2. CIMA-Workshop Innenstadtmanagement Minden:
Fokusgruppe Eigentümer*innen

Autor Edgar Wilkening

von | 16. Juni, 2022

 


Sie erreichen den Autor per Mail an:
ew@dasherzderstadt.de

Wer nach dem ersten Workshop „Innenstadtmanagement“, den die Beratungsgesellschaft CIMA am 25. April 2022 in Minden durchgeführt hatte, schon dachte: „Schlimmer geht’s nimmer“, wurde beim Folge-Workshop eines Besseren belehrt. Schlimmer geht offenbar immer.

Dienstag, 14. Juni 2022, 18:00 Uhr. Draußen winkt ein launig-sonniger Sommerabend. Es sollte also gute Gründe geben, warum Menschen den Abend nicht im Sonnenschein, sondern in Workshop-Gruppen verbringen. Leider blieben die Einlader diese guten Gründe bis zum Ende schuldig.

Etwa vierzig Menschen hatten sich auf Einladung des Bürgermeisters im StartMiUp eingefunden zum „2. Workshop Innenstadtmanagement“, diesmal mit der „Fokusgruppe Eigentümer*innen“.

Nach der Begrüßung und einem impulslosen Impulsvortrag wurden die Teilnehmer in vier Workshop-Gruppen einsortiert. Wer in welche Gruppe kam, wollten die Einlader offenbar weder dem Zufall noch den Anwesenden selbst überlassen. Die Stadtverwaltung hatte die Gruppen vorab penibel festgelegt. Nach welchen Kriterien, wurde nicht erklärt.

So blieb der Eindruck, dass man auf diese Weise Eklats wie im ersten Workshop vermeiden wollte, indem man potenziell kritische Stimmen schon im Vorfeld wegsortiert und einhegt.

Was hätte man nicht alles besprechen können!

In allen vier Workshop-Gruppen wurden die selben Fragestellungen besprochen. Ach – was hätte man nicht alles fragen können, wenn man schon mal so viele hochkarätige Innenstadt-Eigentümer an einem Ort beisammen hat!

Zum Beispiel Dinge wie: „Welche Perspektive sehen Sie für Ihre Innenstadt-Immobilie?“ – „Was sind Ihre Sorgen und Nöte?“ – „Was sind Hindernisse, mit denen Sie zu tun haben?“ – „Wobei könnte Stadtverwaltung Ihnen behilflich sein?“ – „Oder wo drückt Sie sonst der Schuh?“ Hätte man alles fragen können.

Aber nein, hat niemand gefragt, hat niemanden interessiert. Keine dieser Fragen wurde gestellt. Nicht in der Workshop-Gruppe, der der Autor zusortiert worden war, und auch nicht im Plenum.

Stattdessen ging es um Fragen wie: „Wenn Sie Leerstand haben, wie vermarkten Sie den: Direktansprache, Inserat, über Plattformen oder per Makler?“

Herrgott nochmal – was soll man antworten bei derart *brisanten* Fragen? Kein Wunder, dass alle Workshop-Gruppen zum gleichen Ergebnis kamen: Natürlich werden alle Wege genutzt. Ach! Echt jetzt? Ja. Mal gleichzeitig, mal gestaffelt nacheinander – mal mehr Direktansprache, mal weniger Inserat …

Erkenntnisgewinn: Null. Neuigkeitswert: Nullkommanull.

Und so *brisant* ging es dann auch weiter: „Planen Sie Renovierungsarbeiten? Investieren Sie in Ihre Immobilie?“

Man muss kein Berater sein und auch kein Immobilienprofi, um sich auszumalen, wie die Antworten lauteten: Wenn konkreter Bedarf ist, wird renoviert – wenn investiert werden muss, wird das gemacht.

Für die Berater der CIMA waren solche Aussagen so bemerkenswert, dass sie sofort auf dem hippen Miro-Board notiert werden mussten. Und wen wundert’s: natürlich in allen vier Workshop-Gruppen mit prinzipiell gleichem Wortlaut. Sagenhaft!

