© Illustration: Das Herz der Stadt
Obermarktpassage für 52 Mio. zum Verkauf: Wissen Politik und Verwaltung, wie sehr sie sich haben über den Tisch ziehen lassen?
Autor Edgar Wilkening. Experte für Predictive Strategizing (vorausschauende, empathische Strategie-Analyse). Sein Credo: “Wenn man weiß, wie das Gegenüber tickt, kann man immer ein paar Schritte voraus sein.“
"Eine toxische, praktisch unverkäufliche Immobilie transformiert zu einem hochpreisig verkäuflichen Objekt. Der Wert des Objekts, er dürfte sich schon jetzt (...) um viele Millionen erhöht haben – durch Unboxing, Bereinigen der Eigentümerschaft und Herstellen von Baurecht. So wird Geld verdient. Nicht in irgendeinem rosaroten Märchenland, das sich eine provinzielle Politkaste ausmalt – sondern in der Realität des 21. Jahrhunderts. "
Quelle: Artikel „Obermarktpassage: Haufen Landeier lässt sich vorführen von gewieftem Investor – und heult los“ von Edgar Wilkening auf dasherzderstadt.de vom 2. Oktober 2021.
Kein Blick in die Glaskugel, keine Kaffeesatzleserei – sondern klar wie Kloßbrühe: Als ich vor knapp fünf Jahren, im Oktober 2021, erklärt habe, wie man in der Immobilienwirtschaft Geld verdient und wie dämlich sich Mindens Politik und Verwaltung dazu verhalten, bin ich oft dafür angegangen worden.
Ja, Expertise ist nicht wohlgelitten in der korrumpierten Politkaste des kleinen Weserstädtchens. Lieber umgibt sich mit Ahnungslosen und Schaumschlägern oder wählt sie gleich ins Bürgermeister-Amt.
Nichtsdestotrotz: Dass ich mit meiner Analyse aus 2021 vollkommen richtig lag, bestätigt sich heute, wo die brache Obermarktpassage in bundesweiten Immobilien-Portalen öffentlich zum Verkauf angeboten wird.
… bzw. wurde. Denn kurze Zeit nach Veröffentlichung dieses Berichtes hier wurden die entsprechenden Offerten offline gestellt und sind seitdem zumindest öffentlich nicht mehr aufrufbar. Aber es gibt Screenshots (siehe unten).
Nein, Robert Maiers AIM wird die Obermarktpassage nicht zu einem neuen, lebendigen Ort entwickeln, wie Mindens Politik sich blauäugig immer wieder eingeredet hatte.
Ja, Robert Maiers AIM hat mit dem, was sie im Objekt geleistet hat, den Wert der Immobilie immens gesteigert – genau wie ich es 2021 beschrieben habe (auch wenn diese Leistung für Mindens Politik nicht erkennbar oder nachvollziehbar ist).
Ja, Robert Maiers Versprechungen, die die Mindener Politik so gerne hörte (bis sie ihm große Teile der Immobilie sogar zum symbolischen Gegenwert von einem Euro schenkte und damit das letzte Stück direkter Einflussnahme aus der Hand gab) waren nichts als heiße Luft, um Zeit zu schinden.
Ja, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um Kasse zu machen bei Robert Maiers AIM, um die im Objekt geleistete Arbeit zu monetarisieren – alles wie 2021 angekündigt.
Ja, Mindens Politik und Verwaltung hat sich von einem gewieften Investor vorführen lassen, weil man doch so gerne große Träume träumte – und am Ende zahlen die Bürger der Stadt die Zeche dafür. Auch das alles war ohne Kaffeesatz schon lange absehbar.
Kolportiert wurde ein Kaufpreis von etwas unter 11 Millionen Euro – damals, als die AIM das Objekt vom amerikanischen Finanzinvestor Cerberus übernahm. Jetzt kommt das Objekt für fast des Fünffache auf den Markt: 52 Millionen Euro lautet der Verkaufspreis. Da hat also jemand einen schönen Schnitt gemacht innerhalb weniger Jahre – und sich von Mindens Provinz-Elite derweil noch hofieren lassen.
Die Eckdaten des Angebots "Obermarktpassage"
„Erstklassige Lage: Opportunistische Einkaufspassage mit LEH-Ankermieter & Wohnanlage“, heißt es wortwörtlich im Verkaufs-Exposé.
Adresse: 32423 Minden
Baujahr 1984
Grundstücksfläche: 11.170 m²
Vermietbare Fläche: 35.445,00 m²
Anzahl Stellplätze: 520
Kaufpreis: 52.000.000,00 EUR
Kaufpreis pro m²: 1.467,06 EUR
Provision für den Käufer: 2 % zuzüglich MwSt.
Ansprechpartner: ein Hamburger Immobilien-Makler
Quelle: regionalimmobilen24.de
Screenshots als Beleg
Quelle: Screenshots aus dem Immobilienportal www.regionalimmobilien24.de. Oben: Ausschnitt aus dem Online-Inserat. Unten: Ausschnitt aus dem mehrseitigen Exposé zur Obermarktpassage. Beide Screenshots vom 3. Februar 2026, 12:12 Uhr und zu dem Zeitpunkt auf dem Portal öffentlich einsehbar. Zwischenzeitlich beides offline gestellt und öffentlich nicht mehr aufrufbar.
Der Fall Obermarktpassage ist ein Musterbeispiel für die ganze Kurzsichtig- und Ahnungslosigkeit der politisch Verantwortlichen dieser Stadt. Für das heillose Chaos, das eine rotverfilzte Provinz-Clique in Politik und Verwaltung über die Stadt zieht.
Und es reiht sich ein in eine endlose Kette gravierender Fehleinschätzungen: von der gigantomanen Multifunktionshalle, den abstrusen Plan-Rochaden am Rechten Weserufer, dem absurden Martini-Fahrstuhlvorhaben – bis hin jetzt ganz aktuell: das kaum finanzierbare Projekt Alte Sparkasse am Kleinen Domhof, dessen Abriss als devote Servicegeste der Stadt vor allem dem Konzern Wohnhaus Minden nützt.
Man will so gerne „große Stadt“ spielen in Mindens Verwaltung und Politik. Aber kleine Geister kriegen eben immer nur Murks zustande. Das vorherzusagen, dazu braucht es keine Kaffeesatzleserei, sondern lediglich das, was in Mindens Politkaste am meisten verfemt ist: ein wenig Sachverstand. ♥