Die Gurkentruppe im Rathaus:
Unsere Top Five! Und die Gurke des Jahres geht an …

Autor Edgar Wilkening

von | 12. Jan, 2022

Dieser Beitrag ist live vor Publikum entstanden in der “O19”, dem Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt in der Obermarktstraße 19.


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ew@dasherzderstadt.de

Jahreswechsel ist Hochsaison für die alljährlichen Rückblicke und Bestenlisten. Die meisten widmen sich A-Talkatastrophen, B-Promis und C-Pandemie. Wir dagegen lassen das ABC links liegen und fokussieren uns ganz auf die Polit-Elite unseres kleinen Weserstädtchens.

Wer hat 2021 was so krass vergurkt, dass es reicht für die Qualifikation zur Gurke des Jahres? Wer schafft’s auf einen der begehrten Top-Fünf-Plätze? Und wer geht am Ende als Sieger aus dem Rennen und nimmt den Titel „Gurke des Jahres“ als Trophäe mit nach Haus?

Beworben hatten sich viele. Da war der SPD-Ortsverband, der keine Gelegenheit auslässt, sich als demokratisch und antifaschistisch zu inszenieren – aber keine Worte findet, wenn aus seinem Vorstand faschistoide Sprüche schallen. Da ist der Stadtverordnete, der Bürger im Rat öffentlich angeht dafür, dass sie Vorschläge und praktische Hilfe zur Stadtentwicklung anbieten. Da ist die stets bemühte CDU-Fraktion, der offenbar noch immer niemand gesagt hat, dass es keine Oppositionsarbeit ist, wenn die regierende SPD das Stöckchen wirft, fröhlich wuffend hinterherzulaufen und es schwanzwedelnd zurückzubringen.

Das alles (und noch viel mehr) war 2021 grandios rumgegurkt im Rathaus. Dennoch: Für die vordersten Plätze in Mindens Gurkentruppe war es nicht gurkig genug. Da gehört mehr dazu: ein Grad an Überheblichkeit, Arroganz oder Dämlichkeit, zu dem nur die allergrößten Gurken fähig sind. Tipp: im neuen Jahr einfach nochmal probieren – dann klappt’s auch auf die Spitzenplätze.

Die Jury jedenfalls hat es sich nicht leicht gemacht. In der finalen Sitzung, im Schaufenster-Studio von Das Herz der Stadt, fielen die Entscheidungen: Wer kommt aufs Treppchen? Und wer bekommt den beliebten Titel „Gurke des Jahres 2021“? Hier sind die Ergebnisse.

Die Gurke des Jahres '21: Platz 5

an den Baubeigeordneten Bursian
für seine spektakuläre „500.000-Euro-Ungenauigkeit“

Das muss man erstmal fertigbringen: circa 500.000 Euro in einer Kalkulation zu unterschlagen! Wenn man eine Sitzungsvorlage für politische Ausschüsse der Stadt Minden vorbereitet, scheint das allerdings ein probates Mittel zu sein.

Die Sitzungsdrucksache Nr. 265/2020, die der Fachbereich 5.2 unter Leitung des Baubeigeordneten Lars Bursian erstellt hat für die Sitzung des „Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr“ am 20. Januar 2021, wirft ein bemerkenswertes Licht auf die Rechenkünste dieses Fachbereichs.

Die Grundstücke am Rampenloch hat die Stadt Minden für knapp 700.000 Euro erworben. Verkauft werden sollen sie für geschätzte 200.000 Euro. Die Differenz aus alledem, würde jeder Normalbürger mit einer halben Million Euro Verlust bezeichnen. Für den Fachbereich 5.2 unter Leitung des Baubeigeordneten Bursian dagegen sind die „finanziellen Auswirkungen“: Null.

Eine derart trübe Milchgurkenrechnung ist uns definitiv Platz Fünf wert im Rennen um die Gurke des Jahres. Gratulation an den Baubeigeordneten!