„Wenn Sie neu vermieten, achten Sie darauf, dass der neue Mieter zum Umfeld passt? Oder sagen Sie: Ist mir egal, Hauptsache vermietet?“ – „Kennen Sie Ihre Nachbarn und haben Sie ein Netzwerk mit denen? Möchten Sie die gerne kennenlernen?“ – „Wie gehen Sie mit Mieterwünschen um? Und wer trägt die Kosten?“ – „Kennen Sie die Förderprogramme des Landes NRW?“ –  „Würden Sie einer Zwischennutzung zustimmen, oder wie stehen Sie dazu?“

… so ging das fast anderthalb Stunden. Eine Banalität folgte auf die nächste. Plattitüden-Plauderstündchen mit der CIMA. Belanglosigkeit zu Beraterhonoraren. Jeder durfte mal was sagen, jeder einen Schwank erzählen. Willkommen beim Wohlfühl-Wischiwaschi.

Fragen nach Missständen? Nach strukturellen Problemen? Fehlanzeige.

„Es fühlte sich an wie therapeutischer Gesprächskreis“, sagte mir eine Teilnehmerin später.

Sie war auch diejenige, die den klügsten Satz des Abends zur Analyse der Innenstadtprobleme sagte. Auf die bunten Miro-Zettelchen schaffte es der aber nicht. Zu klug offenbar. (Ich schreibe ihn hier ebenfalls nicht hin. Er wird demnächst zentraler Aufhänger einer größeren Analyse werden.)

Wenn dann ausgerechnet der Verwaltungs-Mitarbeiter, Bereich Stadtentwicklung, der wohl als Aufpasser mit in der Gruppe saß, da er offensichtlich nicht zu den Eigentümern zählt – wenn also ausgerechnet der dann sagt, er habe gerade ganz viel Neues erfahren, stellt sich die Frage: Sachmal, was macht Ihr da im Rathaus eigentlich den ganzen Tag – außer Kaffeetrinken und Urlaubstage zählen …?

Fazit am Ende des Abends: Man hätte den lauen Sommerabend besser im Sonnenschein verbringen sollen – statt in den lauen Workshop-Gruppen der CIMA.

Immerhin: Wenigstens der Bürgermeister zeigte sich im Schlusswort zufrieden. Für ihn und seine Mannschaft läuft scheinbar alles nach Plan. Offenbar haben sie genau den Workshop geliefert bekommen, den sie bestellt hatten. Das allerdings lässt das Schlimmste befürchten.

Eine datenbasierte Replik zur Frage, wie die Zukunft der Volkshochschule aussieht" >
Sep. 01 2026

Eine datenbasierte Replik zur Frage, wie die Zukunft der Volkshochschule aussieht" > Pflichtaufgabe, nicht Wohltat!
Eine datenbasierte Replik zur Frage, wie die Zukunft der Volkshochschule aussieht

Ein Fachbeitrag über die Zukunft der Volkshochschule Minden/Bad Oeynhausen kommt ohne eine einzige Zahl aus dem Zweckverband aus. Und die Antwort auf die Frage, die der...
Freispruch aus Mangel an Beweisen" >
Illustration des Alten Gefängnisses in Minden
Aug. 21 2026

Freispruch aus Mangel an Beweisen" > Denkmalschutz blockiert das alte Gefängnis Minden?
Freispruch aus Mangel an Beweisen

Ein Kommentar in einem Lokalblatt schiebt dem Denkmalschutz die Verantwortung zu für den Stillstand am alten Gefängnis in Minden. Die Anklage kommt ohne einen einzigen...
Illustration einer Café-Eröffnung
Aug. 06 2026

Wie man an einem Strang zieht: Mit den Händen in der Hosentasche
Ein Nachtrag aus der Wirklichkeit, zwei Wochen später

Ein Café, das andere bezahlt haben. Ein Bürgermeister, der gratuliert. Und dazwischen ein Wörtchen, das aus fremder Leistung Gemeinschaftswerk macht. Über die Kunst, an...
Interaktiver Kaufkraft-Rechner" >
Titelbild zum interaktiven Kaufkraft-Rechner
Aug. 05 2026

Interaktiver Kaufkraft-Rechner" > Wie viel Geld fehlt Ihrem Haushalt, wenn Sie in Minden wohnen?
Interaktiver Kaufkraft-Rechner

