auf die individuellen Bedürfnisse und Herausforderungen der Mittelstadt zugeschnitten sein. Es ist auch wichtig, die Bürgerinnen und Bürger in den Entwicklungsprozess einzubeziehen, um eine breite Unterstützung für die Strategie zu erreichen.

Antwort 3 von ChatGPT:

„Gerne! Hier ist eine mögliche Stadtstrategie für eine deutsche Mittelstadt im Jahr 2032:

1. Nachhaltige Stadtentwicklung: Die Stadt setzt sich das Ziel, bis zum Jahr 2035 eine klimaneutrale Stadt zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in den nächsten zehn Jahren verstärkt Maßnahmen zur Energieeinsparung, zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Reduktion von CO2-Emissionen umgesetzt. Die Stadt arbeitet eng mit lokalen Unternehmen, Bürgern und Organisationen zusammen, um die Umsetzung dieser Maßnahmen sicherzustellen.

2. Digitalisierung: Die Stadt investiert verstärkt in die Digitalisierung von Verwaltung, öffentlichem Verkehr, Bildungseinrichtungen und anderen städtischen Einrichtungen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu verbessern und die Effizienz der städtischen Infrastruktur zu steigern.

3. Stärkung der Wirtschaft: Die Stadt setzt auf die Förderung von neuen, innovativen Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Hierbei liegt ein besonderer Fokus auf Unternehmen, die sich auf Nachhaltigkeit und Umwelttechnologien spezialisiert haben.

4. Verbesserung der Mobilität: Die Stadt fördert den öffentlichen Nahverkehr, den Fahrradverkehr und den Fußgängerverkehr. Hierzu werden neue Fahrradwege und Fußgängerzonen angelegt, der öffentliche Nahverkehr wird ausgebaut und neue Mobilitätskonzepte wie Carsharing und E-Bike-Verleih werden eingeführt.

5. Förderung von Bildung und Kultur: Die Stadt setzt auf die Förderung von Bildung und Kultur als wichtige Elemente einer lebenswerten Stadt. Hierzu werden Schulen, Bibliotheken und Kultureinrichtungen weiter ausgebaut und die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Kultureinrichtungen und Unternehmen verstärkt.

6. Bürgerbeteiligung: Die Stadt setzt auf eine verstärkte Bürgerbeteiligung bei allen städtischen Entscheidungen. Hierzu werden regelmäßige Bürgerforen und Workshops veranstaltet, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre Meinungen und Ideen einbringen können. Ziel ist es, eine lebendige, partizipative Stadtgesellschaft zu schaffen, die sich aktiv an der Gestaltung der Stadt beteiligt.

Durch die Umsetzung dieser Strategie wird die Stadt zu einer lebenswerten, nachhaltigen und innovativen Stadt, die sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellt und dabei die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Bürgerinnen und Bürger im Blick behält.

Wohlgemerkt: Diese drei Antworten sind das Ergebnis von weniger als fünf Minuten Arbeit. Ich finde: bemerkenswert gut gelöst von ChatGPT.

Durch gezieltes Anpassen der prompts lassen sich die Ergebnisse noch sehr viel präziser und kleinteiliger granulieren. Dann wären auch Antworten möglich, die einzelne thematische Schwerpunkte detaillierter beschreiben oder weitere strategische Maßnahmen empfehlen. Ebenfalls eine Sache von nur wenigen Klicks – aber jedenfalls nicht von Jahren.

Und natürlich ist am Ergebnis der KI jetzt nichts explizit herausragend, einzigartig oder individuell: Künstliche Intelligenz neigt halt zur statistisch wahrscheinlichsten Lösung (vulgo Mittelmaß), nicht zu außergewöhnlicher Exzellenz.

Allerdings war außergewöhnliche Exzellenz in Minden noch nie gefordert – weder bei der Stadtstrategie 2032 noch bei anderen Themen.

Ahnungslose Landeier lassen sich viel zu gerne einen vom Pferd erzählen

Was ist Ihre Meinung: Ist das Ergebnis von ChatGPT so grundlegend schlechter als das Schwurbelzeug, das Mindens Politik sich hat andrehen lassen? Rechtfertigt dieser Unterschied vier Jahre mehr an Zeitaufwand, an personellen Ressourcen und einen sechsstelligen Beraterbetrag aus unseren Steuergeldern?

Unterm Strich bleibt die Frage zurück: Was ist der Grund, dass man sich in Minden ein Beraterpapier mit viel heißer Luft für so viel Geld andrehen lässt?

Warum fordert man im Mindener Rathaus keine besseren Ergebnisse ein? Warum legt niemand Wert auf Substanz? Sind Verwaltung und Politik so überfordert, wenn es um Kompetenz geht?

Warum lässt man sich in Minden immer und immer wieder mit gesichtslosem Mittelmaß abspeisen statt strategische und konzeptionelle Exzellenz einzufordern?

Offenbar bestätigt sich einfach nur wieder, was wir hier schon des öfteren erlebt haben: Ahnungslose Landeier lassen sich einfach viel zu gerne einen vom Pferd erzählen.

Ein Pferd erzählt was vom Pferd
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