Der allerdings müsste sich den Platz eigentlich mit den Stadtverordneten im Ausschuss teilen. Von denen hat nämlich kein einziger in der Sitzung Anstoß an der Milchgurkenrechnung genommen und protestiert oder wenigstens mal nachgefragt. Das Thema Rechenschwäche – es scheint in Mindens Politkaste weit verbreitet, wie sich auch auf Platz Vier zeigt.

Investigative Bürger

Wer hat’s rausgefunden und publik gemacht: dass in der Sitzungsvorlage knapp 500.000 Euro Verlust zulasten der Stadt Minden unterschlagen werden? Keine Behörde. Kein Kontrollgremium. Keine Presse. Rausgefunden haben es investigative Bürger (investigativecitizens.org).

Die Gurke des Jahres '21: Platz 4

an das Rechnungsprüfungsamt,
das sich – ausgerechnet! – beim Prüfen von Rechnungen verrechnet

Dafür gab’s im Februar ’21 schon den goldenen Taschenrechner. Denn auch das war eine so bemerkenswerte Gurken-Leistung, das sie einfach gewürdigt gehört.

Es geht um das Rechnungsprüfungsamt, das (wie der Name erahnen lässt) Rechnungen prüfen soll. Was denken Sie: Für eine solche Aufgabe, werden da die allerbesten Mathe-Asse eingestellt – oder die rechenschwächsten Milchmädchen, die sich finden lassen?

Das Ergebnis liess jedenfalls keine Zweifel: Ausgerechnet beim Prüfen von Rechnungen, also dann, wenn es ganz besonders drauf ankommt, weil das Amt tun soll, wofür es seinen Namen hat – genau dann leistet sich das Rechnungsprüfungsamt massive Ausfälle. Und kann nicht einmal drei Zahlen korrekt addieren.

So viel öffentlich zur Schau gestellte Rechenkompetenz, gerade dann, wenn’s drauf ankommt – das ist uns nicht nur den Goldenen Taschenrechner wert, sondern auch Platz Vier im Rennen um die Gurke des Jahres. Chapeau!

Investigative Bürger

Wer hat’s rausgefunden und publik gemacht: dass das Rechnungsprüfungsamt sich beim Prüfen von Rechnungen verrechnet? Keine Behörde. Kein Kontrollgremium. Keine Presse. Rausgefunden haben es investigative Bürger (investigativecitizens.org).

Die Gurke des Jahres '21: Platz 3

an den Kämmerer Kresse
für seinen legendären Bilanz-Buchungstrick

Das mit dem Ver-Rechnen zieht sich durchs Rathaus wie ein genossenroter Faden. Da wollte auch Kämmerer Norbert Kresse offenbar nicht zurückstehen.

Ihm gelang das sagenhafte Kunststück, in eine Jahresbilanz, die längst abgeschlossen war und formal nicht mehr angerührt werden durfte, einen Betrag hineinzubuchen, um seinem Bürgermeister lästigen Ärger zu ersparen, der am Ende womöglich nur in Lügen geendet hätte.

In der freien Wirtschaft würde man für derartige Bilanztricks wohl vor den Kadi gezogen – oder direkt gefeuert. In Mindens Rathaus dienen solcherart Kunststücke eher dazu, das Nachdenken über die eigene Karriere zu befördern. Zum Beispiel, ob man neben der Tätigkeit als Kämmerer nicht auch noch die halbe Kultur vergurken könnte.

Ein derart robustes, unbeschwertes Handeln am Rande (oder jenseits?) des Legalen, das ist der Jury Bronze wert: Platz Drei im Rennen um die Gurke des Jahres. Glückwunsch!

Die Gurke des Jahres '21: Platz 2

an Bürgermeister Michael Jäcke
für die sagenhafte Erfindung von Grundstücken für seine Multihalle

„Inhaltlich fundiert“ müsse das Konzept für die geplante Multihalle sein, das sei doch das Wichtigste, sagte Bürgermeister Michael Jäcke erst neulich während der Bürgersprechstunde in einem Telefonat, das aktuell den Staatsschutz in Bielefeld beschäftigt.