Da spricht der Bürgermeister ungern drüber in seinen Sonntagsreden: Mindens Bürger sind statistisch benachteiligt, weil sie in Minden leben – und zwar um viele tausend...
Allein unter Nachbarn
Minden verliert nicht gegen München. Minden verliert gegen Porta Westfalica" >
Smartphone mit Chatfenster: Mindens Nachbargemeinden chatten
Aug. 01 2026

Allein unter Nachbarn
Minden verliert nicht gegen München. Minden verliert gegen Porta Westfalica" > Allein unter Nachbarn
Minden verliert nicht gegen München. Minden verliert gegen Porta Westfalica

Minden verliert. Aber nicht gegen Hamburg oder München – das wäre keine Schande. Minden verliert gegen Porta, Hille und Petershagen. Wie das Umland die Familien erntet,...
Titelbild zur interaktiven Grafik "Kaufkraft Hille vs. Minden"
Juli 28 2026

Die Kaufkraft-Abfahrt
Interaktive Grafik zur Serie „Rang 315 in NRW – Vermessung einer Stadt“

Symbolbild © Illustration: Das Herz der Stadt, 2026Sechsteilige Serie Sechs amtlich vermessene Befunde über eine Mittelstadt, die den Wettbewerb verschläft, in dem sie...
Der Exportschlager
Mindens erfolgreichstes Produkt verlässt die Stadt mit neunzehn – und die Bilanz sieht trotzdem gut aus" >
Paket mit dem Stempel "Made in Minden" und Anschrift in Hamburg
Juli 24 2026

Der Exportschlager
Mindens erfolgreichstes Produkt verlässt die Stadt mit neunzehn – und die Bilanz sieht trotzdem gut aus" > Der Exportschlager
Mindens erfolgreichstes Produkt verlässt die Stadt mit neunzehn – und die Bilanz sieht trotzdem gut aus

Auf dem Weihnachtsmarkt erzählen sie von München, Singapur, Hamburg – die Ehemaligen, drei Tage im Jahr zurück in Minden. Die Stadt nennt das Heimatliebe. Die Statistik...
Wo das Weserbergland aufhört
Warum Touristen durch die Stadt hindurchfahren, in der Schiffe über Schiffe fahren" >
Ortausgangsschild zeigt das Ende des Weserberglands an
Juli 22 2026

Wo das Weserbergland aufhört
Warum Touristen durch die Stadt hindurchfahren, in der Schiffe über Schiffe fahren" > Wo das Weserbergland aufhört
Warum Touristen durch die Stadt hindurchfahren, in der Schiffe über Schiffe fahren

Es steht in der Eigenwerbung der Tourismusbranche: Das Weserbergland wird „im Norden von Minden begrenzt“. Nicht etwa gekrönt – sondern begrenzt! Warum Gäste im...
RANG 315 IN NRW – Vermessung einer Stadt, die den Wettbewerb verschläft (Sechsteilige Serie)" >
Montage der sechs Titelbilder der Serie
Juli 22 2026

RANG 315 IN NRW – Vermessung einer Stadt, die den Wettbewerb verschläft (Sechsteilige Serie)" > RANG 315 IN NRW – Vermessung einer Stadt, die den Wettbewerb verschläft (Sechsteilige Serie)

Deutsche Mittelstädte konkurrieren – um Einwohner, Fachkräfte, Gäste, Investitionen, Aufmerksamkeit. Die meisten wissen es nicht, manche wollen es nicht wissen, eine...
Gebt den Bürgern die Akten!
Ein unerhörter Vorschlag – und die viel ernstere Frage dahinter" >
Der Bürgermeister überreicht dem Bürgerkomitee die Akten zur Einsicht
Juli 22 2026

Gebt den Bürgern die Akten!
Ein unerhörter Vorschlag – und die viel ernstere Frage dahinter" > Gebt den Bürgern die Akten!
Ein unerhörter Vorschlag – und die viel ernstere Frage dahinter

Dienstagmorgen, kurz nach neun. Es klopft. Vor der Rathaustür ein Dutzend ganz normaler Bürger: „Wir würden dann mal alles sehen wollen.“ Ein Hirngespinst?...