Was er genau meint mit „inhaltlich fundiert“, darüber legte Jäcke im August ’21 schriftlich Zeugnis ab.

In einem über Jahre erarbeiteten Konzeptpapier offenbarte der Bürgermeister frank und frei, dass er zum Bau der Multihalle auch Grundstücke nutzen wolle, die überhaupt nicht existieren: nicht in Minden, nicht in NRW, nicht auf diesem Planeten. Reine Luftnummer.

Ist ja klar, dass ihm seine treue Gefolgschaft im Stadtrat zujubelt bei so viel visionärem Wagemut, während Otto-Normalbürger nur den Kopf schüttelt. Wunsch und Wirklichkeit waren wohl selten weiter voneinander entfernt als im Wirken und Wollen des wirren Lockenkopfs von der Weser.

Das alles ist ist so krass „inhaltlich fundiert“ vergurkt, dass die Jury Platz Zwei auf dem Treppchen für vollkommen inhaltlich fundiert hält. Glauben Sie nicht? Fragen Sie den Staatsschutz.

Investigative Bürger

Wer hat’s rausgefunden und publik gemacht: dass der Bürgermeister seine Multihalle auf Grundstücke bauen will, die überhaupt nicht existieren? Keine Behörde. Kein Kontrollgremium. Keine Presse. Rausgefunden haben es investigative Bürger (investigativecitizens.org).

Die Gurke des Jahres '21: Platz 1

an die Mindener SPD
für das brillant gespielte Zuschustern innerstädtischer Baugrundstücke an eine linientreue Genossin

Award "Gurke des Jahres"

Das scheint von langer Hand blitzsauber eingefädelt in SPD-Kreisen. Wofür ist man schließlich eine mehr als 150 Jahre alte Partei, wenn man nicht über den einzelnen Tag hinausdenken würde?

Da gibt es also wertvollen Baugrund mitten in der Mindener Innenstadt, der Nutzen stiften könnte für die gesamte Stadt. Die Grundstücke sind im Besitz der Stadt und sollen (mit sattem Nachlass von etwa einer halben Million Euro / siehe Platz Fünf) in Privatbesitz übergeben werden.

Wer käme für ein solches Prachtstück besser in Frage, als eine linientreue Genossin? Spätestens im Oktober 2019 wurden die Weichen dafür gestellt – indem man bei einer Veranstaltung des SPD-Ortsverbands im BÜZ ein stadtplanerisches Konzept feierte, das Architektin und Parteigenossin Bettina Lauer in die Hände spielte.

Dass das gefeierte Konzept das Narrativ des Ortes mit Füßen tritt, dass die historisch einmalige Chance, die sich daraus für die gesamte Stadt Minden ergeben könnte, konsequent missachtet wurde – wen ficht das an in Mindens SPD, wenn man doch einer Genossin einen Gefallen tun kann.

Und so kann der sozialistische Weltenlauf seinen eingeschlagenen Weg nehmen: Keine anderthalb Jahre nach der Ortsverbands-Veranstaltung, am 20. Januar 2021, gibt der Bau-Ausschuss grünes Licht dafür, dass die Grundstücke von der Parteigenossin verplant und entwickelt werden – fast ohne Gegenstimmen (auch dank der brav Stöckchen holenden CDU-Fraktion). Genau so, wie man es sich von langer Hand wohl längst gewünscht hat.

So viel Zielstrebigkeit und Unverfrorenheit im Umgang mit öffentlichem Hab und Gut – das ist der Jury ganz eindeutig Gold wert: Die Gurke des Jahres 2021 geht an die Mindener SPD, die stets genau weiß, was sie wem zu wünschen und zu gönnen hat. Gratulation an die strahlenden Sieger!

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